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Stiftung Stern

Jahresrückblick

Stiftung stern: Danke! Diesen Menschen haben Sie 2017 mit Ihrer Spende geholfen

Nothilfe gegen Hunger, Hoffnung für bedürftige Kinder, Stipendien für eine bessere Zukunft: Zahlreiche Initiativen im In- und Ausland erhielten 2017 Unterstützung von der Stiftung stern - dank Ihrer Spenden. Hier sehen Sie, wem Ihr Geld geholfen hat.

Im Flüchtlingslager bei Bentiu im Norden des Südsudan stehen Frauen für Wasser an

Im Flüchtlingslager bei Bentiu im Norden des Südsudan stehen Frauen für Wasser an

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Thomas Ammann, stellvertretender Chefredakteur stern, Vorsitzender Stiftung stern e.V.

Thomas Ammann, stellvertretender Chefredakteur stern, Vorsitzender Stiftung stern e.V.

ein Satz meines Kollegen Jonas Breng, der in diesem Jahr für den stern aus dem Südsudan berichtete, hat mich am meisten schockiert: Die Hungersnot, schrieb er, sei "die größte humanitäre Katastrophe seit 1945". Die Hälfte der 12 Millionen Menschen dort ist dringend auf Hilfe angewiesen. Es ist erschütternd und beschämend, was sich in diesem Teil Afrikas abspielt. Dank Ihrer Spenden konnten wir notleidenden Menschen im Südsudan helfen, ebenso wie Rohingya in Bangladesch oder syrischen Flüchtlingskindern in der Türkei - und nicht zuletzt bedürftigen Kindern und ihren Familien in Deutschland.

Die folgenden Seiten geben Ihnen einen Überblick über unsere Arbeit des vergangenen Jahres, in dem wir rund 330.000 Euro an Spenden weitergeben konnten. Damit das auch künftig möglich ist, zählen wir weiterhin auf Sie und Ihre großzügige Unterstützung.

Herzlichst Ihr Thomas Ammann, Stellvertretender Chefredakteur stern, Vorsitzender Stiftung stern e.V.

Südsudan: Der Kampf ums Überleben

Im von Dürre und Bürgerkrieg heimgesuchten Südsudan versuchen Helfer, Hunderttausende Menschen vor dem Hungertod zu retten.

Ein unterernährtes Kind wird von einem Mitarbeiter der "Ärzte ohne Grenzen" untersucht

Ein unterernährtes Kind wird von einem Mitarbeiter der "Ärzte ohne Grenzen" untersucht


Die höchste Inflationsrate der Welt, zerstörte Märkte, unbestellte Felder - der Bürgerkrieg bedeutet für die Menschen im Südsudan nicht nur die Zerstörung ihres Alltags, sondern vor allem: Vertreibung und Tod. 3,8 Millionen Südsudanesen mussten in diesem Jahr aus ihren Häusern fliehen, um ihr Leben zu retten. 5,5 Millionen können sich nicht mehr allein versorgen. Sie sind ausgeliefert, arm - und von der Weltöffentlichkeit vergessen.

Kann es in dieser hoffnungslosen Situation überhaupt wirksame Hilfe geben – jenseits von Proteinkeksen und Hirsesäcken?

Die Welthungerhilfe, über deren Arbeit der stern in seiner Reportage "Warten auf Gott" aus dem Südsudan berichtete, unterstützt die Menschen in der Region seit 2014. Zwei Jahre nach der Unabhängigkeit des Sudan, nur wenige Monate nachdem der Kampf zwischen Opposition und Regierung begann, versuchte die Organisation, dem aufflammenden Chaos Konzepte zur Selbsthilfe entgegenzusetzen. Die Strategie des Hilfseinsatzes: Die Vertriebenen sollen so schnell wie möglich wieder eigenverantwortlich handeln und, so die Hoffnung, für sich selbst sorgen können. Dazu reparieren die Helfer Brunnen, bauen neue Latrinen, verteilen Moskitonetze, Koch-Sets und Wasserbehälter als Nothilfe.

Die Spende der Stiftung stern über 50.000 Euro kommt in der Region Panijiar zum Einsatz, einem Sumpfgebiet entlang des Nils, in dem die Welthungerhilfe 70.000 Menschen versorgt. Dieser ohnehin arme Landstrich musste viele Flüchtlinge aus anderen Teilen des Landes aufnehmen. Das Spendengeld versorgt nun ein Jahr lang 300 Familien - 1800 Personen. Und, noch wichtiger: Ihnen wird mit konkreten Hilfen ein möglichst selbstständiges Leben eröffnet.

Von einer Sammelstelle schleppen Frauen 50-Kilo-Säcke mit Hirse nach Hause

Von einer Sammelstelle schleppen Frauen 50-Kilo-Säcke mit Hirse nach Hause

Mehr als 300 Frauen lernen zurzeit den Anbau von Gemüse auf gemeinsam geführten Feldern, sie bekommen Werkzeuge und Saatgut und können sich so eine kleine Existenz aufbauen. Die bereitgestellten Mittel können auch Familien dabei helfen, sich einen kleinen Hausgarten zur Eigenversorgung anzulegen.

Da der Handel auf den Dorfmärkten zum Erliegen gekommen ist, verteilt die Welthungerhilfe Dürre-resistente Hirse- und Mais-Saat und bezahlt die Bauern der Gegend dafür, Neuankömmlinge in die Feinheiten des Anbaus einzuweisen. Das hat zwei Vorteile: Die Alteingesessenen, selbst oft am Existenzminimum, werden einbezogen. Und das Bargeld kurbelt den Handel an.

Neben der Landwirtschaft ist das zweite große Projekt die Fischerei. Familien erhalten Angeln und Netze, drei Kanus wurden für die lokale Fischergemeinschaft angeschafft, die neuen und alten Fischer lernen, wie man Fisch konserviert – als Vorsorge für die nächste Trockenzeit.

Und die steht unmittelbar bevor. Experten warnen vor neuen Kämpfen, wenn die Straßen wieder trocken und befahrbar sind. Die Menschen im Südsudan, das ist leider absehbar, brauchen weiter Hilfe.

"Die Arche": Tiere als Therapeuten

Seit zwölf Jahren unterstützt die Stiftung stern die Arbeit der "Arche". Die Kinder-Ranch in Brandenburg gehört dazu.

"Arche"-Gründer Bernd Siggelkow freut sich mit den Kindern über die neue Einrichtung

"Arche"-Gründer Bernd Siggelkow freut sich mit den Kindern über die neue Einrichtung


Gitarre spielen, vielleicht mal Rockstar werden - das war der Traum des 13-jährigen Anton (Name v. d. Red. geänd.). Doch seine Familie kann es sich nicht leisten, ihm ein Instrument zu kaufen. In der Kinder-Ranch in Brandenburg, die er seit einiger Zeit besucht, fand sich eine Förderin, die ihm diesen Wunsch erfüllen wollte. Sie gab Antons Mutter Geld dafür, was sich rasch als Fehler herausstellte. Denn die nahm es für sich selbst. Anton blieb nichts davon übrig.

Kinderarmut ist trauriger Alltag in Deutschland. Etwa 40 Prozent der Kinder, deren Eltern Hartz IV beziehen, gehen ohne Frühstück in die Schule. Sie lernen mit knurrendem Magen. Und bleiben oftmals auf der Strecke.

Seit über 20 Jahren kümmert sich das Kinder- und Jugendwerk "Die Arche" um solche bedürftigen Kinder. Täglich strömen mehrere Tausend in seine Einrichtungen. Sie erhalten dort Unterstützung bei den Hausaufgaben und eine warme Mahlzeit. Zunächst waren Angebote der Arche nur in den Ballungsgebieten zu finden, jetzt gibt es sie unter anderem in Brandenburg. Ein Beispiel: die Kinder-Ranch. Hier können sich die Mädchen und Jungen um Hühner, Schafe und Ziegen kümmern, auf Ponys reiten - oder den Tieren einfach etwas erzählen. So wie Anton, der einem Hund von seinem Alltag berichtet und von seinen Sorgen und Wünschen, zu denen immer noch die Gitarre zählt. Ein solcher Umgang mit Tieren, das wissen die Arche-Mitarbeiter, kann den Kindern helfen, sich emotional zu erholen, und ihr Selbstbewusstsein stärken.
Dank vieler treuer Spender kann die Stiftung stern diese wichtige Arbeit mit 20.000 Euro unterstützen.

Initiative wellcome: So klappt es

Ende 2009 rief der stern dazu auf, bedürftigen Familien zu helfen. Seitdem vermittelt die Initiative wellcome bundesweit Patenschaften.

Ein gemaltes Herz als Dankeschön für den Paten

Ein gemaltes Herz als Dankeschön für den Paten

Für die fünfköpfige Familie Groß (Name v. d. Red. geänd.) ist die unbürokratische Hilfe ein Segen. Als Busfahrer verdient der Vater gerade genug, um mit seiner Familie über die Runden zu kommen. Außergewöhnliche Ausgaben wie etwa der Ranzen zur Einschulung werden dann zum Problem. Eine wellcome-Patenschaft hilft bei solchen finanziellen Engpässen. Neben der materiellen Unterstützung sind Gespräche mit den wellcome-Koordinatoren mindestens genauso wichtig. Damit die Familie bald wieder ganz für sich allein sorgen kann, wurde die Mutter ermutigt, eine Ausbildung zu beginnen. Mehr als 9000 Kindern und deren Eltern konnte bisher geholfen werden. Um noch mehr bedürftige Familien erreichen zu können, unterstützt die Stiftung stern mit 10.000 Euro den Ausbau des wellcome-Netzwerkes.

"Die Arche": Mit Rat und Tat

Die "Mutmacher" begleiten sozial schwache Jugendliche auf ihrem Weg durchs Leben.

"Mutmacherin" Shabnam Jalali im Gespräch mit Melanie (Name v. d. Red. geändert)

"Mutmacherin" Shabnam Jalali im Gespräch mit Melanie (Name v. d. Red. geändert)


Erst einmal tun sie nicht mehr, als sich bereitzuhalten - für kleine Probleme und große Krisen. Die Sozialarbeiter des christlichen Kinder- und Jugendwerks "Die Arche" drängen den Jugendlichen ihre Hilfe nicht auf, sie sind einfach da, ansprechbar, zugewandt, Lebensbegleiter, die genau wissen, wann sie gebraucht werden. Seit fast vier Jahren unterstützt die Stiftung stern das Projekt gemeinsam mit der Stiftung RTL - Wir helfen Kindern. Rund eine halbe Million Euro wurde schon zur Verfügung gestellt, 120.000 Euro im Jahr 2017. Mehr als 100 Jugendliche fanden so neuen Mut.

Zu ihnen gehört Melanie (Name v. d. Red. geänd.). Die 20-Jährige ist gerade Mutter geworden. Sie kümmert sich rührend um den Kleinen, sie will es besser machen als ihre Eltern. Der Vater hatte die Familie gleich nach Melanies Geburt verlassen, die Mutter litt sehr unter der Trennung und ließ den Frust an der Tochter aus. Eines Tages traf Melanie "Mutmacherin" Shabnam Jalali, 42 - und hatte zum ersten Mal das Gefühl, etwas wert zu sein.

Laut einer Studie der Boston Consulting Group bringt jeder Euro, der in "Mutmacher" investiert wird, mindestens 20 Euro sozialen Nutzen. Weil Jugendliche, die eine Ausbildung machen, später kein Geld vom Staat beziehen müssen. Weil die Gefahr sinkt, dass sie kriminell werden, und weil die Chancen steigen, dass sie sich später selbst für andere engagieren. Melanie hat den Realschulabschluss geschafft und überlegt nun, Krankenschwester zu werden.

"Fundación La Paz": Fürs Leben gestärkt

Die "Fundación La Paz" finanziert jungen Frauen ihr Studium und setzt sich für Kinderarbeiter in Bolivien ein.

Die jungen Frauen können dank der Stiftung stern ihr Studium beenden

Die jungen Frauen können dank der Stiftung stern ihr Studium beenden


Der Uni-Abschluss rückt näher. Die 77 jungen Frauen, die mithilfe der Stiftung stern studieren können, bereiten sich bereits auf die Zeit danach vor. Wilma will Wissenschaftlerin werden, Eugenia Ingenieurin, Mónica will als Sozialarbeiterin anderen jungen Frauen zu einer akademischen Karriere verhelfen. Als die Stipendien der meist armen Studentinnen ausliefen, sprangen die Leser des stern ein. Dank der Spenden konnten 30.000 Euro für das Projekt "Ausbildung schafft Zukunft" der Fundación La Paz in Boliviens Hauptstadt verwendet werden. Das half den Frauen, Bücher zu kaufen, Uni-Material, aber auch den Verdienstausfall zu kompensieren, den sie durch das Studium haben.

Fast alle arbeiten nebenbei, oft bis zu 40 Stunden pro Woche. Sie müssen ihre Familien finanziell unterstützen. "Dank der Hilfe musste ich mein Studium nicht abbrechen", sagt Mónica, die ihre beiden jüngeren Geschwister Rubén und Rocío allein großzieht, seit ihre Mutter vor drei Jahren einer Krebserkrankung erlag. Sie gehört zum indigenen Volk der Aymara und wird in ihrer Großfamilie die erste mit einem akademischen Abschluss sein. "Ich mache das auch, um ein Zeichen zu setzen", sagt sie.

Mit weiteren 6000 Euro unterstützte die Stiftung stern außerdem eine Konferenz in La Paz zum Thema Kinderarbeit. Vom 16. bis 18. Oktober trafen sich Kinderarbeiter und Experten aus mehreren Ländern zum Forum "Verteidigung von Würde und Wohlergehen junger Kinderarbeiter". Es ging zum einen um Methoden, die Ausbeutung von Kindern zu reduzieren - viele arbeiten immer noch in Bergwerken und auf Feldern. Andererseits legten die Jugendlichen dar, warum ein striktes Verbot von Kinderarbeit nichts bringe. Dann, so argumentierten sie, würden viele Kinder, die sich gezwungen sehen, ihren armen Familien zu helfen, in illegale Arbeitsverhältnisse rutschen.

Bolivien hat Kinderarbeit vor drei Jahren legalisiert, mit mäßigem Erfolg. Zwar geht die Zahl der Kinderarbeiter leicht zurück. Aber die im Gesetz vorgesehene Schulpflicht wird kaum durchgesetzt. "Das beste Rezept gegen Kinderarbeit ist eine gute Ausbildung", sagt der Leiter der Stiftung La Paz, Jorge Domic. Erste Fortschritte in Bolivien sind unverkennbar. Aymara-Indianerinnen sitzen im Parlament, haben Radiosendungen, kämpfen gegen die in Bolivien weit verbreitete Gewalt in der Ehe und studieren an Universitäten wie die 77 Stipendiatinnen. Die jungen Frauen haben einen eigenen Namen für sich gefunden, aus dem der ganze Stolz des Erreichten spricht: "Las 77". Die 77.

Initiative "Ipso": Immer ein offenes Ohr

Die Initiative "Ipso" macht Flüchtlinge zu psychologischen Beratern - für andere Flüchtlinge.

Ahmad C. mit Ipso-Gründerin Inge Missmahl

Ahmad C. mit Ipso-Gründerin Inge Missmahl


Ahmad Chihabi weiß, wie es sich anfühlt, fremd zu sein. Der Palästinenser war Flüchtling im Libanon und in Syrien, dann hat er sich vor dem Bürgerkrieg nach Berlin gerettet. "Wenn keiner da ist, der dich sieht und dich ernst nimmt, wirst du verrückt", sagt er. Und weil es so viele Flüchtlinge gibt, die allein mit ihren Erinnerungen, Traumata und der Einsamkeit kämpfen, fasste Chihabi den Entschluss, sich um sie zu kümmern.

Die Organisation Ipso, für die der 27-Jährige arbeitet, wird Anfang 2018 in Deutschland fast 100 Flüchtlinge zu psychosozialen Beratern für andere Flüchtlinge ausgebildet haben. Ipso, die Abkürzung steht für "International Psychosocial Organisation", wurde vor neun Jahren von der Psychoanalytikerin Inge Missmahl gegründet. Etwa 180 Mitarbeiter sind in Afghanistan im Einsatz.

Vor gut zwei Jahren begann Ipso, Menschen wie Chihabi in Deutschland auszubilden - zu einfühlsamen Fragestellern und Zuhörern, die nah dran sind an den Nöten ihrer Landsleute. "Die Helfer kommen aus 17 Ländern, wir können so in fast allen relevanten Sprachen Hilfe anbieten. Ohne Dolmetscher, Tag und Nacht", sagt Missmahl. Die Stiftung stern unterstützt die Ausbildung mit 20.000 Euro am neuen Ipso-Standort Hamburg.

Die vergessenen Kinder

Die Familien haben es aus Syrien in die Türkei geschafft – und müssen nun, um zu überleben, ihre Söhne und Töchter zur Arbeit schicken.

Syrische Mädchen stecken für Damensandalen Nieten in Laschen

Amal, 8, Dua, 6, und Aya, 9, stecken für Damensandalen Nieten in Laschen. Die syrischen Mädchen leben mit ihren Eltern in einem Keller irgendwo in Gaziantep.

Es sind die Kinder, die Europa nicht mehr wollte: syrische Mädchen und Jungen, die mit ihren Familien in der Türkei festsitzen, weil die Europäer die Grenzen schlossen. Nur wenige Syrer leben in der Türkei in Flüchtlingslagern, die meisten schlagen sich irgendwie durch, in den billigen Wohngebieten von Istanbul oder Städten wie Gaziantep nahe der syrischen Grenze. Als ein stern-Team im April nach Gaziantep reiste, erlebten die Reporter eine Parallelwelt mitten in der Stadt. In Kellern und Hinterhof-Fabriken saßen Tausende Syrer hinter Werkbänken und stellten billige Schuhe für Länder wie Irak oder Turkmenistan her. In Zwölfstundenschichten, sechs Tage die Woche, ohne Schutzkleidung, ohne Papiere. Ein Fabrikbesitzer gestand offen ein, dass er die türkischen Behörden nur regelmäßig bestechen müsse, damit sie ihn in Ruhe ließen.

Schockierend fanden die stern-Reporter vor allem das Ausmaß an Kinderarbeit. Die Menschen scheinen sich daran gewöhnt zu haben, dass zwischen den Erwachsenen auch Kinder sitzen. Die meisten von ihnen sind nie zur Schule gegangen – eine verlorene Generation. Diesen Kindern und ihren Müttern hilft die Caritas in der Türkei mit Lebensmitteln, mit Bildungsangeboten, mit Unterstützung bei Behördengängen. 10.000 Euro konnten wir mit Ihrer Hilfe dafür bereitstellen.

Gestrandet im Nichts

Hunderttausende Muslime flohen binnen weniger Wochen aus Myanmar. Ihre Situation in den Lagern von Bangladesch ist verzweifelt.

Der Monsun verwandelt die Flüchtlingslager der aus Myanmar vertriebenen Rohingya in Bangladesch in sumpfige Felder

Eine Plane gegen den Monsun: Der Regen verwandelt Flüchtlingslager der Rohingya in Bangladesch in sumpfige Felder

Es waren die Bilder, diese apokalyptischen Bilder, die für einen kurzen Moment das Grauen in Myanmar ins Bewusstsein der Welt hoben: weinende Männer, durchnässte Frauen, frierende Kinder, erschöpfte Alte. Die Gräueltaten der Armee und hasserfüllter Buddhisten hatten die muslimische Minderheit der Rohingya über die Grenze ins Nachbarland Bangladesch getrieben. Hunderttausende versuchten panisch, den Grenzfluss zu überwinden. Manche brachen nach der gefährlichen Überfahrt schon am Ufer zusammen, andere schleppten sich zu Fuß in die verschlammten Lager.


Bis heute mangelt es dort an allem – an Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, Toiletten, Medikamenten. Bangladesch ist zu arm, die internationale Hilfe zu gering – und die öffentliche Aufmerksamkeit hat sich wieder anderen Katastrophen zugewandt. Nach der Berichterstattung im stern konnten wir dank Ihrer Spenden immerhin einen kleinen Beitrag zur Linderung der Not leisten: Mit 22.000 Euro haben wir die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" dabei unterstützt, eine dringend benötigte Klinik aufzubauen.

Hilfe für Nepal

Der Wiederaufbau nach dem schweren Erdbeben 2015 geht weiter

Kinder am Eingangstor der Stul-Stern-Grundschule

Kinder am Eingangstor der Stul-Stern-Grundschule

Mehr als zweieinhalb Jahre sind seit dem dramatischen Erdbeben in Nepal vergangen, doch viele der Überlebenden harren noch immer in Wellblechhütten und Zelten aus. Nach Angaben der Nationalen Behörde für den Wiederaufbau sind weniger als sieben Prozent der mehr als 600.000 zerstörten Gebäude bisher repariert oder wiederaufgebaut worden. Die staat­lichen Einrichtungen sind noch immer hoffnungslos überfordert mit der Verwaltung der internationalen Spendengelder.

Wenige Tage nach dem Erdbeben traf ein stern-Team im Distrikt Gorkha auf die kleine Hilfsorganisation Karma Flights. Mit 75.000 Euro Spenden der stern-Leser konnten die ehrenamtlichen Mitarbeiter in dieser am schwersten betroffenen Region ein kleines Wunder bewirken. Innerhalb weniger Monate wurden 22 Schulen wiedereröffnet, dazu 300 Notunterkünfte und viele Solaranlagen gebaut.

Vor einem Jahr begann der Bau der Stul-Stern-Grundschule in der Gemeinde Swara. Inzwischen hat in sieben Klassen der Unterricht begonnen. Dank anhaltender Spenden kann mit weiteren 10.000 Euro ein ­Stipendienprogramm gefördert werden, das besonders armen Kindern den Schulbesuch ermöglicht.

Zukunft durch Bildung

Im Norden von Haiti wird Kindern aus bildungsfernen Familien der Schulbesuch ermöglicht.

Die Mädchen freuen sich über ihre neuen Schulbücher

Die Mädchen freuen sich über ihre neuen Schulbücher

Wie sichert man die Zukunft eines Kindes? Das geht am besten durch Schule, Bildung, Perspektiven. In Haiti macht nur ein Bruchteil der Kinder einen Schulabschluss. Wo der Staat fehlt, springt eine Hilfsorganisation ein, die von der Stiftung stern unterstützt wird. Die Schule "Ecole Notre Dame de la Médaille Miraculeuse" ist die Initiative einer Gemeinschaft christlicher Laien, die 2001 gegründet wurde. Sie möchte Kindern in den Slums von Cap-Haïtien, einer Hafenstadt an der Nordküste, den Schulbesuch ermöglichen. Es sind Kinder, deren Eltern zu arm sind, um Schulgeld oder -materialen zu bezahlen – für sie ist der Schulbesuch deshalb kostenlos, die Schule ist auf Spenden angewiesen.

In Zusammenarbeit mit dem Verein "action five" unterstützte die Stiftung stern die Ecole Notre Dame de la Médaille Miraculeuse seit dem schweren Erdbeben im Jahr 2010. Für das aktuelle Schuljahr werden mit 5000 Euro Bücher und Uniformen für Kinder finanziert, die sonst wohl keine Chance auf eine Ausbildung gehabt hätten. Dank dieser Hilfe können die Kinder das gesamte Schuljahr am Unterricht teilnehmen. Mit zusätzlichen 6178 Euro unterstützt die Stiftung den Aufbau einer Hühnerzucht. Die Schule mit angeschlossenem Waisenhaus möchte sich Legehennen anschaffen, um den Kindern eine bessere Ernährung anzubieten, die sie in ihren Familien oft nicht bekommen, weil das Geld dafür fehlt.

Weitere Projekte

Dank Ihrer Spende konnten wir 2017 noch mehr Initiativen im In- und Ausland unterstützen:

Das erste Abschiebeopfer

Die Kinder von Lupita García besuchen ihre Mutter in Mexiko. Sie leben mit ihrem Vater weiter in Arizona.

Die Kinder von Lupita García besuchen ihre Mutter in Mexiko. Sie leben mit ihrem Vater weiter in Arizona.

Lupita García lebte als Köchin, Putzfrau und Mutter seit 22 Jahren in den USA – bis sie von Präsident Donald Trump ausgewiesen wurde. Mit 6000 Euro hilft die Stiftung stern der Organisation Puente, Trennungen von Familien zu verhindern. Ein Teil des Geldes wird für juristische Schritte genutzt, um Lupita zurückzuholen.

Seenotrettung Mittelmeer

Flüchtlinge werden von einer Hilfsorganisation aus dem Mittelmeer nördlich von Libyen gerettet

Flüchtlinge werden von einer Hilfsorganisation aus dem Meer vor Libyen gerettet, nachdem sie in einem kaputten Schlauchboot gefunden wurden.

Schlepper oder Helfer? Dieser Frage mussten sich im Sommer die Hilfsorganisationen stellen, die Flüchtlinge vor der libyschen Küste retteten. Der stern berichtete über die Verletzungen der Geflüchteten, die oft tagelang in den Booten in einem Benzin-Salzwasser-Gemisch ausharren müssen. 5.000 Euro Spendengelder gingen an die Nothilfe von "Save the children". Auf dem Schiff "Vos Hestia" versorgte die Organisation seit 2016 rund 10.000 Menschen, unter ihnen 1500 Kinder.

Eine Studie der Universität Oxford zeigt, dass ohne Rettung die Zahl der Flüchtlinge im Mittelmeer ungefähr gleich bliebe. Es erhöhte sich allein die Zahl der Ertrunkenen. Angesichts beginnender Winterstürme und sinkender Flüchtlingszahlen hat "Save the children" die Mission Ende Oktober beendet. Die stern-Spenden halfen bereits im September.

Praxis ohne Grenzen

Herr Professor Doktor Peter Ostendorf in einem Behandlungszimmer der Praxis ohne Grenzen

"Wir weisen keinen ab": der ehemalige Chefarzt Peter Ostendorf.

Zehntausende Menschen in Deutschland können sich keinen Arztbesuch leisten. Sie müssen darauf hoffen, niemals krank zu werden. Oder sie kennen jemanden wie Professor Peter Ostendorf. Der ehemalige Chefarzt leitet in Hamburg-Horn die "Praxis ohne Grenzen". Gemeinsam mit 44 weiteren ehrenamtlich arbeitenden Ärzten kümmert sich der 79-Jährige um unversicherte Kranke und Schwangere.

Acht Fachbereiche sind in der Praxis vertreten, von Augenheilkunde über Gynäkologie bis Zahnmedizin. Flüchtlinge, Obdachlose, Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis oder in Armut geratene ehemalige Selbstständige - bis zu 100 Patienten sitzen in der wöchentlichen Sprechstunde. Die Ambulanz finanziert sich ausschließlich über Spenden und Sponsoren. Die Stiftung stern trägt mit jährlich 5000 Euro dazu bei, die Grundausstattung der Praxis sicherzustellen.