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"Die Gräfin": Julie Delpys Sympathie für eine Serienmörderin

Sie spielt eine der grausamsten Frauenfiguren der Geschichte. Doch Julie Delpy findet ihre Rolle in "Die Gräfin" nicht befremdlich, im Gegenteil: Sie kann die Gräfin Báthory "sehr gut verstehen". Die Schauspielerin glaubt, dass auch heute noch viele starke Frauen ihr Schicksal teilen und "durch einen schwachen Mann zerstört" werden - sagt sie im stern-Interview.

Schauspielerin Julie Delpy kann sich mit ihrer neuesten Rolle einer Serienmörderin gut identifizieren. "Ich kann diese Frau sehr gut verstehen. Wir haben viel gemeinsam", sagte die 39-Jährige in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern über die Schauergestalt Erzsébét Báthory. Sie ist Heldin in Delpys neuem Film "Die Gräfin", der am Donnerstag in den Kinos startet.

Die ungarische Gräfin soll zum Erhalt ihrer Jugend im Blut von Jungfrauen gebadet haben. "Ich habe mich gefragt: Aus welchen Gründen würde ich selbst so grausam und wahnsinnig werden?", so Delpy im Gespräch mit dem stern. "Die Antwort war klar: aus unerwiderter Liebe. Nichts hat mich je so um den Verstand gebracht. Das ist Borderline. Ganz nah am Wahnsinn." Die Motive ihrer Filmgestalt kann Delpy aber noch aus anderen Gründen verstehen. "Diese Frau tötet, weil sie das Frausein hasst", sagte Delpy. "Ich kenne das Gefühl von Ohmacht und Wut demgegenüber, als Frau anders beurteilt zu werden als Männer. Was bei einer Frau als zickig und hysterisch gilt, ist bei einem Mann ein Zeichen von Genialität."

So sei "Die Gräfin" zwar als Kostümfilm inszeniert, beschreibe aber doch ein modernes Frauenschicksal. Delpy im stern: "Eine sehr starke Frau wird durch einen schwachen Mann zerstört. Das ist die Tragödie vieler Frauen."

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