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Coldplay: Die Pop-Band liefert politischen Longplayer

"Everyday Life" ist das erste Doppelalbum von Coldplay. Der Longplayer wurde als "experimentell" angekündigt. Wie klingt es wirklich?

Coldplay veröffentlichen ihr neues Doppelalbum "Everyday Life" am 22. November

Coldplay veröffentlichen ihr neues Doppelalbum "Everyday Life" am 22. November

Coldplay sind zurück: Vier Jahre nach ihrem letzten massentauglichen Album "A Head Full of Dreams" (2015) erscheint am heutigen Freitag ihr neuer Longplayer "Everyday Life". Für die Promotion ihres Albums hatte die Band sich einen außergewöhnlichen Weg überlegt. Zunächst startete sie überall auf der Welt eine mysteriöse Plakatkampagne mit einem ominösen Datum. Die Tracklist veröffentlichten Coldplay dann in unauffälligen Annoncen in Lokalzeitungen rund um den Globus. Erste Berichte über das neue Album bezeichneten es als "experimentell".

Doch wie viele Experimente wagen Coldplay wirklich auf "Everyday Life"? Das politisch beeinflusste Album liefert im Gegensatz zum Vorgänger mehr als nur den typischen Coldplay-Pop. Langsame Balladen und Klangteppiche aus Synthie-Sounds sind zwar auf dem Album zu hören, wurden jedoch von Musik aus aller Welt beeinflusst. Nicht umsonst sagte Frontmann Chris Martin über das Album im Gespräch mit der BBC: "Wenn man das Privileg hat, um die Welt zu reisen, dann weiß man, dass wir alle von demselben Ort kommen. Auf sehr sanfte, britische Art sagen wir damit, dass wir uns nicht anders fühlen als jeder andere Mensch auf der Welt."

Gospel und Doo Wop

Viele verschiedene Musikstile haben auf dem Doppelalbum Platz: Pop, Rock, Gospel, Doo Wop und Klassik. Acht Songs sind auf Teil eins mit dem Titel "Sunrise" zu finden, weitere acht auf dem zweiten Teil "Sunset". Der Longplayer beginnt mit einer Art instrumentalem Vorspiel - ein orchestrales Klangbett öffnet die Tür für den geistlichen Song "Church", dessen Songtext wie ein Gebet klingt. Einen völligen Gegensatz dazu liefert der nächste Song "Trouble in Town", der von Polizeigewalt handelt.

Zurück in die Kirchenmusik geht es mit "BrokEn", einem Gospelsong, in dem Chris Martin im Wechsel mit einem Chor unter anderem die Textzeile "Oh Lord / Come shine your light on me" (dt. "Oh Herr, lass dein Licht über mir leuchten") zum Besten gibt. Die bereits vorab veröffentlichte Lead-Single des ersten Teils "Arabesque" vereint westlichen Musikstil mit Rhythmen des Nahen Ostens. "We share the same blood" (dt. "Wir teilen dasselbe Blut") und "Music is the weapon of the future" (dt. "Musik ist die Waffe der Zukunft") drücken die Friedensbotschaft aus, die Coldplay mit dem gesamten Album senden wollen.

Auch der zweite Teil "Sunset" spielt mit Gegensätzen. Er beginnt mit der rockigen Up-Tempo-Nummer "Guns", die die Liebe der Amerikaner zu Waffen kritisiert. "Orphans" hört sich zunächst an wie ein Gute-Laune-Song - allerdings handelt der Songtext vom Bürgerkrieg in Syrien. Der Doo-Wop-Song "Cry Cry Cry" lässt die schwarze Vocal-Pop-Kultur der 50er Jahre aufleben. Das Doppelalbum endet mit dem Titelsong "Everyday Life" - einem sehr typischen Coldplay-Song, der ein Fazit für den gesamten Longplayer bildet: Wir alle sind Teil einer großen Familie. Die ruhige Klavierballade endet mit einem "Hallelujah" und greift somit die religiösen Texte aus dem ersten Teil auf.

Keine Tour geplant

Coldplay setzen mit "Everyday Life" ein Zeichen für Frieden und Völkerverbundenheit. Mainstream-Musik darf man auf dem Longplayer nicht erwarten. Vielmehr werden verschiedene kulturelle und musikalische Einflüsse zu einem großen Ganzen verbunden. Coldplay haben sich auf ein gelungenes Experiment eingelassen.

In großen Stadien wird dieses Experiment jedoch nicht zu hören sein. Die Band kündigte kürzlich an, mit dem Album der Umwelt zuliebe nicht auf Tour gehen zu wollen. Auf YouTube werden die neuen Songs jedoch in zwei Konzerten live übertragen: Zum Sonnenaufgang (5 Uhr deutscher Zeit) und zum Sonnenuntergang (15 Uhr deutscher Zeit) spielen Coldplay die Tracks von "Everyday Life" am heutigen Freitag im jordanischen Amman.

SpotOnNews