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"Das Leuchten der Stille": Schmachtfetzen mit berührenden Momenten

Melodramatische Romanze "Das Leuchten der Stille" mit Shootingstar Amanda Seyfried: In der Nicholas Sparks-Verfilmung verlieben sich der gut gebaute Soldat John und die blonde College-Studentin Savannah. Doch nach zwei idyllischen Sommerwochen muss sich das Paar wieder trennen.

Der junge Soldat John lernt während seines Heimaturlaubs die Studentin Savannah kennen und lieben. Nach einem Jahr und vielen Briefen sieht sich das Paar wieder. Doch dann kommt 9/11 ihrem Glück in die Quere. John verpflichtet sich erneut. Und nach einiger Zeit tritt jenes Ereignis ein, das der Originaltitel "Dear John" des am 6. Mai anlaufenden Schmachtfetzens "Das Leuchten der Stille" ankündigt: Ein "Dear John Letter" bedeutet US-umgangssprachlich einen Abschiedsbrief.

Das ist natürlich nicht das Ende dieser Liebesgeschichte, die von Groß-Kitschier Nicholas Sparks erdacht wurde. Sie ist ähnlich nah am Wasser gebaut wie die eine Woche zuvor angelaufene Sparks-Verfilmung "Mit Dir an meiner Seite". Die Hauptrolle spielt wie gehabt das attraktive Ambiente: Die südliche US-Ostküste, wo der ärmere Teil des potenziellen Paares im knuffigen Haus in Strandnähe, der andere im verwunschenen Herrenhaus lebt. Expliziter Sex ist ein No-No, seelenvolle Blicke und Spaziergänge am Meer ein Muss. In der zweiten Filmhälfte wird die heimische Idylle mit Bildern von Kriegsschauplätzen rund um den Globus kontrastiert.

Der Schwede Lasse Hallström, der 1993 mit "Gilbert Grape" ersten Hollywood-Ruhm erntete, hat sich mit solidem Handwerk als Regisseur geschmackvoller Schnulzen etabliert. Auch diese in güldenem Südstaaten-Licht badende Romanze hat er allerliebst angerichtet und mit Hauptdarstellern versehen, die von unfassbar edlen Gefühlen beseelt sind. In der Tat offenbart der Grund für Savannahs Abschiedsbrief ein so morbides Helfersyndrom, dass schon deshalb schwer zu begreifen ist, wieso der Film in den USA vom Start weg "Avatar" überflügelte. Gefiel dem Publikum die Figur eines Patrioten, der im Dienst des Vaterlandes seine große Liebe zurücklässt?

Oder liegt's an den Glubschaugen und sonstigen hervorragenden Merkmalen der Hauptdarstellerin? Amanda Seyfried, zuletzt auch in "Chloe" und "Mamma Mia" zu sehen, wird zurzeit als neuer weiblicher Star aufgebaut. Mit einer gewissen Unwucht der oberen Körperhälfte - klein, großer Kopf - ist sie wie gemacht für die Filmkamera, die ihre eigenen Attraktivitätsgesetze hat. Seyfried besitzt eine gedrechselte Monroe-Figur, Blondhaar bis zur Hüfte, und ein Kindchen-Gesicht. Wie bei Angelina Jolie ist schwer auszumachen, ob sie eine gute Schauspielerin ist, weil man stets von Augen, Schmollmund und Haaren abgelenkt ist.

"Ich persönlich finde ja, dass ich ein bisschen freakig aussehe", meint die Schauspielerin selbst. Ihr Galan Channing Tatum, ein einstiges Model, spielte zuletzt "G.I. Joe" und ist als John-Boy ebenso idealtypisch besetzt wie seine Partnerin: stoische Miene, Stiernacken, und ein athletischer Oberkörper, der beim Surfen und anderen Strandaktivitäten zur Geltung kommt. Allerdings ist die sich über Jahre und gefühlte drei Kinostunden hinziehende unerfüllte Liebe des Paares längst nicht so bewegend wie die Beziehung von John zu seinem Vater, einem verschrobenen Münzsammler.

Das Drehbuch gibt der Romanze mit dem filmischen Modethema Autismus ein ernsthaftes Anliegen mit. So will die altruistische höhere Tochter Savannah, der ein autistischer kleiner Junge ans Herz gewachsen ist, beruflich irgendwas mit Pferden und Kindern machen. Spannender ist Richard Jenkins als Johns autistischer Vater, der unfähig ist, seinem Sohn seine Gefühle zu zeigen und deshalb für manchen Griff zum Taschentuch sorgt. Dennoch hält Hallström den Ball eher flach und inszeniert gefühlige Szenen mit Understatement: ein gehobener Schmachtfetzen mit schönen Zutaten.

Birgit Roschy, APN / APN