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Wolf Haas: Neuer Roman von Österreichs Pop-Autor

In Österreich ist er ein Popstar: 1.400 Zuhörer kamen zur Vorabpräsentation von Wolf Haas' neuem Roman "Das Wetter vor 15 Jahren". Nach seinen Kultromanen über den Privatdetektiv Brenner ist das neue Buch eine Liebesgeschichte.

Der Österreicher Wolf Haas ist Krimi-Spezialist - und sollte es vielleicht besser bleiben. Die Geschichten um seinen Privatdetektiv Brenner sind Publikumsrenner, zwei von ihnen wurden mit dem Schauspieler und Kabarettisten Josef Hader in der Hauptrolle kongenial verfilmt. Mit "Das Wetter vor 15 Jahren" legt Haas jetzt einen schon vor Erscheinen preisgekrönten Liebesroman vor, der etwas aus der Art schlägt.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Vittorio Kowalski aus Essen kann Tag für Tag sämtliche Wetterdaten des österreichischen Urlaubsorts herbeten, den er vor 15 Jahren zuletzt besucht hat - und das alles aus Liebe. Als Kowalski mit dieser ziemlich bizarren Fähigkeit als Kandidat in Thomas Gottschalks Sendung "Wetten, dass...?" auftritt, schlägt das Schicksal zu. Noch einmal reist Kowalski nach Österreich, um vielleicht ein letztes Mal um seine Angebetete zu kämpfen und am Ende fast sein Leben zu verlieren.

Roman in Interview-Form

Schon die Erzählform ist ungewöhnlich: In einem sehr langen Interview zwischen "Wolf Haas" und einer nicht näher bezeichneten Dame von der "Literaturbeilage" wird vom Ende her die Geschichte eines unglücklich Liebenden mit traumatischen Kindheitserlebnissen erzählt. Der unnachahmliche Haas-Stil mit seinen radikal verknappten, prägnanten und dialektgefärbten Sätzen und Halbsätzen ist in der Liebesgeschichte dagegen leider nicht zu finden. Wohl aber eine Alltagssprache, die am Ende weniger charmant als nervig ist.

"Das Wetter vor 15 Jahren" brachte Haas auf Anhieb den mit 25 000 Euro dotierten Braunschweiger Wilhelm-Raabe-Preis ein. Die Braunschweiger Jury urteilte, Haas sei einer der schönsten Romane des komischen Genres seit vielen Jahren gelungen. Die Story ist tatsächlich grandios. Der Stil, mit dem sie Haas umsetzt, ist allerdings stark gewöhnungsbedürftig und nur eingeschränkt wirksam. Vor allem die - vom Autor sicherlich bewusst eingesetzten - immer wiederkehrenden Alltagswendungen und stereotypen Ausdrucksweisen der bewundernden Interviewerin mit viel "irgendwie" und "too much" lassen den Leser ermüden. Man wünscht sich, Kowalski, so verschroben er auch sein mag, könnte selbst erzählen: in kurzen, knappen und dialektgefärbten Sätzen.

Elke Vogel/DPA / DPA
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