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Dino-Erotik zum Lesen: Sex mit der Echs'

Wer geglaubt hat, dem Genre der erotischen Literatur sei nichts mehr hinzuzufügen, halte andächtig inne: Zwei Autorinnen fabulieren in ihren Schmuddelheftchen über knisternde Momente mit Dinosauriern.

Von Jens Wiesner

Große Biester, holde Damen. Dass es zwischen King Kong und der weißen Frau ordentlich gefunkt hat, ist ein alter Hut. Die Szene unter dem Wasserfall spricht Bände. Aber wer hätte gedacht, dass auch Dinosaurier den einen oder anderen Menschen nicht nur zum Fressen gern haben? Christie Sims und Alara Branwen zum Beispiel. Das Autorenduo (seien wir großzügig und nehmen an, es handelt sich um real existierende Menschen) vertreibt seit einiger Zeit Heftchen, die die Beziehung zwischen Mensch und Urzeitviech auf eine völlig neue Ebene hieven.

Die Geschichten, meist nicht länger als 20 Seiten, schöpfen aus der historisch doch eher ungenauen Prämisse, dass Dinosaurier und Höhlenmenschen zum gleichen Zeitpunkt auf der Erde gelebt hätten. Dabei wird die Hauptrolle zumeist von einer Steinzeitdame übernommen, die frustriert von der primitiven, keulenschwingenden Männerwelt aus ihrer sicheren Höhle flieht und schnurstracks in den Krallen eines gefährlichen Sauriers landet. Aber T-Rex, was hast du für ein großes Maul? Tja.

Im Schoß der Riesenechsen

"This is not your mother's erotica", warnen die Autorinnen in ihrer Amazon-Buchbeschreibung theatralisch - sicher auch, damit niemand über die Dino-Erotik stolpert, der eigentlich nur Neuigkeiten zum vierten "Jurassic Park"-Film aufrufen wollte. Dabei kann eigentlich niemand behaupten, die Warnsignale verpasst zu haben. Schon das Buchcover, eine recht simpel gehaltene Photoshop-Kombo, spricht Bände: Da starrt das jeweilige Titelbiest, Maul aufgerissen, auf eine Dame in gar-nicht-urzeitlicher Unterwäsche, die im besten Fall Erinnerungen an Prinzessin Leia in Jabbas Palast weckt.

Weil die Autorinnen wohl schon ahnten, dass sich ihre Klientel eher ziert, diese Geschichtchen beim Buchhändler um die Ecke mitzunehmen, setzen sie voll und ganz auf digital. So reihen sich Titel wie "Running From The Raptor", "Taken By The T-Rex" und "In the Velociraptor's Nest" nahtlos ein in den Strom von Nischenerotika, die seit EL James' "Fifty Shades of Grey" einen Boom als eBook erleben.

Meisterinnen der Monster-Erotik

Und die Kommentare der ersten Käufer? Nennen wir es: amüsiert positiv. "Mein Liebesleben war an einem stagnierenden Punkt angekommen, bis ich dieses Buch kaufte!" verriet eine Leserin augenzwinkernd, die offenbar nur für diesen Kommentar den langen Weg einer Amazon-Registrierung auf sich nahm.

Aus heiterem Himmel regnet der Erfolg freilich nicht auf Sims und Branwen herab: Vor ihren Dinosaurier-Eskapaden haben die Autorinnen schon über Zentauren, Drachen, Werwölfe und Orks fabuliert. So dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis alle Ungeheuer in einer Raum und Zeit transzendierenden Crossovergeschichte auftauchen werden. Fast so wie bei Marvels "The Avengers", nur eben mit dem gewissen Kink. Monsters, assemble!

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