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"FC Venus": Frauen am Rande des Schienbeinbruchs

Im Mittelpunkt der Fußball-Komödie steht eine kühne Wette: Wenn die Frauen des FC Venus ihre Männer auf dem Platz besiegen, müssen diese die Fußballschuhe an den Nagel hängen.

Manche Männer behaupten ja, dass sich die Frauen von fußballbegeisterten Männern besonders gut anbaggern lassen. Denn während diese im Bundesligastress vorm Fernseher sitzen oder als Freizeitkicker den grünen Rasen malträtieren, gehen deren Partnerinnen aus und amüsieren sich. Nicht so in der Komödie "FC Venus": Dort harren geknechtete Spielerfrauen am Rand des Bolzplatzes gottergeben bis zum Abpfiff aus.

Das ändert sich, als die Bauingenieurin Anna von ihrem Freund Paul unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aus Berlin in sein Heimatkaff Imma gelotst wird. Nur zu bald erfährt sie den wahren Umzugsgrund: Es herrscht Not am Mann, seit der Star-Knipser von Pauls ehemaliger Fußballmannschaft Eintracht Imma mit dem Kopf an den Torpfosten und ins Koma gefallen ist. Anna, der es seit den Eskapaden ihres fußballverrückten Vaters vorm runden Leder graust, versammelt wutentbrannt die Gattinnen und stellt eine Frauenmannschaft auf. Falls sie die Männer besiegen, soll auf ewig Schluss sein mit dem Ball-Terror.

Spaß trotz spießiger Ausgangslage

Mal davon abgesehen, dass noch nie nachgewiesen wurde, ob männliche Fußballbegeisterung Frauen tatsächlich kratzt, hinkt die Komödie der Realität hinterher. Man kann es inmitten des WM-Rummels nicht oft genug betonen: Wir sind schon Weltmeister, nämlich im Frauenfußball. Und während in Filmen wie "Kick it like Beckham" die Mädels sich ohne Hintergedanken mit dem Ball verlustieren, tun sie es im Weltmeisterland lediglich, um ihre Männer zu domestizieren? Umso überraschender ist deshalb, dass die hanebüchen spießige Ausgangssituation zeitweise eine Gaudi entwickelt, wie man sie in deutschen Komödien selten erlebt.

Denn es geht nicht nur um den vorhersehbaren Trainingshorror mit Blut, Schweiß, Tränen und Schlammbädern, und auch die Paarkonflikte bleiben unterbelichtet. Ihren Witz bezieht die Komödie vor allem durch die weibliche Imitation von Männerritualen. Frei nach dem klassischen Angstmotto "Wehe, wenn sie losgelassen" begreifen die Frauen Fußball als Lizenz zum Sau rauslassen. Und die Zimperlieschen verwandeln sich im Nu in grölende Kickerinnen in unkleidsamen Fritz-Walter-Gedächtnishosen, die foulen und saufen und den immer kleinlauteren Männern ein Maul anhängen.

Dialogwitz und Situationskomik

Zwar sind diverse Vereinsmeier-Typen wiedererkennbar gezeichnet - der komatöse Stürmer wird gar von St.-Pauli-Torhüter Volker Ippig gespielt -, doch die Sympathie des Films gilt den Außenseiterinnen. Während Christian Ulmen als Paul stellvertretend für seine Geschlechtsgenossen unscheinbar bleibt, entpuppt sich die dynamische Anna - die aparte Nora Tschirner - als Fast-Fußballprofi. Mit frivoler Guerillataktik wird eine weitere Fachfrau eingeschmuggelt, denn es gilt die Regel, dass nur Frauen mitspielen dürfen, die Sex mit einem gegnerischen Kicker hatten. Ein schwules Coming-Out und Annas verleugneter Vater, ein Star-Trainer, helfen den Frauen erst recht auf die Sprünge. Die weiblichen Lockerungsübungen und die fruchtlosen Eindämmungsbemühungen der Männer sind mit viel Dialogwitz und Situationskomik dargestellt, doch Leute, "die zum Fußball gehen, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht" (Sepp Herberger) sind in der vorhersehbaren Komödie fehl am Platz.

Frauenfußball bleibt vor allem Männerparodie mit bescheidenen Spielszenen, aber einer Stimmung wie beim Karneval. Dass der Spaß nicht auf deutschen Mist gewachsen ist, sondern ein etwas abgeändertes "Instant Remake" des gleichnamigen finnischen Erfolgsfilms aus dem Jahre 2005 ist, wird übrigens vornehm verschwiegen: Wie hoch da wohl die Ablösesumme war?

Birgit Roschy/AP

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