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Literarische Brötchentüten: Die etwas andere Frühstückslektüre

Gute Geschichten packen ihre Leser nicht nur, sie dienen ihnen auch als Verpackung. Der Verlag Lesefutter bedruckt Brötchentüten mit Literatur junger und unbekannter Autoren - mit großem Erfolg.

Fünf Schriftsteller aus dem gesamten Bundesgebiet sorgen für neue Leseerlebnisse am Frühstückstisch: Gerade ist die fünfte Auflage der literarischen Brötchentüte erschienen. In mehr als 160 deutschen Städten bringen die beiden Verleger Frank Riepe und Jens Gantzel die lesbare Verpackung über Bioläden und Reformhäusern auf den Markt. Demnächst sollen auch Buchhandlungen ihre Bücher in die künstlerischen Tüten packen.

Die beiden Unternehmer sind selbst Künstler. Riepe arbeitete jahrelang als bildender Künstler und beim Theater, sein Kollege Gantzel ist Schriftsteller. Die Arbeitslosigkeit zwang sie, neue Wege zu gehen. "Von der öffentlichen Hand gibt es einfach nichts mehr. Da muss man sich eben selbst was ausdenken", sagt Riepe. Im März 2005 wurde aus einer Idee Wirklichkeit, die erste Ausgabe von Lesefutter ging mit einer Auflage von 50.000 in den Verkauf. Bis Ende des vergangenen Jahres stieg die Gesamtauflage auf 650.000 Tüten.

Kurzgeschichten zum Nulltarif

Lesefutter, das heißt Kurzgeschichten zum Nulltarif beim Brötchenkauf. Für die Autoren bietet sich so die Möglichkeit ihren Leserkreis zu erweitern und in großer Auflage zu veröffentlichen. Osman Engin, türkischer Schriftsteller und Satiriker aus Bremen, gehört zu den bekannteren Autoren im Lesefutter Verlag. Auch er hofft auf neue Fans. "Das sind ganz neue Leserschichten und deshalb war ich auch gleich interessiert", sagt er. Der Reiz liege vor allem im Unerwarteten. Plötzlich komme etwas ganz Neues, das man nicht bewusst gekauft habe.

Der Verlag finanziert sich vor allem über Werbung und den Verkauf der Tüten. Bioladen-Besitzer Günter Schlemmer ist schon seit Beginn des Projekts dabei. Ihn reizt vor allem der Extra-Service für seine Kunden. «Ich will nicht nur die Literatur unterstützen, sondern auch den Kunden etwas bieten, worüber sie reden können», sagt er.

Produkte aus dem alternativen Lebensumfeld

Wie bei der Auswahl der Texte, so schauen die Verleger auch bei der Werbung ganz genau hin, was beworben werden soll. So finden sich vor allem Produkte aus dem alternativen Lebensumfeld auf dem unteren Tütenrand wieder. "Die Texte sollen in einem guten Umfeld erscheinen", erklärt Riepe. Deshalb würden auch nur Bioläden, Reformhäuser und Buchhandlungen beliefert. "Zwei Millionen Tüten von so einem Text kann ich mir dann doch nicht vorstellen. Das macht die Literatur kaputt", sagt er.

Die beiden Verleger von Lesefutter wagen in diesem Jahr nicht nur den Sprung in den Buchhandel, sondern auch ins Ausland. In Luxemburg werden die Lesefutter-Tüten im Frühjahr erhältlich sein, und auch Luxemburger Autoren sollen bald auf den Verpackungen zum Zuge kommen.

Maike Albrecht/DPA / DPA
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