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"Exit Through The Gift Shop" neu im Kino: Auf den Pinsel genommen

Banksys Kunst ziert Fassaden und Mauern in verschiedenen Ländern. Und doch weiß niemand, wer hinter dem gefeierten Street Art Künstler steckt. Mit seiner fiktiven Dokumentation "Exit Through The Gift Shop" setzt der Brite sein bizarres Versteckspiel unterhaltsam fort.

Kinotrailer: "Banksy - Exit Through The Gift Shop"

Keine Wahrheit ist absolut. Im Leben nicht. Und im Kino schon gar nicht. Wie fließend auch die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz sind, das parodiert die fiktive Dokumentation "Exit Through The Gift Shop. Der Banksy Film." Der weltbekannte britische Graffiti-Künstler Banksy setzt darin sein ironisches Versteckspiel mit der Öffentlichkeit fort. Ein irres Vergnügen. Und ein neuer Kultfilm.

Schon der Titel prangert an, wie absurd es ist, Kunst zur Ware zu machen: "Exit Through The Gift Shop": Der Ausgang vieler Ausstellungen führt durch einen Museums-Laden, in dem die Besucher die gesehenen Werke aufgedruckt auf Postkarten, Bleistiften, Kalendern, T-Shirts, Tassen und anderen Alltagsgegenständen kaufen können - obwohl es Künstlern meist ein Anliegen ist, ihr Schaffen eben nicht irgendwelchen vertrieblichen Interessen unterzuordnen.

Banksys Thema ist die Austauschbarkeit von Untergrund und Establishment, sobald Kreativität zum Produkt degradiert wird. Lässt sich das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit überhaupt noch vom Kommerz unterscheiden? Dieser Frage jagt der Film in den nächtlichen Straßen von Los Angeles nach.

Die Handlung der Parodie kreist um den dort lebenden Franzosen Thierry Guetta, einen angeblich wahrhaftigen Filmautor und doch vielmehr eine Kunstfigur zwischen Ruin und Ruhm. Durch Guettas Augen - das heißt: durch seinen Kamerasucher - erhält der Zuschauer Zutritt zur Welt der Straßenkünstler. Hier wird der Kinobesucher zum lustvollen Voyeur gemacht, der den selbst ernannten Dokumentar der Street Artists dabei begleitet, wenn er wie ein Besessener die Aktionen der Kunst-Anarchos auf Videofilm bannt.

Eine überraschende Wendung nimmt der Film, als Guetta sich durch Banksy dazu inspiriert fühlt, selber unter dem Pseudonym "Mr. Brainwash" die Mauern im öffentlichen Raum zu erobern. So wird Guetta zur Hauptperson des Films und Banksy unfreiwillig zu seinem Mentor. Fortan widmet sich der Film im Film nur noch Guettas auf ironische Weise rekordverdächtiger Karriere: vom Street Art-Autodidakten zum durchgedrehten Großaussteller, der mit Popart-Reproduktionen à la Andy Warhol zu schnellem Geld gelangt.

Der Wahnwitz in dem Film entsteht durch die Naivität und freche Schamlosigkeit, mit der Guetta die Kunstszene für seine Zwecke manipuliert. Als er sich beispielsweise ein Bein bricht, fährt er einfach mit einer Sprühflasche im Anschlag auf dem Rollstuhl an einer Reihe von Bildern vorbei, um diese mit einem Spritzer Farbe zu Unikaten zu machen. So wird der Anti-Held Thierry Guetta zum großen Gewinner des Films: Er infiltriert den Kunstmarkt mit Massenware. Ein Ur-Thema bei Banksy. Und urkomisch inszeniert.

Zuschauer, die ironischen Humor mögen und sich gern auf das Wechselspiel von Regisseur und Darsteller einlassen, werden einen sehr vergnüglichen Kinoabend erleben und dem Film die - Satire hin oder her - unter dem Strich durchaus selbstgefällige Darstellung von Banksys gesammelten Aktionen und Werken nachsehen.

Meist aber nimmt sich Banksy auch selber nicht ernst. Zum Beispiel, wenn er davon erzählt, wie er gefälschte Pfundnoten mit dem Kopf von Lady Di herstellt, um schließlich - als diese wirklich als Zahlungsmittel angenommen werden - festzustellen, dass er keine Kunst sondern versehentlich massenweise Falschgeld gedruckt hat. Auch dies ist ein inszenierter Klamauk. Gleichzeitig aber eine selbstkritische Bespiegelung seines Schaffens. Und deshalb nicht einfach nur blasierter Spott über den eigenen Hype, sondern begnadete Kunstkomödie.

Franziska Bossy, DPA / DPA
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