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Sprache: Finanzkrise liefert Unwort des Jahres

Die Finanzkrise hat ihre Spuren auch in der deutschen Sprache hinterlassen - sogar so sehr, dass die Menschen es regelrecht nicht mehr hören können. Aus mehr als 1000 Vorschlägen wurde nun das Unwort des Jahres gekürt - und es hat prompt mit der Krise zu tun.

"Notleidende Banken" ist zum Unwort des Jahres 2008 gekürt worden. Die Formulierung stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf, begründete der Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser am Dienstag in Frankfurt am Main die Entscheidung der Jury: "Während die Volkswirtschaften in ärgste Bedrängnis geraten und die Steuerzahler Milliardenkredite mittragen müssen, werden die Banken mit ihrer Finanzpolitik, durch die die Krise verursacht wurde, zu Opfern stilisiert."

Auf Platz zwei landete "Rentnerdemokratie". Hier kritisierte die Jury, dass Altbundespräsident Roman Herzog mit dem Begriff das Schreckbild eines Staates gemalt habe, in der die Alten die Jungen ausplünderten.

Ein "bedenkliches Verständnis der Grundrechte" attestierten die Wissenschaftler schließlich dem Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: Er habe Bürger als "Karlsruhe-Touristen" diffamiert, die wegen Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen schon einmal vor das Bundesverfassungsgericht gegangen seien und dies beim neuen BKA-Gesetz noch einmal tun könnten.

Die Jury hatte das Unwort aus rund 1000 Einsendungen ausgewählt. Unter den Vorschlägen war unter anderen auch der Begriff "intelligente Wirksysteme" für Artillerie-Munition. Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt. Unwörter der vergangenen Jahre waren unter anderem "freiwillige Ausreise", "Gotteskrieger", "Humankapital", "Ich-AG", "sozialverträgliches Frühableben" und "Entlassungsproduktivität". Im vergangenen Jahr war der von Kritikern des Betreuungsgeldes verwendete Begriff "Herdprämie" als Unwort erkoren worden.

DPA/AP / AP / DPA