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Ausgrabung Römische Mega-Factory entdeckt: Riesige Anlage erzeugte 2 Millionen Liter Wein

Die 75.000 Quadratmeter große Anlage lag im "Industriegebiet" der Stadt
Die 75.000 Quadratmeter große Anlage lag im "Industriegebiet" der Stadt
© Menahem Kahana / AFP
Das Imperium hatte Durst. In Israel wurde nun eine industrielle Winzerei freigelegt. Der Weißwein, der hier hergestellt wurde, wurde im ganzen Mittelmeerraum verkauft.

In Israel wurde eine riesige, 1500 Jahre alte Weinfabrik ausgegraben. Sie stammt aus der Zeit der oströmischen Herrschaft und ist die größte Weinkellerei, die jemals ausgegraben wurde. Dort wurden jedes Jahr zwei Millionen Liter abgefüllt. Die Anlage erstreckt sich auf 75.000 Quadratmeter. Das wäre ein 75 Meter breiter Streifen, der sich über einen Kilometer erstreckt.

Ausgrabung vor Bebauung

Zwei Jahre lang wurde das Gelände erforscht, später soll es für die Erweiterung der Stadt Yavne bebaut werden. Bei der Winzerei handelte sich um eine integrierte Fabrik, bei der fast alles, was für die Weinproduktion notwendig war, hergestellt wurde. Die Archäologen entdeckten fünf große Weinpressen, Lagerhäuser für die Reifung und den Verkauf des Weins und sogar Brennöfen, um die notwendigen Tongefäße herzustellen.

Exportwirtschaft

Derartige Mega-Fabriken waren typisch für die römische Zeit. Für den regionalen Bedarf waren sie viel zu groß, sie produzierten für den Export in den gesamten Mittelmeerraum. Der Wein aus Gaza oder Aschkelon war damals ein bekanntes "Markenprodukt". Der Name stammt von den Häfen, über die die Amphoren verschifft wurden und nicht von dem Ort der Fabrik. Schon vor der Groß-Winzerei wurde an dem gleichen Ort Wein in kleinerem Maßstab hergestellt.

Zu der Zeit, als die Fabrik aktiv war, herrschte in Konstantinopel der Kaiser Justin I.. Bei Yavne handelte es sich um eine christliche Stadt, in der auch Juden und Samariter lebten. "Wein zu trinken war in der Antike für Erwachsene und Kinder üblich", so die Archäologen Elie Haddad, Liat Nadav-Ziv und Dr. Jon Seligman.

"Da Wasser nicht immer steril oder schmackhaft war, wurde Wein auch als eine Art Konzentrat zur Geschmacksverbesserung oder als Trinkwasserersatz verwendet."

Großindustrielle Anlage

"Wir haben hier das Industriegebiet des antiken Yavne freigelegt", so Seligman. "Wir haben auch Überreste anderer Industrien gefunden, zum Beispiel die Herstellung von Glas und Metall. Wir fanden auch Überreste aus anderen Epochen, wie ein Haus aus dem 9. Jahrhundert und einige andere Gebäude aus der Übergangszeit zwischen der byzantinischen und der islamischen Zeit."

Jeder der fünf Räume mit einer Weinpresse misst etwa 225 Quadratmeter, dazu kommen zwei große Lagerhäuser. "Wir waren überrascht, so eine ausgeklügelte Anlage hier zu entdecken, die benutzt wurde, um Wein in kommerziellen Mengen zu produzieren," so das Team. "Darüber hinaus zeigen dekorative Nischen in der Form einer Muschel, die die Kelter geschmückt haben, den großen Reichtum der Fabrikbesitzer. Eine Berechnung der Produktionskapazität dieser Weinpressen zeigt, dass jedes Jahr etwa zwei Millionen Liter Wein vermarktet wurden. Wobei wir daran denken sollten, dass der gesamte Prozess manuell durchgeführt wurde."

Der Wein wurde in typischen Amphoren, den sogenannten Gaza-Gläsern, gelagert. Die Krüge selbst wurden in großen Brennöfen hergestellt. "Das war ein leichter Weißwein", so Seligman. "Wir haben viele Weinpressen in Israel gefunden, aber das Einzigartige hier ist, dass es sich um eine Ansammlung von fünf riesigen Weinpressen handelt, die in ihrer Architektur auch noch besonders schön sind."

Nach der Vertreibung durch Titus

Die Anlage liegt nur wenige Kilometer vom Meer entfernt, der Handel wurde mit Schiffen abgewickelt. Diese Nähe zum Meer machte sie zu einer der wichtigsten Weinproduktionsstätten der antiken Welt. Lange Zeit war Israel ein Klientelstaat des römischen Imperiums, dessen Herrscher versuchten, sich durch die Gefahren des römischen Bürgerkrieges zu manövrieren. Immer wieder entstanden Spannungen zwischen den religiös eher indifferenten Römern und den Juden, deren strenger Monotheismus die Sitten der fremden Herren ablehnte. Schließlich kam es zum Aufstand, der von den Römern blutig niedergeschlagen wurde. Unter dem späteren Kaiser Titus wurde Jerusalem 70 n.Chr. erobert und der Tempel geplündert. Mit dem Tempelschatz bauten die Kaiser unter anderem das Kolosseum. Die aufständischen Juden wurden vertrieben und in die Sklaverei verkauft.


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