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"Black Snake Moan": Südstaaten-Drama voller Blues und Emotionen

Christina Ricci brilliert als Rae, eine Frau, die "etwas zu viel für uns" ist in "Black Snake Moan". Das Drama über eine stark geprüfte junge Frau besticht nicht nur durch schauspielerische Leistung, sondern auch durch wunderschöne Blues-Musik.

Rae ist erbarmungswürdig: als Kind missbraucht, von der Mutter verstoßen und von den Männern benutzt. Als Lazarus sie bewusstlos und schwer verletzt auf der Straße findet, ist sie nur noch ein Häufchen Elend. "Black Snake Moan" heißt der Film von Regisseur Craig Brewer, in dem Christina Ricci als innerlich gebrochene junge Frau zu sehen ist, die unter Panikattacken leidet und diese damit verdrängt, indem sie wahllos mit den Männern in dem kleinen Südstaaten-Städtchen schläft.

Samuel L. Jackson spielt den bibeltreuen Blues-Sänger Lazarus, der ihr widersteht und sich darum bemüht, sie von ihrem sündigen Leben abzubringen. Am 5. Juli startet das emotionale und hervorragend gespielte Südstaatendrama, das mit wunderbaren Blues-Sequenzen unterlegt ist, auch in deutschen Kinos.

Gegenseitiger Halt

Als Lazarus das junge Mädchen bei sich aufnimmt und pflegt, ist er selber gerade in einem miserablen Zustand. Seine Frau hat ihn mit seinem Bruder betrogen und verlassen. Und so geben sich Lazarus und Rae gegenseitig Halt. Um das lange Zeit an Keuchhusten leidende Mädchen davon abzuhalten, in wirren Fieberträumen davon zu laufen, bindet er sie mit einer langen Kette in seinem Haus an. Wie eine Schlange umwinden die schweren Glieder ihren schmächtigen, geschundenen Körper. Rae rebelliert erst, doch irgendwann wird die Kette zum Halt. Immer fester wickelt sich das Mädchen ein, wenn ihre schrecklichen Erlebnisse von Gewalt und sexueller Demütigung wie Schlaglichter aufblitzen und sich eine Panikattacke aufbaut.

Seine bislang beste Rolle

Ricci ist eine wunderbare Rae. In knappsten Shorts präsentiert sie freizügig ihre weiblichen Reize und verleiht der stark geprüften jungen Frau mit beeindruckender Intensität eine anrührende Mischung aus Wildheit, Traurigkeit und Zerbrechlichkeit. Niemand wolle eine Frau wie Rae um sich haben. "Sie ist etwas zu viel für uns", beschreibt Ricci ihre Rolle.

Auch Samuel L. Jackson überzeugt. Er halte den Lazarus für seine bislang beste Rolle, heißt es im Programmheft des 25. Filmfestes München, wo der Film seine Deutschlandpremiere feierte. Jackson lässt seine Figur nicht nur aufopfernd und mildtätig wirken. Sein Kampf, der verführerischen Rae zu widerstehen, ist ihm durchaus anzumerken.

Legendäre Blues-Musik für den Soundtrack

Immer wieder greift Lazarus zur Gitarre und singt den Blues. Das Gitarrespielen hat Jackson extra für den Film gelernt. "Er traf sich mit Leuten wie Big Jack Johnson, Kenny Brown, Cedric Burnside und Sam Carr - alles echte Legenden des nördlichen Mississippi, mit ihrem ganz eigenem Sound", sagt Brewer. "Sam hat die Gitarre in die Hand genommen und einfach nicht mehr losgelassen." Unterschnitten mit Originalaufnahmen des legendären Blues-Sängers Son House aus den 1930er Jahren ist der Film deshalb eine Hommage an den Südstaaten-Blues, an die rauen, gefühlvollen Texte, die meist von Leid und Liebe handeln.

Auch der Name des Films, "Black Snake Moan" habe damit zu tun, sagt Regisseur Brewer. "Das ist der Titel eines Songs von Blind Lemon Jefferson und meiner Meinung nach ist das der mächtigste und packendste Blues-Song aller Zeiten."

Cordula Dieckmann/DPA / DPA