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Abrechnung Sie ist schwarz und stammt doch vom Anführer des Ku-Klux-Klan ab


Caroline Randall Williams schrieb auf, wie es sich für eine schwarze Frau anfühlt, wenn das Erbgut sagt, sie sei eigentlich weiß. Sie stammt von vergewaltigten Sklavinnen ab. Biologisch gehört Williams zur Aristokratie des Südens – einer der Vergewaltiger war General der Konföderation und Führer des Ku-Klux-Klans.

Caroline Randall Williams schreibt, wie es ist, ein Produkt des alten Südens zu sein. In der "New York Times" veröffentlichte die Autorin einen Essay, über ihren Körper, der ein Denkmal der Südstaaten ist. Williams trägt das Vermächtnis der Konföderation in sich, sie ist ein Kind einer Generationen übergreifender, fortgesetzter Vergewaltigung. Denjenigen, die Denkmäler des Südens wollen, ruft sie entgegen: "Mein Körper ist ein Denkmal. Meine Haut ist ein Denkmal."

Ihr Stammbaum sieht so aus: Sie ist die Tochter von zwei Schwarzen, die Enkelin von vier Schwarzen, die Urenkelin von acht Schwarzen.

Mehr weiß als schwarz

Doch tatsächlich zeigt die DNA-Analyse, dass sie vor allem weiß ist. Wie kommt es? Nach den Urgroßeltern beginnt die Zeit des alten Südens, die Zeit der Sklaverei in Williams Stammbaum. Ihre Vorfahrinnen waren Sklavinnen, die von ihren weißen Herren vergewaltigt wurden. Die Kinder wurden wiederum Sklaven. Eine weithin geübte Praxis im Süden. Im 19. Jahrhundert stellten viele Reisende im Süden entsetzt fest, dass die Besitzerfamilien und ihre Sklaven sich verdächtig ähnlich sahen.

"Es ist die Wahrheit meines Lebens, dass ich biologisch mehr als zur Hälfte weiß bin, und dennoch habe ich seit Menschengedenken keine Weißen in meiner Genealogie," so Williams. In ihrem Körper steckt mehr Wahrheit über den Süden, als in den Bronzestatuen der Generäle der Konföderation, argumentiert sie.

Dazu kommt eine weitere Besonderheit. Williams Stammbaum zeigt, sie ist nicht irgendeine Weiße aus den Südstaaten. Von der Abstammung her gehört sie zur Aristokratie des Südens – und des Rassismus. Sie schreibt, der Vater ihres Urgroßvaters Will sei Edmund Pettus gewesen. Im Bürgerkrieg kämpfte der Brigadegeneral bis zur letzten Stunde für die verlorene Sache. Nach der Niederlage ging er in die Politik und war eine zentrale Figur im Ku-Klux-Klans. Ab 1877 leitete er als "Grand Dragon of the Realm of Alabama" den Klan.

Keine Verklärung der Sklavenzeit mehr

Williams stammt also von den schlimmsten Rassisten ab und darauf kann sie nicht stolz sein. Sie empfindet nur Stolz auf jeden schwarzen Vorfahren, der die Sklaverei überlebt hat. Und kein Wunder, dass Menschen wir ihr die Verklärung des Südens in jeder Form zutiefst zuwider ist. Diese Welt von wohlwollenden Plantagenbesitzern, die in Symbiose mit ihren gutmütigen schwarzen Sklaven leben, wie sie in "Vom Winde verweht" beschworen wird. "Diese Traumversion des alten Südens hat nie existiert. Jedes fabrizierte Denkmal für diese Zeit an diesem Ort sagt bestenfalls die halbe Wahrheit."

Quelle: NYT
kra

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