HOME

"Dance!": Antonio Banderas als Musikclip-Star

HipHop flirtet mit Swing, und ein gut gelaunter Latinlover mit "Americas Next Topmodel": Antonio Banderas' neuer Film besticht durch furiose Tanzszenen, aber birgt auch Enttäuschungen.

Von Frauke Hansen

Was kommt dabei heraus, wenn eine ehemalige Musikclip-Regisseurin sich daran macht, eine Geschichte über einen Tanzlehrer und seine Schüler zu drehen? Genau - ein knapp 120-minütiges bildgewaltiges Tanzfilmchen, bei dem die Geschichte leider nebensächlich und schnell wieder vergessen ist. Liz Friedlanders Regie-Debüt "Dance! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt" basiert auf der "wahren Geschichte" des New Yorker Tanzlehrers Pierre Dulaine. Dessen Leben wurde bereits äußerst eindrucksvoll in der Dokumentation "Mad Hot Ballroom" verewigt. Nun also kommt die fiktive Seite hinzu.

Pierre Dulaine (Antonio Banderas), Tanzlehrer aus Leidenschaft, hat keine Lust mehr, schnöseligen Upper Class Kindern in seiner New Yorker Tanzschule klassischen Ballroom Dance - Walzer, Tango und ChaChaCha - beizubringen. Als er in einer lauen Nacht in einem der ärmeren Teile der Stadt einen frustrierten Mini-Gangster dabei beobachtet, wie der das Auto seiner Direktorin mit einem Golfschläger bearbeitet, reift in dem Frackträger ein Entschluss: Dort wo Pistolen, Heroin und Hoffnungslosigkeit regieren, will der Pinguin Kids, denen ihr Hosenboden in den Kniekehlen hängt, Eleganz, Manieren und Respekt beibringen. Dulaine sitzt am nächsten Tag nämlich nicht auf dem Polizeirevier, sondern im Vorzimmer der Direktorin des nächtlichen Randalierers.

Das Zauberwort lautet: HipHop!

Augustine James (Alfre Woodward) traut ihren Ohren nicht, als der Mann mit dem spanischen Akzent ihr einen aberwitzigen Vorschlag macht: Dulaine will den Kids ihrer Schule klassische Tänze beibringen! Weil sie mit ihrem Latein am Ende ist und nicht mehr weiß, wie sie die Schützlinge motivieren soll, stimmt James zu - ohne Hoffnung auf Erfolg.

Zwischen dreckigen Rohren, Spinnenweben und Wänden, von denen der Putz herunterbröckelt, empfinden Dulaines neue Tanzschüler seinen Unterricht als Bestrafung: Klassische Noten, Swing-Songs von Nat King Cole fliegen ihnen um die Ohren! Wie uncool! Und erst diese Tanzschritte! Eins, zwei, tipp; lang, lang, kurz - und das noch mit Anfassen? Nie im Leben! Streetdance, HipHop - das ist das Zauberwort! Nur hämmernde Bässe, melodiöse Raps und dynamische Rhythmen können das, was der Walzer nicht zu tun vermag: die Jugendlichen zum Tanzen zu animieren. Wie also die Tänzer-Herzen für klassischen Tanz erweichen? Dulaine greift zu einem Trick.

Heißer Tanz, das Eis schmilzt

Der Trick hat lange Beine, blondes Haar und ein knappes Kleid, dessen figurbetonter Schnitt den Jungen die Röte ins Gesicht treibt und die Mädchen vor Neid erblassen lässt. Der Trick hört auf Tangoklänge und schmiegt sich leidenschaftlich an Dulaines Körper, umschlingt den Tanzlehrer mit seinem Bein und reibt sein Hinterteil so erotisch an Dulaines Schoß, dass sein Atem heißer wird. Was ihr Lehrer vor ihren Augen mit seiner Tanzpartnerin macht, haben die Kids noch nie gesehen - und sind beeindruckt. Beeindruckt von Eleganz, Leidenschaft und Sex-Appeal. Das Eis und der Widerstand sind gebrochen.

Was folgt, ist so vorhersehbar wie schnell erzählt. Ein großer Tanzwettbewerb steht an und bildet das furiose Happyend. Der Plot von "Dance!" ist altbekannt, schon Filme wie "Dangerous Minds", "Sister Act 2" und "Fame" spielten mit hoffnungslosen Jugendlichen, die durch couragierte Lehrer den Weg in eine bessere Zukunft finden. Wer sich eine Sozialstudie oder einen Charakterfilm zu Gemüte führen will, sollte sich an der Kinokasse für einen anderen Film entscheiden, "Dance!" bleibt trotz ermutigender Ansätze oberflächlich. So trieft die Hass-Beziehung zwischen den Problemfamilien-Kindern Rock (Rob Brown) und LaRhette (Yaya DaCosta, Finalistin von „Americas Next Topmodel“), die sich in Liebe verwandelt, vor kitschiger Romantik und auch der abgedroschene Spruch "Du kannst alles erreichen, wenn du es nur willst" ist zuviel des Guten.

Banderas mit Witz und Esprit

Dass der Film trotzdem nicht enttäuscht, liegt vor allem an dem ironisch-charmanten Spiel von "Zorro"-Darsteller Antonio Banderas. Die durch ihn verkörperte Figur des Pierre Dulaine wirkt in der schnelllebigen und anonymen Welt der Bronx-Bewohner wie ein Überbleibsel aus längst vergangenen goldenen Zeiten. Banderas' Understatement ist bemerkenswert. Einige der besten Szenen des Films spielen sich auf zwischenmenschlicher Ebene ab, Banderas' Zusammenspiel mit den jungen, frischen Darstellern ist voller Witz und Esprit. Wenn der Gentleman Dulaine neben einem rotzfrechen Ghetto-Kid im verkommenen Vorzimmer der High-School-Direktorin sitzt und anschaulich über die Magie der guten Manieren philosophiert, zeigt sich Banderas' komödiantisches Talent.

Bei den hervorragend choreographierten Tanzszenen, eine der größten Stärke von "Dance!", wird die Vergangenheit von Regisseurin Liz Friedlander deutlich. Die Amerikanerin hat sich in den letzten Jahren einen Namen mit Musikclips für "U2", "Blink 182" und "3 Doors Down" gemacht. Das sieht man ihrem Regie-Debüt an, denn "Dance!" ist ein bildgewaltiger Film mit schnellen Schnitten und vielen Tanzszenen. So bleibt die Kamera dicht an den Tänzern, setzt Akzente auf die Tanzschritte und verleiht diesen Sequenzen eine rasante Dynamik.

HipHop-Beats mit Schlager

Die Veränderungen auf menschlicher Ebene sind auch an der Bildlichkeit zu erkennen: Ist der Film zu Beginn trist und grau, explodiert die Schlussszene vor Farbgewalt. Der mitreißende Soundtrack ist das Element des Films, das wohl am stärksten in Erinnerung bleibt: Wenn Nat King Cole die Black Eyed Peas trifft und "Que será, será" mit HipHop-Beats gemixt wird, ist das mutig und innovativ, für konservative Swing-Fans allerdings gewöhnungsbedürftig. Vielleicht auch deshalb ist "Dance!" (oberflächliche Story, moderne Musik, starke Bilder) ein Film, der vor allem für die MTV- und VIVA-Generation interessant sein dürfte - mit Antonio Banderas als Musikclip-Star. Denn tanzen, oh ja, das kann er.

Themen in diesem Artikel