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"Harry Potter und der Feuerkelch": Fürchtet euch, ihr Zauberkinder

Draus' vom Walde kommt er her, ich sage euch, er gruselt euch sehr... Der vierte Harry-Potter-Film ist definitiv kein Kinderfilm, sondern ein hervorragend gemachter Thriller - mit einem ziemlich finsteren Bösewicht.

Von Frauke Hansen

Harrys Narbe auf der Stirn schmerzt - stärker und öfter als je zuvor. Ein Zeichen, dass Unheil im Anmarsch ist. Seine brutalen Albträume lassen nichts Gutes erahnen: Die Zauberwelt ist in Gefahr. Und schon bevor das vierte Schuljahr in der Zauberschule Hogwarts anbricht, gerät die Welt von Zauberschüler Harry Potter (Daniel Radcliffe) in Schwierigkeiten. Bei der legendären Quidditch-Weltmeisterschaft zeigt sich das Dunkle Mal - ein deutliches Zeichen dafür, dass "Du-weißt-schon-wer" (der dunkle Lord Voldemort, der schlimmste aller Zauberer) zu Kräften kommt und seine Anhänger um sich scharrt.

Unheilvolles ahnend treten die Freunde Harry, Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) das neue Schuljahr an und erleben gleich zu Beginn eine faustdicke Überraschung: Hogwarts wird das berühmte Trimagische Turnier ausrichten. Zu diesem Zweck erhält die Schule hohen Besuch: die bezaubernd schönen Mädchen von Beuxbatons und die attraktiven, starken Jungen der Durmstrang-Schule. Von jeder Schule soll ein Champion ausgewählt werden, der in dem internationalen Wettbewerb antritt, drei harte magische Aufgaben zu bewältigen.

Das Trimagische Turnier

In einer feierlichen Zeremonie spuckt der Feuerkelch drei Namen aus - und zur Überraschung aller auch noch einen vierten - den von Harry Potter. Eigentlich wäre der vierzehnjährige Harry doch drei Jahre zu jung für den Wettbewerb. Außerdem behauptet er felsenfest, seinen Namen nicht heimlich in den Feuerkelch geworfen zu haben. Wer war es dann? Wer in der Schule hat ein Interesse daran, dass Harry an dem Spiel um Leben und Tod teilnimmt? Diese Fragen tun nichts zur Sache, Harry muss zu dem lebensgefährlichen Wettbewerb antreten. Auf die vier Champions kommen Aufgaben zu, mit denen sie in ihren schlimmsten Träumen nicht gerechnet hätten. So viel sei verraten: Am Ende muss einer von ihnen sein Leben lassen. Und noch ein Ereignis erschüttert die Zauberwelt: "Du-weißt-schon-wer" (sensationell: Ralph Fiennes) nimmt nach 13 Jahren menschliche Gestalt an - das absolut Böse ist zurück.

Düsterer als in den drei Filmen zuvor taucht der Zuschauer in die magische Welt von Zauberern, magischen Geschöpfen und fliegenden Besen ein. Über der Szenerie hängt fast durchgängig dichter, unheilvoller Nebel, die Sonne schafft es selbst bei Tagesszenen nicht, die Welt zu erhellen. Die Situation ist beklemmend. Dies ist durchaus passend, erzählt der Film doch eine Geschichte von Tod und Qualen. Zudem kennt Regisseur Mike Newell die Gesetze des kommerziellen Kinomarktes, der nach Action und Grusel schreit.

Angemessene Altersbeschränkung

Die im Vorfeld scharf diskutierte Alterbeschränkung auf 12 Jahre ist überaus angemessen. Für ältere Fans ist der Film jedoch vor allem durch seine Tricktechnik ein Genuss. Wenn "Du-weißt-schon-wer" menschliche Gestalt annimmt, erinnert das stark an Szenen aus "Alien" oder anderen Horrorfilmen. Phänomenal sind auch die bunten, lebhaften Szenen bei der Quidditch-Weltmeisterschaft: So eine überschäumende Begeisterung wünscht sich jede Fußball-Mannschaft - das überdimensionale Stadion ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Hexenkessel.

Doch als seien Mord und Lebensgefahr nicht schon genug, hat Harry mit einem vermeintlich ärgeren Problem zu kämpfen - den Mädchen. Denn der Zauberlehrling entdeckt die Romantik. Zumindest versucht er es und tut sich reichlich schwer damit, seine Dame des Herzens für den anstehenden Weihnachtsball einzuladen. Und auch Ron und Hermine haben mit den Hormonen zu kämpfen. Merken die beiden etwa endlich, dass sie sich doch nicht ganz so abscheulich finden?

Die Qualen der Teenagerzeit

"Harry Potter und der Feuerkelch" ist eben nicht nur ein Gruselfilm, sondern erzählt auch eine andere Geschichte: die der leidenden, pubertierenden Teenager. Die seltenen Momente, die die Beziehung der Protagonisten untereinander behandeln, sind liebevoll und zum Brüllen komisch. Tanzstunden sind für Jungen eine Qual, und dann noch mit der alten Lehrerin - schlimmer geht’s nicht. Die erste Liebe ist unbeholfen, aufregend und irgendwie lächerlich - Regisseur Newell versteht es, diesen Zustand umzusetzen. Treue Potter-Film-Fans haben im Übrigen große Freude an den körperlichen Veränderungen der Hauptdarsteller - die breiten Kreuze, die Muskeln und der beginnende Bartwuchs sind deutlich sichtbar. Immerhin hatten Daniel Radcliffe und Co. seit dem ersten Film fünf Jahre Zeit, zu wachsen.

Autorin Joanne K. Rowling hatte mit ihren bisher sechs Harry-Potter-Bänden einen regelrechten Wahn ausgelöst. Ihre Bücher sind weltweite Bestseller und auch die drei bisherigen Verfilmungen haben Millionen Besucher in die Kinos gelockt. Auch der vierte Teil wird wieder Massen von Zuschauern anziehen. Diejenigen, die eine detaillegetreue Umsetzung des Romas erwarten, werden allerdings enttäuscht sein. Viele Seiten der Buchvorlage fielen der Schere zum Opfer. Trotzdem: Die zweieinhalb Stunden "Harry Potter und der Feuerkelch" sind ein gruseliges, kurzweiliges Kinovergnügen.