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Pascale Noa Bercovitch: "Ich sitze auf einer Mauer, ganz ohne Beine, und ich lache"

Vor 18 Jahren beförderte ein Zug die Französin Pascale Noa Bercovitch in ein anderes Leben. Sie wanderte nach Israel aus, trat in die Armee ein und kandidiert heute als Grüne für die Knesset.

Von Ursula Neuhauser und Karin Rocholl (Fotos)

Schneewittchen kommt mit einem Affenzahn angerollt. Umkurvt Stühle und Tische. Die schwarzen Haare wehen. Die blauen Augen strahlen. Schwups, schwingt es sich von seinem Gefährt auf die Sitzbank. Im Tragebeutel umgeschnallt, übersteht die Babytochter mit dem verheißungsvollen Namen "Eden" das Manöver, ohne aufzuwachen.

Nach Pascale Noa Bercovitch drehen sich hier im Café Basel, im Zentrum von Tel Aviv, die Gäste um. Weil sie schön ist und vor Lebenslust sprüht. Und bestimmt nicht, weil sie keine Beine mehr hat. Zu vielen, meist jungen Leuten, haben die Selbstmordanschläge die Gliedmaßen zerfetzt. Wer Pascales Geschichte nicht kennt, kann nicht wissen, dass die 35-Jährige schon vor 18 Jahren "um ein Drittel kürzer gemacht" wurde, wie sie sagt. Im friedlichen Frankreich. Auf dem Weg zur Schule.

Um uns Lachen und Geplauder. Wer hier nicht lebt, kann diese Heiterkeit nur schwer begreifen. Wir unterhalten uns über Noas Lieblingsthema: über die Kraft und Inspiration, die Menschen aus der Begegnung mit Tieren schöpfen. Vor vier Jahren schrieb die Israelin ihr erstes Buch darüber, "Das Lächeln des Delphins", die wahre Geschichte einer Freundschaft zwischen dem taubstummen Beduinenjungen Abid'allah und dem Delphinweibchen Oline; es geriet auf Anhieb auf die internationalen Bestsellerlisten.

Zwei Jahre später schrieb sie "Die Botschaft der Tiere - wie sie unser Leben bereichern". Den Tiergeschichten-Reigen eröffnet sie mit einem ganz persönlichen Erlebnis. Sie schildert, wie ein Rotkehlchen Tag für Tag den Fenstersims des Krankenhauses anfliegt, hinter dem die schwerstverletzte 17-jährige Pascale stumm und starr im Bett liegt.

Das war Ende Dezember 1984. "Das Rotkehlchen hatte eine Brücke zwischen meiner Gegenwart und meiner Zukunft gebaut", erinnert sich Pascale. Dabei schien es am 13. Dezember 1984, um 7 Uhr 37, als ob Zeit fortan für sie keine Rolle mehr spielen würde.

Es ist bitterkalt an diesem Tag in dem französischen Provinzstädtchen Anger an der Loire. Die angehende Abiturientin hetzt wie so oft in letzter Minute zur Bahnstation. Der Zug, der sie zur Schule bringen soll, fährt schon an. Pascale darf ihn nicht versäumen, eine wichtige Physikprüfung ist angesagt. Sie versucht, auf den fahrenden Zug zu springen.

Das sportliche Mädchen bekommt den Haltegriff zu packen, rutscht aber mit den Lederschuhen auf einer gefrorenen Pfütze aus. Die immer schneller werdende Bahn entwickelt einen ungeheuren Sog und zieht Pascale unter den vorletzten Wagen. Erst nach 50 Metern kommt der Zug zum Stehen. Was von Pascale übrig bleibt, liegt zwischen den Schienen. Ein Mensch ohne Beine. Das 1 Meter 65 große Mädchen ist auf genau einen Meter reduziert worden.

"Vielleicht ist es besser, sie stirbt", hört sie von ferne sagen. Im Kampf gegen das Wegdämmern hat sie eine Vision: "Ich sitze auf einer Mauer, ganz ohne Beine, und ich lache." Und sie denkt sich, das ist doch keine schlechte Zukunft, damit kann man leben.

Damit soll man leben, muss sich auch der Notarzt gedacht haben, der per Funk den Piloten des Rettungshubschraubers anschnauzt: "Was heißt zu schlechtes Wetter? Ich habe hier die süßeste 17-Jährige vor mir liegen, die du dir vorstellen kannst. Wenn du nur halb so tapfer bist wie sie, riskierst du diesen Flug, sonst überlebt sie nicht."

Genau hier fließen bei Pascale die Tränen. Nicht aus Selbstmitleid. Aus Dankbarkeit. Und dann noch mal, als sie von dem israelischen General erzählt, der das Mädchen überraschend im Hospital besucht und versichert: "Mit oder ohne Beine - es bleibt dabei, nach dem Abitur kannst du in die Armee eintreten."

Für Pascale war das "ein unglaubliches Geschenk". Seit dem 13. Lebensjahr wollte die Tochter einer Krankenhaus-Psychologin und eines Philosophieprofessors weg aus Frankreich und vor allem weg von ihrer betont intellektuellen Familie. "Wir hatten zu Hause eine riesige Bibliothek. Das war gut für meinen Kopf." Pascale gibt ihrer Eden einen Kuss: "Aber es gab bei uns zu Hause keine Wärme."

Warum Israel? Vielleicht, überlegt sie, weil ihre jüdischen Eltern, zur ersten Nach-Holocaust-Generation gehörend, die Angst nie losgeworden sind. Im Flur der Bercovitchs stehen bis heute zwei gepackte Koffer - für den Fall der Fälle. Pascale wollte so nicht leben: "Wenn Israel das einzige Land ist, wo sich Juden sicher fühlen können, dann will ich da hin."

Im Dezember der Unfall, im Juni macht sie ihr Abitur im Hospital, im Juli beginnt sie mit der militärischen Grundausbildung in Israel. Später arbeitet sie mit verwundeten Soldaten. Noch heute wird sie gerufen, um frisch amputierten Soldaten neuen Lebensmut zu geben. Nicht mit leeren Worten, sondern mit ihrer eigenen Schicksalsgeschichte: "Seht her, ich habe einen guten Job, ich klettere, tauche und reite, ich habe sogar einen Mann abbekommen und bin Mutter eines gesunden Babys."

Es entgeht ihr nicht, wie geschockt die meisten sind, wenn sie in ihrem kleinen, wendigen Rollstuhl ans Krankenbett fährt. "Ich sehe ihnen an, dass sie noch gar nicht verstehen, in welcher Lage sie sind. Sie mustern meine Beinstummel, 20 Zentimeter rechts, knappe 15 Zentimeter links, und fragen sich: Was habe ich mit dieser Behinderten zu tun?" Es kränkt sie auch nicht, wenn ihre Schützlinge, sobald sie die Rückkehr ins normale Leben geschafft haben, von ihr nichts mehr wissen wollen. "Ich bin für sie die Erinnerung an eine Scheißzeit, die sie ad acta gelegt haben."

Pascale ist Fernsehjournalistin geworden. Hat in Haifa Geschichte und Psychologie studiert. Ihr erster Freund war Profi-Fußballer. "Mit wunderschönen Beinen. Er hat immer gesagt, ich laufe für dich mit." Gab es da gar kein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl? "Wieso?", fragt sie zurück. "Ich weiß doch gar nicht, wie es ist, mit Beinen Sex zu haben." Pascale ist schön, sie ist klug, und sie weiß das. Den Katzenjammer eines Krüppels akzeptiert sie nicht.

Man kann nicht behaupten, dass Pascale Noa Bercovitch im Leben was geschenkt wurde. Aber sie nutzte ihre Chance, sich mit ihrem Handicap in das Schicksal anderer besser einfühlen zu können. So durfte sie die israelische Nationalmannschaft der behinderten Schwimmer zu den Paraolympischen Spielen nach Sidney begleiten. Nie zuvor hat jemand so nah, so zärtlich das Ringen um Anerkennung mit der Kamera eingefangen (der Film soll auch in der ARD ausgestrahlt werden).

Ein anderes Mal wanderte (!) sie für eine Reportage eine Woche mit jugendlichen Drogensüchtigen durch die Wüste Negev. Mit über die Oberschenkelstümpfe gezogenen Ledermanschetten, der Rollstuhl wäre im Sand stecken geblieben. Das imponierte den argwöhnischen Kids. Sie begriffen, man kann noch mit viel größeren Schwierigkeiten fertig werden.

Pascales Tochter Eden wird nie von ihrer Mutter im Kinderwagen geschoben werden. Zurzeit hängt das Baby im Tragesack an Pascale, später wird sie in einem Kindersitz auf dem Rollstuhl durch die Straßen fahren. Und wenn die Kleine zu laufen beginnt, wie wird Pascale sie vor Gefahren behüten können? "Sie wird sehr früh begreifen müssen, dass ich auf ihre Mithilfe angewiesen bin", sagt sie gelassen. Sie zeigt wieder ihr schönes Lächeln. Auch ihre Freunde fragen sie oft, wie sie das mit dem Kind machen werde. "Sie sind besorgt - nicht, weil ich behindert, sondern weil ich ganz und gar unhäuslich bin und nicht kochen kann."

Gael, der Vater ihres Kindes, arbeitet als Unternehmensberater in Paris und fliegt jedes Wochenende zu seiner kleinen Familie, die in einer Parterrewohnung mitten in Tel Aviv wohnt. Pascale weigert sich nach wie vor, nach Paris zu ziehen. Da lebt sie lieber hier auf dem Vulkan als mit Menschen, "die hochmütig sind und ein Gesicht machen, als ob sie eine Zitrone verschluckt hätten".

Paris hat sie abgelegt wie ihre drei Paar Prothesen, die noch in Gaels Wohnung rumstehen. Sie hat sie benutzt, als sie vor ein paar Jahren beim französischen Fernsehen arbeitete. "Um Schritt zu halten mit den Kollegen. Aber ich fühlte mich so künstlich damit." Die natürliche Mitte eines aufrecht gehenden Menschen sei der Bauch, erklärt sie. "Mein Zentrum aber ist das Brustbein. Das konnte ich erst spüren, als ich die Dinger von mir schmiss."

Wie in ihrer Vision vor 18 Jahren lässt sich Pascale Noa Bercovitch für den stern lachend auf einer Mauer fotografieren. Hoch über der Altstadt von Jerusalem. Die andere Vision vom sicheren Israel aber hat dicke Sprünge abgekriegt. Wie viele junge Israelis aus der Peace-Now-Bewegung ist auch sie umgeschwenkt und hat sich von Sharons Politik der starken Hand eine Lösung für ihr Land erhofft. Aber alles ist noch schlimmer geworden. Die Einschläge kommen immer näher. Einen ihrer besten Freunde hat es in einem arabischen Restaurant in Haifa "in tausend Stücke" zerrissen. Mit zehn anderen Israelis, hauptsächlich Kindern und Müttern.

Um Israel wird in diesen Monaten eine Mauer gezogen, die für Pascale "mehr psychologische Bedeutung hat. Die Attentate wird sie auch nicht komplett verhindern können". Und nun? "Eden soll, nein, sie muss, in Frieden aufwachsen." In einem Land, das noch lebenswert ist. Mit klarer Luft, sauberem Wasser und unverseuchten Böden. Dafür will Pascale aktiv werden. Sie kandidiert bei den kommenden Wahlen Ende Januar für die Grünen. Listenplatz vier. "Der größte Batzen unseres Staatshaushalts wird für Verteidigung und Sicherheit ausgegeben. Das geht wohl nicht anders. Aber unsere Politiker dürfen dabei nicht vergessen, dass der größte Schatz, den sie zu hüten haben, eine gesunde Umwelt ist."

Ein Vogel fliegt an ihr vorbei, hinüber zur Goldenen Kuppel der Al-Aqsa-Moschee. Pascale wirft die Arme in die Luft, ohne Angst, das Gleichgewicht zu verlieren und von der Mauer zu fallen. Sie ruft: "Wenn ich traurig bin oder nicht weiterweiß, und ein Vogel fliegt vorbei, fühle ich mich so viel leichter."

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.