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"Gérard": Er begleitete Depardieu fünf Jahre: "Nach mehr als drei Tagen war ich immer völlig erschöpft"

Fünf Jahre lang begleitete Mathieu Sapin Frankreichs bekanntesten Schauspieler. Dabei hat der Autor und Zeichner vor keiner noch so peinlichen Lage halt gemacht. Nun kommt sein Comic auf Deutsch heraus und wird auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt.

Gérard Depardieu sitzt im Beiwagen eines Motorrades, das Gérard Depardieu fährt

Mathieu Sapin hat Gérard Depardieu fünf Jahre lang auf seinen Reisen begleitet. Nicht immer im Beiwagen.

Nackt unter der Dusche mit , gemeinsam Badetücher klauen und durch Gasfelder in Aserbaidschan fahren. Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen, lautet das Sprichwort. Erst recht, wenn er mit dem Urgestein des französischen Kinos unterwegs ist. Fünf Jahre lang hat der Autor und Zeichner Mathieu Sapin den französischen Schauspieler begleitet.

Dabei ist eine über 150 Seiten lange Comic-Reportage herausgekommen, die den Star erleben lässt – wie er leibt und lebt. Die Comicreportage kommt Ende März auf den deutschen Markt. Erstmals vorgestellt wird sie am Freitag und Samstag auf der Buchmesse in .

"Nach mehr als drei Tagen Depardieu war ich immer völlig erschöpft"

"Gérard. Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu" heißt das Buch. Das Titelbild spricht Bände: Depardieu gibt Gas auf einem Motorrad, Sapin im Sidecar mit Angstschweiß auf der Stirn. "Depardieu zu folgen, ist anstrengend. Er ist ständig in Bewegung und redet pausenlos", sagte Sapin in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in Paris. "Nach mehr als drei Tagen Depardieu war ich immer völlig erschöpft."

Der 43-Jährige hat den Star über fünf Jahre hinweg immer wieder bei Dreharbeiten, Promo-Reisen und dunklen Geschäftsterminen unter anderem nach Russland, , Spanien und Portugal begleitet. Dabei hat Sapin vor keinem Thema und noch so peinlicher Lage halt gemacht.

Auszug aus dem Comic

Als großer Fan von Gérard Depardieu hat Mathieu Sapin Frankreichs bekanntesten Schauspieler fünf Jahre lang begleitet. Es war nicht immer einfach.


Depardieu in allen Facetten

Über dem Kaspischen Meer beginnt Sapin ein Gespräch mit Depardieu über den Tod. Dabei erfährt der Leser, dass der Abschied Gégé, so nennen die Franzosen ihr Leinwandmonster, nicht traurig macht. Denn: Wenn man an jemanden denke, lebe er solange weiter, wie man selber lebe.

Rührend, unterhaltsam, genervt, aufbrausend, lustig, provozierend: Sapin hat Depardieu in allen Facetten und Situationen beobachtet und gezeichnet. Allein unter vier Augen in seinem Luxusstadthaus in , mit Filmkollegin Fanny Ardant bei Dreharbeiten, mit einfachen Fischern und tschetschenischen Mafiabossen. Mit Depardieu sei alles möglich, so Sapin.

Nichts wird beschönigt. Depardieu schnauft und rülpst, gibt ohne Vorwarnung Obszönitäten von sich. "Ich komme mir vor, als würde ich ein wildes Tier beobachten", schreibt Sapin in einer Textblase.

Aus dem Staunen nicht herausgekommen

Sapin stellt sich in dem Comic gern als verschreckter und verblüffter Zeichner dar, der aus dem Staunen nicht herauskommt. So auch, als zu Depardieu ein junger Mann ins Haus kommt, um dem Schauspieler Unterricht in chinesischer Kalligrafie zu geben, oder ihn eine Freundin anruft, die wissen will, nach welchem Rezept sie Lachs oder Wolfsbarsch zubereiten soll.

Mit schnellen und leichten Strichen hat Sapin von Depardieu ein Porträt entworfen, das ebenso komplex und vielfältig ist wie dessen Rollen. Denn zwischen Obelix, Asterix' dickstem Freund und Liebhaber von Fressgelagen und Raufereien, dem schüchternen, romantischen Poeten Cyrano von Bergerac und dem Draufgänger und Rebell in die "Ausgebufften" liegen Welten.

Wer der Steuerflüchtling und Neu-Russe – Depardieu besitzt seit 2016 einen russischen Pass – nun eigentlich sei? Das sei schwer zu sagen, meinte Sapin nach seinem Roadtrip. Eines weiß der Reportagekünstler jedoch sicher: "Jemandem wie Depardieu begegnet man kein zweites Mal mehr." Nicht viel anders ergeht es dem Leser. 

"Gérard: Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu" von Matheiu Sapin, Reprodukt, 24 Euro, hier bestellbar 

Das Cover des Comics "Gérard. Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu" von Mathieu Sapin

Das Cover des Comics "Gérard. Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu" von Mathieu Sapin

DPA



bal/Sabine Glaubitz / DPA
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo