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Posse um Comedian Deutsche Forschungsgemeinschaft löscht Beitrag von Dieter Nuhr nach Kritik – ein Eigentor?

Dieter Nuhr
Comedian Dieter Nuhr eckt mit seinen Witzen immer wieder an – nun wurde ein Beitrag von ihm zum Jubiläum der Deutschen Forschungsgemeinschaft gelöscht (Archivbild)
© Henning Kaiser / DPA
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft löschte nach Kritik einen Kampagnen-Beitrag von Dieter Nuhr zum 100. Jubiläum. Nun werfen einige dem Verein Zensur vor. Auch Nuhr äußerte sich. 

PR-Unfall für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): Der Verein zur Förderung von Wissenschaft und Forschung feiert morgen seinen hundertsten Geburtstag. Zu diesem Anlass wurde eine Kampagne mit dem Titel "DFG 2020 – für das Wissen entscheiden" ins Leben gerufen. Für die Kampagnen-Webseite wurden zahlreiche Botschafter aus verschiedenen Feldern gewonnen. Der Wissenschaftsjournalist Rangar Yogeshwar ist etwa darunter, ebenso zahlreiche weitere Vertreter aus Politik, Wissenschaft oder den Medien.

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Dieter Nuhr sprach 30 Sekunden über Wissenschaft

Einer davon war auch Dieter Nuhr. Der Comedian polarisierte bereits in der jüngeren Vergangenheit häufiger (hier lesen Sie mehr dazu). Auch der Beitrag für die DFG-Kampagne sorgte für Wirbel. Nuhr sprach in einem Audio-Beitrag rund 30 Sekunden über Wissenschaft. Wissen bedeute nicht, 100 Prozent sicher zu sein, sondern über genügend Fakten für eine eigene Meinung zu verfügen, hieß es darin etwa. Auch, dass sich die Faktenlage ändern könne und es der Wissenschaft deswegen nicht möglich sei, absolute Wahrheiten zu verkünden. Das Fazit: "Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig."

Die DFG veröffentlichte den Betrag und postete am Freitag dazu auf Twitter. In der Folge äußerten zahlreiche User ihren Unmut darüber, dass der Verein Nuhr diese Plattform bot. Der Comedian hatte es sich im vergangenen Jahr unter anderem mit Witzen über Greta Thunberg und "Fridays for Future" mit den Kritiserenden verscherzt. Die DFG verteidigte den Beitrag zunächst, knickte dann aber doch ein: "Liebe Community, wir nehmen die Kritik, die vielen Kommentare und Hinweise ernst und haben den Beitrag von Dieter #Nuhr von der Kampagnenwebsite http://dfg2020.de entfernt", hieß es am Samstag per Tweet.

Erneute Kritik nach der Löschung des Nuhr-Beitrags

Beendet war die Sache damit nicht. Während einige Stimmen den Schritt begrüßten, äußerten andere harsche Kritik und warfen dem Verein vor, lieber zu löschen, statt zu debattieren: "Was für eine schlimme Aussage, was für ein PR Desaster. Wie könnt Ihr noch für Forschungsfreiheit und Kunstfreiheit stehen? Was werft Ihr @dieternuhr vor? DFG wird Teil einer Cancel Culture, deren Existenz ich sonst immer bestritten habe", schreibt etwa der Kieler Hochschulprofessor Tobias Hochscherf.

Andere User äußern sich ähnlich. Auch Dieter Nuhr meldete sich zu Wort. Auf Seiner Facbook-Seite kritisierte er in einem ausführlichen Statement unter anderem, er sei zwar als Satiriker an Kritik gewöhnt, aber dass die DFG "den Ideologen im Netz nachgibt", würde ihn nicht nur erstaunen, sondern ängstigen. 

Am Ende bleibt die Frage, was für die DFG den größeren Image-Schaden bedeutet: Einen umstrittenen Comedian als einen von zig Stimmen gewonnen zu haben – oder, sich als Verfechterin von freier Forschung und Wissenschaft den Vorwurf der Zensur und der "Cancel Culture" ans Revers heften zu müssen.

Im Video: Wegen ein paar Witzen über Greta Thunberg stand Dieter Nuhr seinerzeit in der Kritik. 

rös / <br/>

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