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"Die Liebesfälscher" im Kino: Drama brodelt subtil unter der Oberfläche

Erstmals hat der iranische Regisseur Abbas Kiarostami ("Der Geschmack der Kirsche") einen Film komplett in Europa gedreht. Quirlige Hauptdarstellerin in "Die Liebesfälscher" ist die Französin Juliette Binoche.

Im sanften Licht der Toskana spielt sich ein Liebesdrama ab - sorgfältig seziert und ausgedeutet vom iranischen Filmemacher Abbas Kiarostami ("Der Geschmack der Kirsche"). Mit "Die Liebesfälscher" hat Kiarostami zum ersten Mal einen Film ausschließlich in Europa gedreht. Seine Art der genauen Beobachtung und Auslotung menschlicher Gefühle und Gedanken hat er mitgebracht in die südlichen europäischen Gefilde.

Hauptdarstellerin ist die Französin Juliette Binoche, 47, die im vergangenen Jahr bei den Filmfestspielen von Cannes für ihre Rolle der namenlosen Kunstexpertin in "Die Liebesfälscher" den Preis als beste Schauspielerin erhielt. Binoche füllt ihre Rolle als quirlige, doch von Zweifeln an der Liebe befallenen Frau perfekt aus. Der Mann an ihrer Seite - der britische Bariton William Shimell in seinem Leinwanddebüt - macht seine Sache gut. In seiner Konstruiertheit bleibt der Film jedoch eine Fallstudie, die zwar intellektuell interessant sein mag, deren Emotionen für den Zuschauer aber letztlich nur gespielt bleiben.

Kinotrailer: "Die Liebesfälscher"

Manchmal irgendwie gefälscht

Der britische Autor James Miller (Shimell) stellt in einem Toskana-Städtchen sein neues Buch über Kopien in der Kunst vor. Seinem Vortrag hört auch die Kunstexpertin zu. Sie bleibt nicht bis zum Ende der Veranstaltung, hinterlässt stattdessen ihre Telefonnummer, einen Tag später treffen sich Miller und die Frau.

Der Kinozuschauer sieht nun der scheinbaren Annäherung der Beiden zu - sie machen einen Ausflug in die Umgebung, gehen ins Museum, unterhalten sich leidenschaftlich über Kunst und gehen essen. Doch dann schleichen sich Zweifel ein: Kennt sich das Paar vielleicht doch schon länger, sind die beiden vielleicht sogar verheiratet und spielen nur mit dem scheinbaren Neu-Kennenlernen? In einem kleinen Hotel - ist es etwa die Hochzeitssuite von damals? - entscheidet sich, wie die Zukunft aussehen wird.

Binoche spielt furios. Mit Verve wirft sie sich in dieses komplizierte Leben der Frau, das offensichtlich nicht so verläuft wie sie es sich erhofft hat. Während Shimell aus seiner Figur einen zurückhaltenden, sich immer aus allem heraushaltenden, fast verstockten Mann macht, läuft Binoche in ihrer Rolle über vor Gefühlen und doch immer wie gegen eine Wand. Das ist ein reizvoller Gegensatz. So spielt sich unter der hellen italienischen Sonne ein Drama ab, das subtil unter der Oberfläche brodelt. Das wirkt mal glaubwürdig, manchmal aber auch irgendwie gefälscht.

Elke Vogel, DPA / DPA