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stern-Gespräch mit Julie Delpy und Ethan Hawke: "Ich bin alt, schlaff und happy"

Die Jüngsten sind Julie Delpy und Ethan Hawke nicht mehr. Aber sie fühlen sich gut dabei. Im stern-Gespräch plaudern sie über die Vorzüge des Alters. Gerade Delpy spart nicht mit derben Worten.

Drei Filme, ein Thema: Die Beziehung zwischen Frau und Mann. Darum geht es in der Trilogie von Julie Delpy und Ethan Hawke: Vor 18 Jahren drehten sie "Before Sunrise" miteinander. Der Film erzählt, wie Celine und Jesse sich begegnen, die beide Anfang 20 sind und zufällig im gleichen Zugabteil sitzen. Er überredet sie, mit ihr auszusteigen und einen Tag in Wien zu verbringen. Neun Jahre später folgte "Before Sunset", in dem die beiden einander wiedertreffen. Nun, noch einmal neun Jahre später, kehren sie erneut auf die Leinwand zurück: In "Before Midnight" sind Celine und Jesse Anfang 40 und Eltern von Zwillingen. Der Film kommt an diesem Donnerstag in die Kinos.

Im neuen stern sprechen Delpy, 43, und Hawke, 42, darüber, wie sie sich mit ihren Filmen verändert haben. Wie sie erwachsen wurden und warum Hawke sich heute nicht mehr jung fühlt, Delpy aber sehr wohl: "Ich fühle mich jünger als mit 20", sagt sie. "Wie geht denn das?", fragt Hawke. Delpy erklärt: "So: Ich gebe einen Scheiß darauf, was andere sagen oder denken. Ich fühle mich frei. Ich mache, was ich machen möchte."

"Ich hätte ein großer Star werden können"

Hawke sagt, Delpy sei als junge Frau gefangen gewesen in diesem Klischee von "niedliche, junge, unerfahrene Schauspielerin". Ja, kontert Delpy, "und jetzt bin ich alt und schlaff und happy. Ich mache eigene Filme, weiß, was ich will und was nicht. Ich hatte eine Menge Druck damals, ich war hübsch und talentiert und musste Entscheidungen treffen. Ich hätte ein größerer Star werden können, als ich es geworden bin, aber ich wollte gewisse Dinge halt nicht machen."

Sie habe sich nicht verkaufen wollen wie manch Kollegin: "Es gibt genug Leute, die braune Nasen vor lauter Arschkriechen gekriegt haben. Die sich verbogen haben und unter jeden Tisch gekrochen sind. Und jetzt sind sie nicht mehr jung und am Ende."

Die jungen Leute haben es nicht leicht

Hawke sagt, er bemerke sein Alter, wenn er mit jungen Schauspielerin arbeite: "Dann denke ich, ich bin einer von ihnen. Und plötzlich wird mir klar: Die sehen das anders. Manchmal lese ich ein Drehbuch, das geht los, 'Jimmy, 22, fährt auf seinem Skateboard die Straße entlang  …' und ich denke, interessant! Aber dann kapiere ich: Ich werde gar nicht Jimmy sein – ich bin Jimmys Vater." Doch beruflich sei er ganz froh, "dass ich da bin, wo ich bin."

Junge Leute hätten es heute schwieriger als er, sagt Hawke. Er sehe das an seinen Kindern und deren Freunden, die in Zeiten der neuen Medien aufwachsen, mit Facebook und Smartphone. "Verschickt niemals Nacktfotos von euch", gebe er seinen Kindern mit. "Wenn ich mit 15 so eine Kamera gehabt hätte, Gott weiß, was ich damit angestellt hätte."

Ulrike von Bülow
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