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Elke Heidenreichs "Weiterlesen!": So klappt es mit der Urlaubslektüre

Jetzt kommt wieder die beste Zeit zu lesen. Damit Sie garantiert keine Frust bei der Wahl der Urlaubslektüre erleben, gibt es Tipps von unserer Expertin Elke Heidenreich, die gerade eine Hotelbibliothek mit 1200 Büchern bestückt hat. Ob Mokkakrokant mit Szechuan-Pfefferkirschen auch schwere Lesekost verdaulicher macht?

Da ist sie wieder, die gefährlichste Zeit des Jahres, der Urlaub, auf den man sich so was von freut, und dann geht es wieder mal so was von daneben. Das kann am Hotel liegen, am dreckigen Meer, an den Preisen, am Auto, das man doch besser noch hätte abwracken sollen, am Gatten, an der Gattin, an den Kindern, aber auch an den falschen Büchern. Wer jetzt "Die Rättin" oder "Angstblüte" mitnimmt, der ist selbst schuld. So was geht eben einfach nicht. Ich rate auch ab von Süßwaren à la Pilcher, das überdauert keinen Nachmittag.

Packen Sie Herbert Rosendorfers verrückten Italienroman "Der Mann mit den goldenen Ohren" ein, (Kiepenheuer&Witsch) da kann gar nix passieren, das ist frech, gescheit und unterhaltend, jede Menge Ehegeschichten, ein reicher Mafioso, reichlich Jetset und eine beknackte Halbprominente namens Jenny Ürgend-Ürgendwiesen kommt auch drin vor, und da hat man genug zu raten, wer das denn wohl sein könnte.

Das blaublütige Lesegeheimnis aus Monaco

Unbedingt sollten Sie auch "Was mit Kate geschah" von Catherine O’Flynn lesen (Atrium), endlich mal ein Krimi, der nicht wirklich ein Krimi ist, kein Blut, keine Spurensuche, ein Spaziergang durch verletzte Seelen und unerträgliche Einkaufscenter, wo es vorne blitzt, damit wir tüchtig kaufen, und hinter den Fassaden lauern Ratten, Dreck, Eheprobleme, Psychowahnsinn und eben das normale Leben. Wer gar nicht weiß, was er lesen soll und auch auf mich partout nicht hören will, der kann es ja immer noch einfach so machen wie Charlene Wittstock, die sehr blonde Dauerfreundin von Monaco-Albert: "Bei Büchern bin ich nicht sehr wählerisch. Ich suche eines aus, lese es, lege es wieder weg, lese ein neues." Ja, schöner und einfacher ist doch das, was Lesen ausmacht und wie es funktioniert, nie beschrieben worden!

Ansonsten in Kürze die Nachrichten vom Buchmarkt: Wechseljahre gehen, Demenz bleibt, Inkontinenz kommt. Stress, Wellness, Innere Wahrheit legen zu. Und den Preis fürs scheußlichste Titelbild kriegt in diesem Herbst der Goldmann Verlag für seinen schelmisch grinsenden Horst Lichter mit Lennonbrille und Kaiser Wilhelm Bart, er zeigt auf ein halbes Pfund Butter, sein Buch heißt denn auch "Alles in Butter", und es wird einem schon schlecht, wenn man nur draufguckt.

Wie vertragen sich Szechuan-Pfefferkirschen mit hoher Literatur?

Ich habe gerade für ein großes Hotel eine Bibliothek einrichten dürfen - ein Traumjob für eine leidenschaftliche Leserin. Da stehen nun 1200 handverlesene, geliebte Bücher, und weil es ein sehr feines Hotel ist, gibt es so was Ähnliches wie Kalbskopf in lauwarmem Trüffelschaum oder Taubenbrust in Mokkakrokant mit scharfen Szechuan-Pfefferkirschen zu essen, und ich weiß einfach nicht, ob Leute, die so was essen, dann auch wirklich "Die Wand" von Marlen Haushofer lesen wollen? Ach, wie passt das nur alles in der Welt zusammen, die Langostinos im feinen Nudelgeflecht und Antonio Tabucchis "Erklärt Pereira"? Gar nicht. Macht nix. Bei den Buddenbrooks gab's Weihnachten auch nach der heißen Kräutersuppe Fisch und gekochten Schinken in säuerlicher Schalottensauce, und trotzdem ist das ein gutes Buch, aber die Familie geht zugrunde. Vielleicht wegen des Essens? Hat darüber schon mal einer nachgedacht?

Aber letztlich, egal, ob schöne Bücher, liebe Gattin oder eitel Sonne: Der Sommer ist gelaufen, weil wir so traurig sind. Unsere schönsten Hoffnungen - zertreten, zerstoben, verweht. Da kam ein zarter schwarzer Mann an die Macht, versicherte, dass alles besser würde, dass wir, ja: können! Und dann das. Ein Mörder. Brutal, hinterhältig, sadistisch: Er hat im laufenden Interview eine Fliege erschlagen, mit eigener Hand, und natürlich rügen das die Tierschützer sofort. Erbarmen mit den Fliegen! Wie sollen wir einem Mann das Weltgeschehen anvertrauen, der derart zuschlägt? Auch von seiner Frau nichts Gutes: Nach exzessiver öffentlicher Gartenarbeit erntete Michelle Obama (Horst Schlämmer: "Frau Alabama") eine einzige Gurke. EINE. Die sollte sie dann am besten als Gurke des Monats ihrem Gatten überreichen, für die böse Tat.

Nach der Gurke des Monats nun das Schlusswort des Monats, es ist von Groucho Marx: "Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese."