Sportbücher Fußballgötter, Abseitsfallen und Geschlechterkämpfe


Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft überbieten sich die Verlage mit Neuerscheinungen zum Thema Kicken. Dabei gibt es neben etlichen Sportbüchern auch reichlich Anekdotenhaftes, Skurriles und Halb-Philosophisches.

Der Fuß Gottes oder wie ein völlig Unbegabter zum Fußballstar wurde. Adrian Pfeffer ist ein ebenso begeisterter wie unbegabter Fußballer, doch sein Traum einer Sportlerkarriere lässt ihn nicht los. Da erscheint ihm der Fußballgott und schenkt ihm ein ungewöhnliches Talent: In jedem Pflichtspiel schießt Adrian fortan ein Tor, ansonsten ist er vollkommen nutzlos auf dem Platz. Eine steile Karriere folgt, und Adrian genießt das Leben eines Stars mit Partys und flotten Mädchen. Das kleine Büchlein "Gibt es einen Fußballgott?" von Jan Weiler, früher Chefredakteur des "SZ-Magazins", erzählt in salopper Weise, gekonnt illustriert vom "Titanic"- Mitgründer Hans Traxler, die kurze, erstaunliche Karriere des Tor-Giganten Adrian, die in manchen Zügen durchaus an Bomber Gerd Müller erinnert. Der leicht absurd wirkende Schluss, dem eine Entführung vorausgeht, gibt dem Buch aber wieder die Wendung hin zum absolut Fiktiven. Ein kleines Buch, das jeden Fußballfan zwei bis drei Halbzeitpausen lang gut unterhalten dürfte.
"Gibt es einen Fußballgott?", Jan Weiler, Kindler Verlag, Reinbek, 48 Seiten, 7,90 Euro.

WM-Fieber ade: Das Büchlein hilft Frauen bei Torsch(l)usspanik. Viele Frauen dürften mit Horror an den Sommer denken, wenn König Fußball im heimischen Wohnzimmer regiert. Das niederrheinische Autoren-Trio Uta Halbreiter, Hans Werner und Frank Wöbbeking will mit seinem Werk "Die Venustaktik" zeigen, wie Frau sich von der Ersatzbank aus wieder ins Spiel bringt. Mit einfachen Mitteln wie dem Trikottausch beispielsweise ließen sich mitfiebernde Sofa-Kicker gut becircen. Auch der Kartentrick dürfte mancher Frau gefallen: Während zu Hause gelbe, rote und gelb-rote Karten für Diskussionen sorgen, macht sie nur Gebrauch von einer Karte - seiner Kreditkarte beim Shoppen. Und zwischen den durchaus anwendbaren "Tipps für Fußballwitwen" sorgen weitere Kurzgeschichten - gespickt mit Humor, Sarkasmus und Erotik - für Zeitvertreib: Frauentratsch im Café, Hilfe bei Torschlusspanik und ein Traum, der eine Halbzeit lang inmitten eines ausverkauften Fußballstadions unentdeckt bleibt.
"Venustaktik" Mediamixx-Verlag, Kleve, Uta Halbreiter, Hans Werner, Frank Wöbbeking 179 Seiten, 9,95 Euro.

Abseits ist, wenn der Schiri pfeift - aber nicht immer. Fußball ist ein einfaches Spiel: Es spielen elf gegen elf, und am Ende gewinnt das Team mit den meisten Toren. Denkste! Wohl kaum eine Regel im Sport ist so kompliziert und wird so häufig selbst von Profi-Spielern missverstanden wie das Abseits. Doch ohne diese Regel, so zeigt das informative Werk "Abseits - Das letzte Geheimnis des Fußballs" von Rainer Moritz, wäre das Spiel in seiner modernen Variante kaum denkbar. Taktik, Spielaufbau und Dramatik sind nicht zuletzt dieser Regel geschuldet, die bereits bei der Abfassung der ersten Fußballregeln in Großbritannien 1863 Bestandteil war und ihre heutige Ausformung 1925 erfuhr. So zeigt der ehemalige Schiedsrichter Moritz, dass heutzutage Frauen die Regel elf oft besser beherrschen als Männer, dass selbst Bundesligatrainer und -spieler das Abseits nicht unbedingt verstehen und was es mit dem passiven Abseits auf sich hat. Fans, die sich häufiger genötigt sehen, ihren Partnern, Kindern oder ahnungslosen Kneipenbekanntschaften das Abseits zu erklären, können Salz- und Pfefferstreuer stehen lassen und zum rasengrünen Buch von Moritz greifen.
"Abseits - Das letzte Geheimnis des Fußballs", Rainer Moritz, Verlag Antje Kunstmann, München, 150 Seiten, 16,90 Euro.

DPA DPA

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