HOME

"Evan Allmächtig": Arche bauen, aber dalli!

Der Nachrichtensprecher Evan Baxter wird mit dem Versprechen, die Welt zu ändern, in den US-Kongress gewählt. Doch mit dem Einzug in den Kongress wartet auf den Helden der Komödie "Evan Allmächtig" nicht etwa eine Karriere als Weltverbesserer.

Mit seiner Familie bezieht der frischgebackene Abgeordnete eine pompöse Villa in einem Neubaugebiet. Eines Tages wird vor seinem Haus ein Haufen Bauholz abgeladen. Darauf sitzt ein freundlicher Alter, der Evan das Handbuch "Arche bauen für Dummköpfe" unter die Nase hält. Der schwarze Mann im blütenweißen New-Age-Anzug stellt sich als Gott vor und beauftragt Evan, bis zum 22. September, dem Zeitpunkt der nächsten Sintflut, eine Arche zu zimmern.

Bibel-Komödie für gläubige Christen und Umweltbewusste

Und der arme Evan wird bis in die Büros des Kongresses hinein solange von paarweise auftretenden Vögeln, Fischen, Waschbären und göttlichen Blitzauftritten terrorisiert, bis er gottergeben zum Hammer greift. Seine Familie ist vom seltsamen Verhalten ihres Ernährers zunächst äußerst befremdet. Und der Abgeordnete und Baulandspekulant Long betreibt mit allen Mitteln die Amtsenthebung seines einstigen Protegés Evan, der scheinbar komplett übergeschnappt ist.

Am Tage der Offenbarung richten sich alle Augen gen Himmel: Wird es Regen geben? Mut hat er, das muss man Regisseur Tom Shadyac lassen, der in heiliger Einfalt 175 Millionen Dollar versenkte. Ob die Produktionskosten für diese bis jetzt teuerste Komödie aller Zeiten wieder eingespielt werden, ist jedoch fraglich.

Offensichtlich soll diese Bibel-Komödie, in der Gott ein Grüner ist, sowohl gläubige Christen als auch Umweltbewusste samt ihrer Kinder ins Kino locken. Dass Gott ausgerechnet den Dutzendmann Evan Baxter als Neo-Noah auserwählt, ist Shadyacs erfolgreicher Vorgängerkomödie "Bruce Allmächtig" (2003) geschuldet. Dort trat Evan bereits als schleimiger Kollege des von Gott heimgesuchten Bruce, gespielt von Jim Carrey, auf.

Zwischen Erleuchtung und Klapsmühle

Trotz der Dollar-Sintflut ist die starbesetzte Nachzügler-Komödie aber nur mäßig lustig. Das liegt nicht nur am melancholisch-introvertierten Komiker Steve Carrell, der durch die wunderbare kleine Komödie "Little Miss Sunshine" prominent wurde, aber als zappliger Jim-Carrey-Verschnitt zwischen Erleuchtung und Klapsmühle eine Fehlbesetzung ist. Lacher erntet er vor allem dank seiner rasant wachsenden, von keiner Rasierklinge zu stoppenden Haarpracht, die ihm Gott einbrockt: Vom "fünften Beatle", so seine geschockten Kollegen im Kongress, wandelt er sich optisch zum Späthippie und schließlich zum Rauschebart mit fatalistischem Märtyrerblick.

Sichtlich floss das ungeheure Budget vor allem in die Computeranimation der Tiere, die für eine Handvoll nette, meist aber infantile Gags mit reichlich abgesonderten Fäkalien sorgen. Je penetranter aber die absurde Handlung von tierischem Ernst heimgesucht wird, umso mehr stellen sich selbst wohl gesonnene Zuschauer ketzerische Fragen: Warum bloß will ER, dass der wiedergeborene Noah in der biblisch korrekten, aber unpraktischen Kutte an der Arche werkelt? Auch fundamentalistische Christen wollen nicht für dumm verkauft werden.

Birgit Roschy/AP / AP
Themen in diesem Artikel