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Nachruf "Ein richtiger Hamburger Jung" - Wir trauern um Harald Blanck

Harald Blanck
Leidenschaftlicher Grafiker, Kartograph und Illustrator: Harald Blanck
© privat
Der Grafiker Harald Blanck ist tot. Wir trauern um unseren ehemaligen Kollegen. Seine liebenswerte Art vermissen wir sehr.

Harald Blanck war, wie er selbst sagte, "ein richtiger Hamburger Jung". Hier wurde er 1958 geboren, wuchs bei den Großeltern auf. Nach dem Abitur ging Harry, wie ihn alle nannten, nach Kanada, wo er Familie hatte. Er studierte Gestaltung und Illustration am College. Nebenher jobbte er auf dem Bau, in der Firma eines Verwandten.

Als er mit dem Studium fertig war, arbeitete er für verschiedene Agenturen, entwarf unter anderem Schilder für Autobahnwerbung. Anfang der 1990er Jahre zog es ihn zurück nach Deutschland. Nach Hamburg, natürlich. Und in den Journalismus.

Er arbeitete als Grafiker, Kartograph und Illustrator für Geo, stern, Brigitte, Schöner wohnen, essen und trinken, den Merian, Feinschmecker, das Lufthansa-Magazin, andere renommierte Blätter. Und für die Stadt Hamburg.

Meistens aber arbeitete er für den stern, der für ihn im Laufe der Jahre so etwas wie ein Zuhause wurde. Hier war er richtig, wusste, wie man komplexe Themen grafisch so umsetzt, dass die Leser mit einem Blick begreifen, worum es geht.

Harry blieb ruhig und fokussiert - vor allem, wenn es stressig wurde

Harry war nicht aus der Ruhe zu bringen, selbst, wenn der Redaktionsschluss drängte und mal wieder alles kurz vor Schluss umgeworfen werden musste. Oder sollte. Ein Griff in die Haribo-Box auf seinem Schreibtisch, die immer schnell leer war, weil sich viele Kollegen und Kolleginnen schadlos hielten. Eine schnelle Zigarette auf dem Flur, wo er mit Kollegen plauschte. Von der WG in Altona erzählte, in die er gezogen war und wo er sich "sauwohl“ fühlte. Er war beliebt wie wohl kaum ein anderer Kollege.

2014 strukturierte der stern die Abteilung Infografik um. Harry verlor seine feste Stelle und kam fortan tage- und wochenweise in die Redaktion, wenn Not am Mann war. Erledigte seinen Job wie immer, ruhig, hochprofessionell. Sprach von dem Mittelalterroman, den er nun endlich schreiben wolle, jetzt, da er mehr Zeit hatte. Von dem Kunstprojekt mit einem Kollegen. Von Jobs hier und dort.

Dünn war er geworden in der letzten Zeit, wenn man ihn im Café Balzac sah. Doch wer ihn darauf ansprach, bekam nur zur Antwort:  "Mir geht es gut.“ Oder: "Alles okay.“ Dann regte Harry sich wieder über Trump auf, der zu seinem Lieblingsthema geworden war in den letzten Jahren. Vielleicht hätten wir mehr nachhaken sollen, so wie es eigentlich unser Job ist.

Nun ist Harry tot. Und es bleibt uns nur zu sagen, dass wir ihn sehr gemocht haben. Dass wir ihn vermissen werden. Wir können nur hoffen, dass er das gewusst hat.


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