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Rob Vegas im Interview: Der Mann, der Harald Schmidt ist

Seit Jahren twittert er als Harald Schmidt und hat damit viele Medien in die Irre geführt. Nun hat Rob Vegas sogar Schmidts Autobiografie verfasst. Im Interview sagt Vegas, warum - und was Harald Schmidt damit zu tun hat.

Rob Vegas Harald Schmidt

Rob Vegas (vorne) hat die Biografie "Ich, Harald Schmidt" geschrieben. Schauspieler Roland Baisch hat das Hörbuch eingesprochen.

Rob Vegas, seit 2009 twittern Sie als Harald Schmidt und haben inzwischen mehr als 80.000 Follower. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Es war eigentlich eine Schnapsidee. Damals gab es noch kaum Prominente, die getwittert haben. Und ich dachte, es könnte spannend sein, wenn Harald Schmidt den Alltag seiner Show beschreibt: Von der Redaktionskonferenz, was hinter der Bühne passiert - und was mit Helmut Zerlett los ist.

War es von Anfang an geplant, dass daraus ein Langzeit-Projekt wird?
Ich hab das nur ein paar Monate gemacht, damals sind alle drauf reingefallen. Sogar die ARD hat den Twitter-Account mit in die offizielle Liste aufgenommen. Twitter hat mir dann sogar den blauen Haken gegeben. Im ZDF sind Oliver Kahn und Janine Michaelsen darauf reingefallen - vor Millionen Zuschauern. Ich habe nach einer Weile aufgehört, weil ich dachte, das Thema ist durch.


Wieso sind Sie sechs Jahre später noch immer dabei?
Viele Leute haben mich zum Weitermachen aufgefordert. Sie wollten Schmidt. So blieb ich dabei. Es ist verrückt: Am Donnerstag bin ich bei Thomas Koschwitz. Seine "RTL Nachtshow" wurde abgesetzt, weil Harald Schmidt kam. Jetzt sitze ich beim stern, um die Ecke ist die Henri-Nannen-Schule, hier wäre Schmidt 1983 beinahe genommen worden. Ich geh gerade die ganzen Stationen ab. Auf dem Bundesmedienball habe ich vergangene Woche Helmut Zerlett getroffen.

Wie steht Harald Schmidt zu ihrem Fake-Account?
Der Twitter-Account erzeugt jede Menge guter Presse. Es produziert mehr Schlagzeilen als Schmidt selbst. Ich bin der letzte Gag-Schreiber, der noch für ihn arbeitet. Der nicht mitbekommen hat, dass es die Show nicht mehr gibt. Die Leute denken dabei ja nicht an mich und jubeln: "Rob, das hast du toll gemacht."


Ist er nie rechtlich gegen den Account vorgegangen?
Er hat erkannt, dass es viel cleverer ist, es laufen zu lassen. Es schadet ja nicht. Die Sprüche sind immer positiv, nie gegen die eigene Person. Eigentlich doof, dass ich’s mache. Eigentlich müsste ich Geld dafür bekommen. Im Laufe der Jahre ist das Ding allerdings sehr groß geworden. Jetzt kommt auch noch das Buch. Ich weiß nicht, wann die Größe erreicht ist, dass es ihn nervt. Vielleicht wenn der Kinofilm kommt.

Sind Sie Harald Schmidt jemals persönlich begegnet?

Wir haben uns einmal auf einer Veranstaltung im WDR getroffen, haben uns aber nicht näher unterhalten.

Wie oft sind Medien schon auf Ihren Account hereingefallen?
Fast alle Medien sind im Laufe der Jahre mal drauf reingefallen. Das ARD-Morgenmagazin zuletzt vor einer Woche. Die "Closer" bringt immer noch fast jede Woche einen der Tweets.


Ist Harald Schmidt selbst bei Twitter?
Er hat das mal versucht. Jan Böhmermann wollte ihm vor einigen Jahren Twitter beibringen. Nach einer Woche merkte man aber, dass Schmidt da keine Lust drauf hatte. Er ist nicht für die Generation da, die Leute auf dem Smartphone zu bedienen. Der Mann muss ein Nokia 3210 haben und fragen: "Sigrid, wo fahr' ich jetzt hin?" Harald Schmidt, der ein Selfie macht: Das möchte man nicht.

Nun haben Sie das Buch "Ich, Harald Schmidt" veröffentlicht. Wie ist es dazu gekommen?
Ich hatte eigentlich ein Buch geschrieben über meine lustige Welt im Internet. Der Verlag sagte: "Du bist jetzt nicht bekannt. Aber du machst doch diesen Schmidt-Account, da wäre ein Buch angebracht." So entstand die Idee einer Fake-Biografie.

Wie sind Sie bei Ihrem neuen Buch vorgegangen?
Harald Schmidt selbst hat ja keine Lust auf eine Biografie. Aber er hat viel aus seinem Leben erzählt. Der Mann hat ja so viele Interviews gegeben. Das habe ich mir alles rausgesucht und zusammengefügt: All die kleinen Geschichten - das ergibt sein echtes Leben. Ich bin der Ghostwriter, den er nie haben wollte.

Ich, Harald Schmidt

"Ich, Harald Schmidt" von Rob Vegas ist bei Goldmann erschienen und kostet 9,99 Euro.

Wie hoch ist der Anteil ihrer Fantasie?
Die Fantasie kommt immer dazu, wenn ich nichts hatte. Es ist sein echtes Leben, und was nicht bekannt ist, ist mit der Frage hinzugefügt worden: Was würde Schmidt dazu sagen? Und zwar in seinem Sound: schnoddrig, kein Bock auf Internet, Menschen mag ich eigentlich nicht, die Bosse sind alle blöd. Ich hab auch ein paar Geschichten reingenommen, die ich selbst erlebt habe.

Wie haben Sie diesen Schmidt-Sound getroffen?
Ich hab einen Papa, der ist 73. Der Schmidt, den ich skizziere, ist nah dran: Journalismus geht unter, die werden bald alle durch Katzenfutter ersetzt. "Focus-Online" haut alle drei Minuten eine Eilmeldung raus, das interessiert doch keinen. Ich hab mein Leben gelebt, ich muss niemanden mehr etwas beweisen. Das Buch ist meinem Vater gewidmet. Ich würde nie eine Widmung machen, weil ich das kitschig finde. Aber der Vater von Schmidt heißt Anton - meiner auch.

Was haben Sie zum Beispiel erfunden?
Die beste Geschichte ist: Welche Musik hört Harald Schmidt? Klassik - aber ich wollte auch einen Namen im Buch schreiben. Also hab ich mir eine Liste angeguckt mit 100 klassischen Komponisten. Ich wählte Franz Lehár. Das fand ich einfach gut, vom Klang her. Dann lese ich vor drei Wochen ein Interview mit Harald Schmidt, dass er gerne Franz Lehár hört. Das ist doch verrückt!

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