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»DER FELSEN«: Grenzgänge auf Korsika

Der siebzehnjährige Malte verliebt sich in die um einiges ältere Katrin, die auf einer Reise ihren Liebhaber verläßt. Hauptdarstellerin Karoline Eichhorn will nach dem »Felsen« nie wieder Sexszenen drehen.

Sie sagte, dass sie zu viel von sich gegeben hat für diesen Film. Dass sie zu weit gegangen ist und es viel zu spät gemerkt hat. Karoline Eichhorn sagte sogar, dass sie den Film »Der Felsen« gar nicht hätte drehen sollen. Solche Sätze hört man sonst nie in Interviews. Normalerweise betonen Schauspieler, wie toll die Zusammenarbeit bei dem stets großartigen Projekt verlief, vor allem, wenn es sich um die erste bedeutende Hauptrolle in einem Kinofilm und beim Regisseur um so einen renommierten wie Dominik Graf handelt. Man schätzt dann Eichhorns Mut und Ehrlichkeit und wundert sich später umso mehr, wenn sie sich von diesen Aussagen wieder distanziert.

»Der Felsen lief diese Jahr auf der Berlinale, und Eichhorn erhielt für ihre Darstellung den Bayerischen Filmpreis sowie eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis. Sie spielt Katrin, eine Frau Mitte 30, die ihren Liebhaber während eines Korsika-Urlaubs verlässt, als er ihr beichtet, dass seine Ehefrau schwanger ist. Die Halt und Hoffnung verliert, sich auf eine Liaison mit einem straffälligen Jungen (Antonio Wannek) einlässt und einmal auf ein Abenteuer mit zwei Fremden.

Während der Dreharbeiten war Eichhorn schwanger. Unwohl hat sie sich bei den Sexszenen aber erst gefühlt, als sie den fertigen Film sah. Sie wolle sich nicht so ausliefern, sagte die 36-Jährige beim Interview. Heute bereut sie, ihr Unbehagen überhaupt thematisiert zu haben. Weil sie damit Werbung für den Film machen - und doch das Gegenteil wolle. Zwar sind die Szenen nicht halb so heiß, wie man nun annehmen könnte, doch »Der Felsen« lebt von diesem Momenten. Von Eichhorns Offenheit und Intensität, die den Film über manche Länge rettet. Und ablenken von diesen nervigen, allwissenden Erzähler-Kommentaren aus dem Off.

Auch Dominik Graf ist begeistert von Eichhorns Arbeit, ihren Zorn versteht er nicht. »Ich habe sie meines Wissens zu nichts gezwungen. Der Film erzählt von einer Frau, die ihre Grenzen auslotet. Dass die Schauspielerin dabei auch an ihre Grenzen stößt, war aus dem Drehbuch ersichtlich und so besprochen. Und ich glaube, dass das Karoline auch gereizt hat.«

Für Eichhorn markiert der Film jedoch »einen Scheidepunkt«. Die gebürtige Stuttgarterin, bekannt durch ernsthafte Fernsehrollen (»Der Sandmann«), will wieder mehr Theater spielen. Gern in Hamburg, wo sie mit Mann, Tochter und Hund lebt. Sexszenen lehnt sie fortan ab. Aus dem Filmgeschäft wolle sie sich nach dem »Felsen« zurückziehen. Bleibt zu hoffen, dass sie das nicht so gemeint hat.

Bianca Lang