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Kommentar

Diego Maradona bei der WM: Der peinlichste Fußballgott der Welt

Diego Maradona war schon immer ein wahnsinniges Genie. Aber was die Fußball-Legende auf der Ehrentribüne der WM in Russland abzieht, ist selbst seiner unwürdig. Ein Weltstar als Tribünen-Clown - einfach nur traurig.

Diego Maradona feiert den Sieg Argentiniens gegen Nigeria auf seine Weise

Diego Maradona feiert den Sieg Argentiniens gegen Nigeria auf seine Weise

Getty Images

Bei Fußball-Weltmeisterschaften wird gerne über skurrile Maskottchen gelästert. So musste der Löwe Goleo bei der WM 2006 ordentlich Spott einstecken, weil er zwar ein Trikot trug, aber untenrum komplett blank durch die Gegend lief. Der Wolf Zabivaka, Maskottchen der WM in Russland, hat eine Hose. Und auch sonst muss er sich keine Sorgen machen, zur Lachnummer der Fans zu werden.

Denn das peinlichste Maskottchen der WM sitzt bei den Spielen Argentiniens auf der Ehrentribüne. Diego Maradona ist Weltmeister, Idol, Jahrhundertfußballer. Und er ist ein Enfant Terrible, der schon während seiner aktiven Karriere mit Drogen- und Dopingproblemen zu kämpfen hatte. Doch was der 57-Jährige beim gestrigen Gruppenspiel der Argentinier für eine Tribünen-Show abzog, war selbst für Maradona-Verhältnisse krass. 

Maradona nicht Herr seiner Sinne

Diego Maradona war offensichtlich nicht Herr seiner Sinne. Schon vor Spielbeginn sah man ihn mit irrem Blick und in ekstatischen Posen auf seinem Sitz herumturnen. Hätte er nicht Begleiter dabeigehabt, die ihn während seiner Veitstänze fest um die Taille gepackt hätten, er wäre aus seiner Loge herausgestürzt. 

Während des Spiels dämmerte er dann zeitweise weg, als müsse er einen Rausch ausschlafen. Beim Siegtor kurz vor Schluss war er aber wieder hellwach und feierte mit ausgestreckten Mittelfingern, wobei unklar blieb, wem die obszönen Gesten denn überhaupt gelten sollten. 

Nach dem Spiel hieß es, Maradona sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden, was der Patient jedoch dementierte. Es gehe ihm gut, versicherte Maradona via Instagram. Er habe während des Spiels Nackenschmerzen gehabt, ein Arzt habe ihm empfohlen, ins Hotel zu gehen. "Aber ich wollte bleiben, weil es für uns um alles ging. Wie hätte ich da gehen können?" 

Weltstar als Witzfigur

Man kann Diego Maradona nicht vorwerfen, dass er Probleme hat. Er ist ein Mann der Extreme. Fußballerisches Genie und menschlicher Wahnsinn lagen bei ihm schon immer nah beieinander. Aber muss er deshalb vor den Augen der Weltöffentlichkeit den Tribünen-Clown spielen? 

Ein Weltstar als Witzfigur. Als Vorbild für junge Fußballer taugt der Mann, dessen Jahrhunderttor von 1986 selbst Menschen kennen, die damals noch nicht geboren waren, in dieser Verfassung sicher nicht. Wenn normale Fans ins Stadion gehen, um sich volllaufen zu lassen, zu grölen und zu pöbeln, ist das deren Sache. Aber eines Weltstars ist das unwürdig.

Dass man mit dem Status einer Fußball-Legende nicht zwangsläufig verrückt werden muss, sieht man an Pelé. Obwohl der Brasilianer sogar von noch mehr Menschen für den besten Fußballer aller Zeiten gehalten wird als Maradona, ist der Mann erstaunlich bescheiden geblieben. Er war Sportminister seines Landes, ist Botschafter der Unesco und nie durch größere Unflätigkeiten aufgefallen.

Wer Maradonas Ausfälle sieht, wird auf einmal sehr milde gestimmt, was das Nachleben deutscher Fußballikonen angeht. Ein Lothar Matthäus hat sich nicht im Ansatz so unmöglich benommen und trotzdem in Deutschland nie einen Job als Trainer bekommen, weil er als zu unseriös galt. Unglaublich: Der argentinische Tribünen-Clown war vor einigen Jahren sogar noch Nationaltrainer seines Landes. 

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