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Geschichte: Wegbereiter des Buddhismus in Deutschland

Die Begeisterung für den Buddhismus ist keine Mode-Erscheinung. Schopenhauer, Nietzsche, Hesse - viele Intellektuelle waren von der fernöstlichen Lehre fasziniert.

Arthur Schopenhauer (1788-1860):

Die Verbreitung des Buddhismus in Deutschland geht vor allem auf ihn zurück. Der Philosoph sah in der Religion einen Gegenentwurf zur abendländischen Metaphysik, deutete deren Erkenntnisstreben als Mittel, um die geistige Isolierung des Individuums zu durchbrechen ("Die Welt als Wille und Vorstellung"). Schopenhauer fand zahlreiche Verbindungen zwischen seiner eigenen Philosophie und der buddhistischen Lehre, etwa den Atheismus. Die Begeisterung vieler Intellektueller wie auch die ersten Übersetzungen der asiatischen Schriften gehen vor allem auf Schopenhauer zurück.

Richard Wagner (1813-1883):

Der Komponist war fasziniert vom Buddhismus, sah in Buddha einen Sieger und Gewinner, einen aller Leidenschaft enthobenen Menschen. Wagner wollte gar eine Oper über den Religionsgründer schreiben, Titel: "Die Sieger". Schließlich schien ihm das Thema aber doch zu exotisch. Er verfasste den Parsifal.

Friedrich Nietzsche (1844-90):

Er kam durch die Lektüre Schopenhauers mit dem Buddhismus in Kontakt. Für ihn war er ein Gegenentwurf zum Christentum, das er für die Religion des Verfalls, des Mitleids hielt. Die Selbstzügelung der fernöstlichen Lehre deutete er als Weg, sich selbst zu vervollkommnen, um schließlich, ganz im Sinne Zarathustras, zum "Übermenschen" zu werden.

Hermann Hesse (1877-1962):

Der Schriftsteller reiste mehrfach nach Indien und machte mit "Siddharta" die Lebensgeschichte Buddhas im Westen populär. Besonders in den Vereinigten Staaten löste das Buch in den Sechzigern und Siebzigern einen Buddhismus-Boom aus, bis heute wurden dort über zwei Millionen Exemplare verkauft. Hesse interpretierte den Buddhismus als Möglichkeit der geistigen Emanzipation, setzte sich aber mit den Details der Lehre nicht auseinander.

Karlfried Graf von Dürckheim (1896-1988):

Dürckheim, Psychologe und in den dreißiger Jahren Kulturattachée in Tokio, war vor allem von der Bewegungsmeditation des japanischen ZEN-Buddhismus fasziniert. Für ihn war diese Lehre die ideale Verbindung von Geist und Körper. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er in Rütte im Schwarzwald eine therapeutische Begegnungsstätte. Er bemühte sich dort gemeinsam mit seiner Frau, die Lehren des Buddhismus auch bei der therapeutischen Arbeit anzuwenden.

Hugo M. Enomiya-Lasalle (1898-1990):

Der Priester Lasalle kam während seiner Tätigkeit als Missionar in Japan in Kontakt mit dem ZEN-Buddhismus. Er sah in der fernöstlichen Meditation großes Potenzial – auch für das Christentum. Fortan versuchte er, buddhistische Elemente in die christliche Lehre einzuflechten. Nachdem er von seinen japanischen ZEN-Meistern ermächtigt wurde, gab er dazu unter anderem ZEN-Kurse in Benediktiner-Abteien

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