Dieser Text erschien zum ersten Mal am 6. Februar 2020 und wurde aktualisiert.
Es war eine Provokation, mit der Felix Krämer, Generaldirektor des Düsseldorfer Kunstpalastes, Peter Lindbergh kriegte. Er sagte einem der berühmtesten Modefotografen der Welt ins Gesicht, dass er glaube, Lindbergh interessiere sich eigentlich gar nicht für Mode. Doch dessen Reaktion war alles andere als beleidigt. „Endlich sagt das mal jemand“, habe er geantwortet, schreibt Barbara Hein in der Februar-Ausgabe des Magazins „Art“. Und es entstand die Idee zu einer großen Werkschau des Künstlers, die ihre Reise durch Deutschland und Italien 2020 in Düsseldorf antrat.
Lindbergh hat die Exponate für die Ausstellung zusammengestellt, zum ersten Mal selbst. Er wählte in zwei Jahren Arbeit 140 Bilder aus, konziperte die Hängung und hatte dabei alle Freiheit. Viele der Aufnahmen waren noch nie zuvor im Museum zu sehen, einige Auftragsarbeiten wurden in den großen Modemagazinen der Welt gedruckt.
Begleitet wurde die Ausstellung von einem 320 Seiten umfassenden Katalog, der im Taschen Verlag erscheint und neben den Fotografien ein Interview zwischen Felix Krämer und Peter Lindbergh enthält sowie einen Text von Regisseur Wim Wenders.
Inszenierungen wie im Film
Peter Lindbergh ist mit 75 Jahren im September 2019 verstorben, was „Untold Stories“ wie eine sehr persönliche Retrospektive wirken ließ. Was seine Motive miteinander verbindet, ist die Art ihrer Inszenierung, die immer die Fantasie des Betrachters anregt. Seine schwarzweißen Porträts sind sowohl zeitlos als auch völlig aus der Zeit gefallen und scheinen manchmal auf einem anderen Planeten entstanden zu sein. Dass Lindbergh es schaffte, dass man selbst bei Aktaufnahmen als Erstes in das Gesicht einer Frau schaut, zeugt von seiner Kunst in der Dramaturgie.
„Peter Lindbergh: Untold Stories“ mit Texten von Felix Krämer und Wim Wenders. Taschen Verlag, 320 Seiten, 60 Euro. Hier bestellbar.