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Interview

ZDF-Show "Volle Kanne": Von Atze Schröder bis Klaus Meine: Moderator Ingo Nommsen plaudert über seine Promi-Gäste

Bei ihm sitzen die Stars am Frühstückstisch: Seit dem Jahr 2000 moderiert Ingo Nommsen das ZDF-Magazin "Volle Kanne". Über seine Erfahrungen mit den prominenten Gästen hat der 48-Jährige jetzt ein Buch geschrieben.

Ingo Nommsen

Ingo Nommsen mit einigen seiner prominenten Gäste: Comedian Atze Schröder, Sängerin Kim Wilde, Fechterin Britta Heidemann und Musiker Klaus Meine

Seit 19 Jahren moderiert Ingo Nommsen die ZDF-Show "Volle Kanne". Über Tausend Prominente saßen bei ihm am Frühstückstisch. Und jedes Mal beschäftigt ihn die Frage, was macht seine Gäste so erfolgreich? Dreizehn hat er abseits der Kamera getroffen, um die Antwort in einem Buch zu geben. Es erzählt ganz persönliche Geschichten von Menschen wie TV-Koch Steffen Henssler, Schauspielerin Annette Frier, Comedian Atze Schröder, Scorpions-Sänger Klaus Meine, DSDS-Talent Max Buskohl und Nommsens Jugendschwarm Kim Wilde.

Wie haben Sie Ihre Gesprächspartner ausgewählt?

Es sind Menschen, die ganz unterschiedliche Beispiele verkörpern, wie ein erfolgreiches Leben aussehen kann. Und alle extrem sympathisch.

Außerdem extrem ehrgeizig.

Nicht unbedingt. Was sie verbindet, ist ihre Leidenschaft, die Bereitschaft, sich aufzuopfern. Klassischen Ehrgeiz habe ich nur bei Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann wahrgenommen. Dieser Drang, sich mit anderen zu messen, besser als andere zu sein. Das zieht sich bei ihr durchs ganze Leben. Einser-Abitur, Chinesisch gelernt, dann die Sport-Karriere und trotzdem studiert. Aber bei Sportlern ist diese Art Ehrgeiz Voraussetzung für den Erfolg.

Und sonst?

Sonst lautet das Credo eher, vergleiche dich nicht mit anderen. Leg die Messlatte bei dir selber an. Bei Künstlern ist das natürlich wichtig, weil sie ihr eigenes Ding machen müssen, um originell zu sein.

Wer hat Sie besonders beeindruckt?

Annette Frier, die aus ihrer Comedy-Ecke rauswollte, um als ernsthafte Schauspielerin eine zweite Karriere zu starten. Dafür hat sie über Jahre in Kauf genommen, kaum Jobs zu kriegen. Sowas tut nur, wer fest an sich glaubt.

Glück spielt wohl auch eine Rolle. Steffen Henssler hat sich seine Ausbildung zum Sushi-Koch in den USA mit einem Lotto-Gewinn finanziert.

Ach, der wäre auch nach Amerika gegangen, wenn er nicht im Lotto gewonnen hätte. Vielleicht etwas später. Bei jemandem wie Henssler lässt sich Erfolg nicht aufhalten.

Er ist Kampfsportler, Mont-Blanc-Bezwinger und zeigt seinen Erfolg gerne, wenn er im Porsche vor seine Hamburger Restaurants rauscht.

Er ist ein Genussmensch, ja. Wobei Geld nicht sein Antrieb ist, sondern Mittel, um seinen riesigen Betrieb am Laufen zu halten. Er hat enormes Verantwortungsgefühl für seine Mitarbeiter und viel Familiensinn.

Familiensinn ist aber nicht das typische Merkmal von Erfolgsmenschen.

Da täuschen Sie sich. Familie spielt für Erfolg eine enorme Rolle. Familie gibt Sicherheit und ist Motivator. Max Buskohls Eltern haben ihn immer ermutigt, Musik zu machen. Die haben gesagt, wenn es das ist, was dich glücklich macht, zieh es durch. Jemanden mit solchem Selbstvertrauen habe ich selten bei DSDS erlebt.

Beim inzwischen verstorbenen Siegfried Rauch war der Familiensinn Grund dafür, dass er nicht nach Hollywood gegangen ist.

Und gleichzeitig Quelle für seine Schaffenskraft. Die Heimatverbundenheit hat ihn ausgemacht. Oder nehmen Sie Klaus Meine von den Scorpions, dessen Sohn treffen Sie heute noch Backstage bei Konzerten. Familie ist wichtig, um auch mal schwere Zeiten zu überstehen.

Die die Scorpions ja hatten.

Oh ja, da redet Klaus Meine auch ganz offen drüber. Wie er in den 90er Jahren zweifelte, ob Rock, wie ihn die Scorpions spielen, überhaupt noch gefragt ist. Trotzdem haben die Scorpions weitergemacht. Aus Leidenschaft. Heute treten sie immer noch im ausverkauften Madison Square Garden auf. Das macht Weltstars aus.

Nur in Deutschland scheinen viele Leute den Erfolg der Scorpions nicht wahrzunehmen.

Ja, leider ist das so. Aber ich versichere Ihnen, die Scorpions sind mit ihrer Karriere im Reinen. Sie haben mehr als genug treue deutsche Fans und werden noch lange durch die Welt touren. Das ist ihr Leben. Auch mit 70. Die sind körperlich fit. Klaus Meine hat gerade seine große Leidenschaft, das Tennisspielen, aufgegeben, weil ihm das Verletzungsrisiko zu groß ist. Lieber will er auf der Bühne stehen.

Meinen Sie, eine Karriere wie die der Scorpions wäre heute noch möglich. Jetzt werden Stars bei "Deutschland sucht den Superstar" gemacht. Wie Max Buskohl.

Der Unterschied zwischen Buskohl und Meine ist gar nicht groß. Die mögen das Rampenlicht. Die gehen da raus, um die Energie des Publikums zu spüren. Mag sein, dass es früher etwas romantischer zuging. Dafür bietet die heutige Zeit großartige Möglichkeiten. Wer Talent hat, muss für seine Auftritte nicht mehr bei den Klubs Klinken putzen. Heute lädt man einfach ein Video auf Youtube hoch.

Dafür ist der Erfolg dann häufig genauso schnell vorbei, wie er gekommen ist. Ist sich Max Buskohl dessen bewusst?

So denkt er nicht. Der lebt für seine Musik und schlägt sogar Plattenverträge aus, wenn sie nicht in sein Konzept passen. Anderseits stellt er sich mit seiner Gitarre auch mal vor die East Side Gallery in Berlin und spielt, wenn ihm danach ist. Er beherrscht sein Handwerk. Deshalb mache ich mir um seine Zukunft keine Sorgen.

Wie war eigentlich das Treffen mit Ihrem Jugendschwarm Kim Wilde?

Großartig. Sie hat sogar feierlich einen "Bravo"-Starschnitt unterschrieben. Den haben meine ZDF-Kollegen im Redaktions-Fundus aufgetrieben.

Waren Sie nervös?

Als ich sie das erste Mal interviewt habe schon. Internationalen Besuch gibt's im deutschen Frühstücksfernsehen ja eher selten. Und dann fand ich sie absolut bodenständig. Dafür hat ihre Mutter gesorgt. Rockstar hin oder her, wenn Kim Wilde nach Hause kommt, muss sie ihre Wäsche immer noch selber waschen.

Ingo Nommsen und Kim Wilde

Ingo Nommsen mit seinem Jugendschwarm Kim Wilde

Gab es Geständnisse Ihrer dreizehn Erfolgsmenschen, die Sie überrascht haben.

Ich würde es nicht Geständnisse nennen. Bei Atze Schröder hat mich überrascht, dass er täglich meditiert. Dem hätte ich das am wenigsten zugetraut.

Und er ist von allen derjenige, der sein Privatleben am radikalsten abschottet. Wenn eine Zeitung seinen bürgerlichen Namen druckt oder ein Foto von ihm ohne Perücke zeigt, zieht er vor Gericht.

Die Anonymität braucht er, um abschalten zu können. Denn hinter der Figur Atze Schröder steckt unendlich viel Arbeit. Es gab Zeiten, da absolvierte er um die dreihundert Auftritte pro Jahr.

Buch von Ingo Nommsen

Ingo Nommsen

"Erfolgsmenschen. Was ich von meinen prominenten Gästen gelernt habe"

Hardcover, 192 Seiten

Riva Verlag

19,99 Euro

Ihr Buch wirkt ein wenig, als würden Sie um Verständnis für Prominente werben.

Ich sehe mit welcher Leidenschaft die bei der Sache sind, welche Entbehrungen sie hinnehmen mussten, während es nach außen oft so aussieht: Ach, da ist mal wieder einer über Nacht berühmt geworden. So ist es eigentlich nie.

Gibt es eine Art Erfolg, den Sie missachten?

Es gibt schon Menschen, da wundert mich, wie der Erfolg zustande gekommen ist. Doch bevor ich Namen nenne, würde ich gerne die Hintergründe recherchieren. Da wird man oft überrascht.

Gibt es jemanden, den Sie zum Thema Erfolg unbedingt befragen möchten?

Weil Erfolg oft Verantwortung bedeutet, Mark Zuckerberg. Aus einer einzigen Idee ein Netzwerk zu gründen, das heute die ganze Welt verbindet. Was für ein Gefühl muss das sein!

Interview: Andreas Albes