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Interview

Influencer und Podcaster: Comedian Michi Buchinger: "Ich rauche nicht, trinke nicht, mache nichts Böses – außer vieles zu hassen"

Comedian Michael Buchinger verrät im Interview, wie er als eher introvertierter Mensch zum erfolgreichen Comedian geworden ist, was er von Influencern hält und warum ihm sein Podcast so sehr am Herzen liegt.

In dem Podcast "Buchingers Tagebuch" erzählt Michi Buchinger einmal die Woche aus seinem Leben 

In dem Podcast "Buchingers Tagebuch" erzählt Michi Buchinger einmal die Woche aus seinem Leben 

Michael Buchinger ist wahrscheinlich einer der wenigen Menschen, der dafür geliebt wird, dass er vieles hasst. Mit 16 hat der heute 27-Jährige begonnen, auf seinem Youtube-Kanal Hasslisten zu veröffentlichen. Listen, in denen er vor allem Angewohnheiten von Menschen aufzählt, die ihn in den Wahnsinn treiben – das aber auf so lustige Weise, dass seine immer größer werdende Fangemeinde ihn seit Jahren dafür verehrt. Mittlerweile hat der Comedian zwei Bücher geschrieben, veröffentlicht einmal pro Woche eine neue Folge seines Podcasts "Buchingers Tagebuch" und ist Influencer auf Instagram – und das alles, obwohl er, wie er immer wieder betont, doch eigentlich introvertiert sei. 

Auch wer ihn persönlich kennenlernt, merkt: Wie ein Misanthrop wirkt Michael Buchinger mit seiner höflichen, fast zurückhaltenden Art nicht, ganz im Gegenteil. Der stern hat ihn zum Interview in seiner Heimatstadt Wien getroffen. Buchinger erscheint in einem rosafarbenen Norwegerpullover und stellt sich mit "Michi" vor.

Michi, du bist Podcaster, Youtuber, Buchautor, Kolumnist, Comedian, Kabarettist,  Influencer … Habe ich noch einen Beruf vergessen? 
Ich war auch mal Weinproduzent. Also eigentlich habe ich nur meinen Namen auf Weinflaschen gepappt. Aber immerhin. 

Müssen wir angesichts deiner vielen Talente Angst haben, dass du bald auch noch Schmuckdesigner wirst?
Ich bin mir nicht sicher. Wenn ich ein gutes Angebot von QVC bekomme? Nein, mit Schmuck habe ich nicht so viel am Hut. Ich glaube, das kann ich gezielt ausschließen. 

Du machst dich in deinem Podcast oft über Influencer lustig, bezeichnest dich aber selbst als einen. 
Wenn ich mich Content Creator nennen würde, würde ich mir ja noch dümmer vorkommen. Im Grunde verdiene ich mein Geld mit typischen Influencer-Aufträgen. Also bin ich wohl einer. 

Würdest du auch etwas bewerben, das du eigentlich nicht gut findest, das aber genug Geld einbringt? 
Es ist schon passiert. Aber mittlerweile ist nichts dabei, wo ich mir denke: Dahinter stehe ich kein bisschen. 2015, als die ersten Angebote kamen, habe ich alles angenommen.  

Du hast 155.000 Abonnenten auf Youtube und 72.400 auf Instagram, hinzu kommen deine Podcast-Hörer und deine Leser. Du hast also auch eine Vorbildfunktion. 
Das mit den Abonnenten ist so eine Sache, nicht alle davon sind aktiv. Mir ist bewusst, dass ich Einfluss habe. Aber ich meine: Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich mache nichts Böses, außer vieles zu hassen. Ich glaube, es gibt schlimmere Vorbilder als mich. Aber wer sich mich allen Ernstes zum Vorbild nimmt und sagt "Ich möchte genauso sein wie er", der ist wirklich selber schuld. 

Mittlerweile haben viele junge Frauen und Männer den Wunsch, Influencer zu werden. 
Das finde ich total blöd. Die meisten, die Influencer geworden sind, haben das ja nicht verfolgt, das gab es vor Jahren noch gar nicht. Ich hatte es auch nicht darauf abgesehen, es hat sich so entwickelt. Ich habe immer vor allem aus Spaß gearbeitet. Erst seit vier Jahren verdiene ich damit Geld. 

Wie viel verdienst du mit deinem Podcast? 
Nichts. Ich verliere 12 Euro im Monat, um ihn zu hosten. Bei den Firmen ist das noch nicht so angekommen, dass man damit Geld machen kann. 

Als Podcast-Hörerin weiß ich ganz viel über dich, obwohl ich dich gar nicht kenne. Ist das nicht seltsam für dich? Ich weiß sogar, was du vor Kurzem geträumt hast: Dass dich eine Reporterin einen Tag lang verfolgt und dabei den Dolly-Parton-Song "9 to 5" singt. Das habe ich übrigens nicht vor. 
Kann ja noch passieren, der Tag ist lang. Manchmal sagen mir Leute in der U-Bahn, sie wüssten genau, wo ich jetzt hinfahre und gestern sei ich ja da und da gewesen. Das finde ich etwas eigenartig. Aber im Endeffekt wissen die Leute nur, was ich ihnen erzähle. Mit diesem Wissen im Hinterkopf selektiere ich, worüber ich spreche und worüber nicht.  

Du hast im Podcast auch erzählt, dass du früher schon gewusst hättest, dass du erfolgreich wirst. Was hat dich da so sicher gemacht? 
Ich glaube, das hat bei mir in der Grundschule angefangen. Wir wurden damals gezwungen, regelmäßig Geschichten aus unserem Leben aufzuschreiben und sie vorzulesen. Irgendwie waren meine Geschichten immer die, auf die sich die Leute gefreut haben. Über die Jahre habe ich diese Idee entwickelt, dass das vielleicht was für mich sein könnte. Ich hatte auch immer viele Vorbilder, die genau so etwas gemacht haben: den Autor David Sedaris und die Komikerin Ellen DeGeneres etwa. Abgesehen davon hatte ich schon immer ein sehr großes Mitteilungsbedürfnis. Ich weiß nicht warum, denn im restlichen Leben, in der Schule zum Beispiel, war ich nicht derjenige, der am meisten geplaudert hat. 

Du sagst ja auch immer, dass du sehr introvertiert seist. 
Ich bin eine Mischform. Ich bin schon gerne gesellig und unter Menschen, aber es ist jetzt nicht so, dass mir das sonderlich viel Energie gibt. Es gibt mir mehr Energie, wenn ich alleine bin. Danach kann ich dann wieder sozial sein. Aber so nach fünf, sechs Stunden unter Leuten brauche ich wieder eine Stunde für mich. So versuche ich das immer zu erklären. Das heißt ja nicht, dass ich nicht gerne ausgehe oder so. Ich finde es schon wichtig, dass man ab und zu mal das Haus verlässt. 

Findest du, dass du gerade dadurch, dass du introvertiert bist, Vorteile oder Stärken im Beruf hast, die andere nicht haben? 
Wenn man so introvertiert ist wie ich, dann macht man schon viele Beobachtungen. Ich setze mich gerne in Kaffeehäuser oder Cafés und lese und kann mich dann gar nicht darauf konzentrieren, weil ich den anderen zuhöre oder mir etwas Lustiges auffällt. 

Dann hast du wieder Stoff für deinen nächsten Podcast. 
Eben. Vielleicht ist das von Vorteil. Wenn ich jetzt ständig jemanden an der Backe hätte oder ich nur noch im Doppelpack irgendwo aufkreuzen und mich jemand zuquatschen würde, würde ich die Hälfte meiner Beobachtungen gar nicht mitbekommen. 

Wieso wolltest du zusätzlich zu allem, was du schon machst, einen Podcast aufnehmen, wenn es nicht einmal Geld bringt? 
Ich hatte das Gefühl, 90 Prozent der Podcasts in Österreich waren Journalisten-Podcasts zum Thema Politik. Natürlich ist das wichtig, aber ich persönlich höre lieber Podcasts von Menschen, die einen amüsanten Blick auf den Alltag haben. Als ich den Podcast gestartet habe, hatte ich außerdem gerade einen schwierigen Sommer. Einige Journalisten hatten über meine Kabarett-Auftritte Kritiken verfasst und ich habe den Fehler begangen, bei der österreichischen Zeitung "Standard" online die Kommentare über mich zu lesen. Das waren etwa 400, in denen die Leute geschrieben haben, wie schlimm sie mich fänden und was ich für ein nerviger Typ sei. Das ist mir zu diesem Zeitpunkt sehr nahegegangen. Ich hatte das Gefühl, dass ich missverstanden werde, weil ich in meinen Youtube-Videos immer den lustigen Clown gebe. Also dachte ich mir, ich mache einen Podcast, in dem ich mich bemühe, ein bisschen ehrlicher und authentischer zu sein. 

Es war also auch der Versuch, eine ernstere Seite von dir zu zeigen. 
Zumindest nicht durchgehend witzig. Ich wusste nicht, wo ich mich sonst auf diese Weise zeigen kann. Von diesem Trend "Mehr Realität auf Instagram" halte ich nicht so viel, weil ich es seltsam finde, ein trauriges Foto zu posten und einen langen Text über meine schlechte Woche zu schreiben. Ich dachte mir, im Podcast passt das noch am ehesten und da habe ich auch genug Zeit. 

Dein Podcast wirkt nicht so, als hättest du ein genaues Konzept oder eine Dramaturgie. Das sagst du ja auch selbst oft, im Sinne von "Was hab ich da jetzt wieder erzählt". Trotzdem ist er super erfolgreich. Wie erklärst du dir das? 
Vielleicht ist es genau das. Vielleicht freut es die Leute einfach, jemanden im Ohr zu haben, der so plaudert, wie es auch Freunde tun würden. Ich schreibe mir nie vorher auf, wie ich etwas erzählen oder welche Pointen ich bringen werde. Youtube-Videos sind viel stressiger für mich, weil ich da gut aussehen und mehr schneiden muss. Beim Podcast schneide ich nur meine Pausen raus, das ist viel ungezwungener und ich freue mich immer richtig auf diese halbe Stunde. Bei den Videos denke ich mittlerweile eher: Ok, das ist ein Punkt auf meiner To-do-Liste. 

Hast du deshalb so viel in deinen Videos gehasst? Du bist durch Hasslisten bekannt geworden, in denen du auf lustige Art und Weise erzählt hast, was du alles nicht magst. 
Möglich, dass es ein gutes Ventil für mich ist. Ich glaube, dass meine Hasslisten so gut funktionieren, weil sie etwas aussprechen, was sich viele nur denken, aber nicht zu sagen trauen. Mittlerweile gibt es leider weniges, das ich noch nicht thematisiert habe. Über Leute, die zu langsam gehen, habe ich mich jetzt, glaube ich, schon dreimal aufgeregt. 

Du hast im Podcast mal erzählt, dass du zwei Personae hättest: einmal dich privat und einmal die Showfigur Michael Buchinger. Inwiefern überschneiden sich die beiden?
Ich habe nie bewusst zwei Personen erschaffen. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich so jung war, als ich mit diesem Youtube-Ding angefangen habe. Da war ich erst 16. Auch als Schutz vor negativen Meinungen habe ich damals diese andere Figur aufgebaut. Denn wenn die Leute was Negatives gesagt haben, war es in dem Sinne nicht über mich, sondern über diese Figur. Auch wenn Leute mich konfrontieren, die sich auf meiner Hassliste wiedererkennen, kann ich sagen: Na ja, das war ja nicht ich, das war meine übertriebene Meinung, die unterhalten soll.

Das ist eine gute Strategie, um mit Kritik umzugehen. 
Erst in den vergangenen Jahren habe ich bemerkt, dass diese zweite Persona existiert. Im Podcast spiele ich ein bisschen damit. In manchen Folgen ist sie präsent, in anderen nicht. Vielleicht hört man es an der Stimme. 

Du sagst oft, du hättest noch nicht das erreicht, was du erreichen wolltest. Du bist doch erst 27.
Das Problem ist: Wenn du jung bist und Talent hast, sagen alle: Du bist genial für dein Alter. Und wenn man dann 27 wird und auf die 30 zugeht, ist man auf einmal nicht mehr dieses Wunderkind, man ist einfach nur 30, ein ganz normaler Typ. Ich hätte gerne mehr Mainstream-Erfolg. Man muss mehr am Ball bleiben als ich dachte. Es dauert, bis man im österreichischen Fernsehen mal in eine Talkshow am Abend eingeladen wird. Das ist so ein bisschen mein Ziel, aber es passiert irgendwie nicht. Und das Problem am Internet ist: Dich können viele Leute kennen und trotzdem bist du der Allgemeinheit unbekannt, weil du zum Beispiel nicht im Dschungelcamp warst. Nicht, dass ich das wollen würde. 

Aber du lässt dich ja nie von etwas abbringen. Du wurdest in der Schule gemobbt, aber wusstest: Es wird vorübergehen. 
Ich dachte mir, dass die Leute, die mich mobben, Unrecht haben, weil schwul zu sein nichts Schlimmes ist.  

Was denkst du jetzt, wenn du Mitschüler von damals triffst? 
Wir hatten letztens Klassentreffen. Ich bin hingegangen, weil ich mir dachte: Sollte es schlecht werden, ist es immer noch eine gute Geschichte. Am Ende des Abends haben Leute, die mich früher immer gehänselt haben, ihr Michi-Buchinger-Buch rausgeholt und gefragt: Kannst du mir das signieren? Ich dachte mir nur: Hmm, wie sich das Blatt so wendet. Das war ganz schön, aber ich habe es nicht raushängen lassen und war nicht gemein. 

Du bist auch Kolumnist geworden, obwohl die Leute dir gesagt haben, dass du dafür nicht bekannt genug seist. Woher nimmst du den Mut, dich über alle Meinungen hinwegzusetzen? 
Ich mache einfach alles trotzdem. Bevor ich Stand-up-Comedian geworden bin, habe ich einige Leute gefragt, ob sie sich das vorstellen können. Sie meinten nein. Vor allem meine Mama meinte: "Nein, lass das mal." Vielleicht trägt es dazu bei, dass ich etwas noch mehr will, wenn mir Leute sagen: "Nein, du kannst das nicht. Das wird nichts."

Hast du denn noch konkrete Pläne für die nächste Zeit?
Ja, ich werde jetzt Schauspieler. Ich habe, glaube ich, kein Schauspieltalent, aber ich könnte ja mich selbst spielen. Hier und da kommen Angebote, die ich witzig finde. Ich habe auch schon mal in einem Film mitgespielt, in dem ich drei Sätze hatte. Es waren die besten drei Sätze des Films. Nein, nicht wirklich. Wenn ich bis zu meinem 30. Geburtstag in einem weiteren Film sein darf, dann ist das super. 

Um dich anzutreiben: Ich bezweifle, dass du Schauspieler wirst. 
Treffen wir uns doch 2022 noch mal. 

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.