"Casanova" Das Ende des Verführers


Die Klamottenkomödie "Casanova" ist der perfekte Film zum Valentinstag: opulent, beschwingt und süffisant - eine pompös, aber leicht inszenierte Hommage an die wahre Liebe.
Von Kathrin Buchner

Das Kino zeigt Köpfchen in diesem Jahr: Nicht nur so kluge Thriller wie "München" oder "Der ewige Gärtner", auch ein scheinbar so leichter Stoff wie das Leben des ewigen Verführers Giacomo Casanova bekommt in Lasse Hallströms Komödie Substanz, ohne seine Leichtigkeit einzubüßen.

Dass der schwedische Regisseur ein Händchen dafür hat, schöne Geschichten zu inszenieren, hat er schon mit "Chocolat" und "Gottes Werk und Teufels Beitrag" bewiesen. Für die hinlänglich bekannte Legende des Schürzenjägers Casanova wählte Hallström den an Romantik nicht zu überbietenden Originalschauplatz: die malerische Kulisse von Venedig, Casanovas Heimatstadt im 18. Jahrhundert, wo Hallström als erster Hollywood-Regisseur im prunkvollen Palazzo Ducale und auf dem Markusplatz drehen durfte.

In authentischen Kostümen mit den für Venedig so typischen Masken bedeckt, hinter denen die Mitglieder der damaligen Gesellschaft bei Abenteuern gerne ihre Identität verbargen, liefern sich die Darsteller in den kleinen Gassen und auf den Kanälen der Lagunenstadt gewagte Verwechslungsspiele und irre Verfolgungsjagden. Dazu gibt's flockige Dialoge, hin und wieder herrlich süffisant, gelegentlich eher zotig. Die Story ist denkbar einfach: der erfolgsverwöhnte Herzensbrecher verliebt sich zur Abwechslung mal selbst und wird zunächst von seiner Angebeteten, der emanzipierten Francesca (Sienna Miller), nicht erhöht. Die ist nämlich viel zu sehr mit dem Kampf um Gleichberechtigung und dem Verfassen dementsprechender Schriften beschäftigt, um auf die amourösen Avancen des Charmeurs sofort anzuspringen.

Jeremy Irons als Bischof

Besonders brillant ist Jeremy Irons als rachsüchtiger Bischof Pucci, der Casanova für seine Verführungstaten hinter Gitter bringen will. Dafür benötigt er die Aussage eines seiner "Opfer" - im Austausch bietet er die Widerherstellung der verloren gegangenen Unschuld; "die katholische Kirche kann schließlich alles", erklärt er der so unschuldig mit den Augen klimpernden Victoria (Natalie Dormer). Die sorgt sich allerdings weniger um ihre Jungfräulichkeit sondern sinnt auf Rache für die Zurückweisung von Casanova, in dessen Arme sie so gerne gelandet wäre.

Denn die Rollen sind umverteilt in diesem sehr modernen Casanova-Märchen: die Frauen nehmen sich selbstbewusst, was sie wollen, oder entfalten ihr geistiges Potenzial. Und gegen Jeremy Irons diabolische Aura wirkt Heath Ledger sowieso wie ein Schauspielschüler, der gerade seine ersten Lektionen als Liebhaber lernt. Ein australischer Naturbursche, der die manierierten, vergnügungssüchtigen Damen der venezianischen Gesellschaft keineswegs ausnutzt, sondern ihnen gute Dienste leistet - sehr zum Unwillen der kirchlichen Stadtoberhäupter, die solch frivoles Treiben nicht dulden können.

Überzeugende Nebenfiguren

Dafür bekommt Ledger, der seinen großen Durchbruch demnächst wohl eher als schwuler Cowboy denn als hemmungsloser Frauenverführer haben wird, noch einige großartige Nebenfiguren an die Seite gestellt, die richtig Tempo und Witz ins Spiel bringen: Lea Olin als geld- und geltungsgeile Mutter von Francesca, Charlie Cox als der tollpatschige Bruder Francescas, ein stiller Typ, der sich als wahrer Latin Lover entpuppt und die Bordelldamen beglückt, und Oliver Platt als fettleibiger, an sich selbst zweifelnder, aber stinkreicher König von Genua.

Für den Start in den deutschen Kinos konnte der Verleih keinen besseren Termin finden: Die venezianischen Masken und Roben liefern perfekte Inspiration für jede Karnevalsparty. Männer, die noch verzweifelt nach einem romantischen Geschenk zum Valentinstag suchen, machen sich mit Kinokarten für "Casanova" auch selbst ein Geschenk. Schließlich geht wahre Liebe durch den Kopf - das muss auch Casanova erfahren. Und auf der Leinwand liefert Regisseur Hallström zwei Stunden großartige Anregung für das Kopfkino auch nach dem Kinobesuch.


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