Rolf Hochhuth "Satire darf die Opfer nicht verschweigen"


Dani Levys Kino-Komödie "Mein Führer" erhitzt zur Zeit in Deutschland die Gemüter. Nun wird in Berlin eine Tragikomödie von Rolf Hochhuth uraufgeführt, die von Adolf Hitler handelt. Der Dramatiker sieht aber deutliche Unterschiede zu seinem filmenden Kollegen.

Die Frage, wie es zum Holocaust kommen konnte, hat ihn schon immer beschäftigt. Bereits in seinem ersten Stück, dem Doku-Drama "Der Stellvertreter", stellte Rolf Hochhuth 1963 die ketzerische Frage, ob Papst Pius XII. und die katholische Kirche durch ihr Schweigen eine Mitschuld am Holocaust treffen. Am Samstag stellt der 75-Jährige sein neuestes Stück in der Akademie der Künste Berlin vor: Eine Tragikkomödie mit dem Titel "Heil Hitler!"

Erzählt wird die Geschichte eines Jugendlichen, dessen Vater im Konzentrationslager umkam, weil er sich weigerte, den Hitlergruß zu zeigen. Daraufhin, und um den Marschbefehl an die Front zu entkommen, täuscht der Sohn einen krankhaften Tick vor. Manisch entbietet er seinen Landsleuten den Hitlergruß. Wer nicht zurückgrüßt, wird verprügelt. Der Simulant wird in die Psychiatrie eingeliefert, in der die Ärzte als Wahnsinn attestieren müssen, was normalerweise bei Todesstrafe anbefohlen ist.

Die Satire darf nicht die Opfer verschweigen

Natürlich dürfe man sich dem Thema Adolf Hitler in Form der Satire annähern, findet Hochhuth. "Wenn man über schlimme Dinge nicht mehr sprechen kann, darf man das auch von der grotesken, komischen Seite betrachten", erklärt er. Eines dürfe allerdings auch die Satire nicht: Die Opfer verschweigen. Genau deshalb seien auch Kino-Produktionen wie Dani Levys "Mein Führer" oder "Der Untergang" nichts anderes als gefährliche Geschichtsfälschungen.

Hochhuths neues Stück erschien bereits im Jahr 2004 in einem Buch mit dem Titel "Nietzsches Spazierstock". Der streitbare Autor verbot vor knapp einem Jahr einem Ensemble in Weimar die Uraufführung, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die beiden Hauptverbrecher von jungen Frauen gespielt werden sollten. In Berlin wird das Stück vom Blochberger-Ensemble uraufgeführt - mit Männern in den Verbrecherrollen.

Erfolgreich, aber umstritten

Geboren wurde Hochhuth als Sohn eines Schuhfabrikanten 1931 im nordhessischen Eschwege. Seit seinem Welterfolg mit dem "Stellvertreter" gilt er als einer der erfolgreichsten, aber auch umstrittensten deutschen Dramatiker. Auch nach diesem Erfolg suchte er sich mit Vorliebe provokante Stoffe aus. "Für mich liegt die Auseinandersetzung mit Hitler allem zu Grunde, was ich schrieb und schreibe", sagte er einmal. So untersuchte er einmal die Mitverantwortung des englischen Premiers Winston Churchill an den Luftangriffen auf deutsche Städte im Zweiten Weltkrieg ("Soldaten, Nekrolog auf Genf", 1967), ein anderes Mal klagte er in seinem Schauspiel "Juristen" die Rolle früherer Nazi-Richter an. Zuletzt hatte er mit seinem Boulevardstück "Familienbande" für Aufsehen gesorgt - allerdings nicht wegen des Inhalts, sondern weil die Rollen von ehemaligen Stars der RTL-Dauerserie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" besetzt waren.

Holger Mehlig/AP AP

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