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Google ehrt polnischen Sci-Fi-Autor: Stanislaw Lem - ein fantastischer Fatalist

Vor fünf Jahren starb Stanislaw Lem. Heute setzt Google dem polnischen Science-Fiction-Autor ein Denkmal. Ein Doodle für den Mann, der die Zukunft gekannt hat - und daran verzweifelt ist.

Utopie, Technik, Zukunftsvision, Philosophie – das war die Welt des Stanislaw Lem. Der gebürtige Pole war einer der "Klassiker" des Science-Fiction-Genres, seine Geschichten handeln vom Weltraum, Zukunft und Möglichkeiten. Er ließ die Grenzen zwischen Realität und Phantasie blasser werden.

Der Schriftsteller galt zeitweise sogar als Vordenker technischer Entwicklungen. In seinen Romanen noch Zukunftsvisionen, wurden sie Wirklichkeit - vom Internet über die Genforschung bis hin zur künstlichen Intelligenz. Wie bei Jules Vernes, dessen Bücher er als Junge liebte, waren Lems Werke stets auch eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen der Technik und ihres Einflusses auf den Menschen.

Eigentlich sollte der im heute ukrainischen Lviv (Lwow/Lemberg) geborene Lem die Familientradition fortsetzen und Arzt werden. Sein Medizinstudium wurde jedoch vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen, als die Nazis nach dem Einfall in Polen die Hochschulen schlossen. Lem, der mit gefälschten Papieren seine jüdische Herkunft verschleiern konnte, schlug sich als Automechaniker durch. Nach dem Krieg nahm er das Medizinstudium zwar wieder auf und arbeitete auch für kurze Zeit als Arzt, doch schon seit Beginn der 50er Jahre war Lem freier Schriftsteller.

Grotesker Humor gegen die Zensur

Seine Science-Fiction-Romane verhalfen Lem zu Weltruhm. Seine Romane wie "Solaris", "Eden" oder "Der Unbesiegbare" wurden in 41 Sprachen übersetzt und erschienen in eine Auflage von insgesamt 27 Millionen Exemplaren. Zahlreiche Regisseure verfilmten Lems Bücher, zuletzt erwies Steven Soderbergh dem Autor mit der dritten Verfilmung von "Solaris" die Ehre.

Lems Leser schätzten besonders den zuweilen grotesken Humor, der vor allem in den frühen Werken Lems eine Flucht vor der Realität darstellt. "Die meisten meiner Bücher wurden während des Kommunismus geschrieben, und ich musste mich mit der Zensur auseinander setzen", sagte Lem einmal in einem Interview. "Ich habe den Totalitarismus nie geliebt und die Idee, die Menschheit glücklich zu machen, erschien mir verrückt. Ich habe versucht, ihre Absurdität zu zeigen."

Dennoch habe in seinen frühen Werken der optimistische Glaube an die Fähigkeiten des Menschen dominiert. Später trat an die Stelle des einstigen Fortschrittglaubens Skepsis des Autors, der außer seinem Medizinstudium umfangreiche naturwissenschaftliche Bildung besaß. "Ich habe nicht vorhergesehen, dass die Wissenschaft fast vollständig dem Kommerz untergeordnet wird", räumte Lem einmal ein. Die meisten Gelehrten arbeiteten nicht aus dem Gefühl der Berufung heraus, sondern mit dem Ziel des Nobelpreises, und am besten würden Forschungen zu neuen Waffen bezahlt.

"Menschen sind schrecklich und die Zukunft düster", sagte Lem bereits einmal über das Leitmotiv seines literarischen Werkes. An eine andere Menschheit, früher sein größter Traum, glaube er nicht mehr.

Stanislaw Lem starb nach längerer Krankheit am 27. März 2006 in Krakau.

hw/DPA / DPA