HOME

"I Am Legend": Ganz allein auf der Welt...

...ist Will Smith in seinem neuen Film. Der wahre Star in dem Sci-Fi-Thriller "I Am Legend" ist aber das völlig leere New York.

Die Apokalypse wird im Fernsehen übertragen und hat das Gesicht von Emma Thompson. Sie spricht als Ärztin zu uns und berichtet von einer medizinischen Sensation. Ja, man habe jede Menge Tests gemacht. Ja, am Ende waren alle Versuchsteilnehmer geheilt. Vom Krebs. Schnitt. Rund drei Jahre später. Ein bis in die Fingerspitzen durchtrainierter Mann rast in einem rot-weiß lackierten Ford Mustang durch die Straßenschluchten New Yorks. In seinem Schoß ein Gewehr, auf dem Beifahrersitz eine deutsche Blondine, genauer: eine Schäferhündin. Um Ampeln oder Zebrastreifen muss er sich nicht kümmern, er ist der Einzige auf weiter Flur. Denn das Antivirus gegen Krebs hatte eine Nebenwirkung: Es raffte fast die gesamte Menschheit hin.

Überlebt hat nur ein Haufen lichtscheuer, kannibalischer Mutanten, die verdammt schnell rennen können, wenn sie Hunger haben. Und ein Militärwissenschaftler, gespielt von Will Smith, der seine eigene Immunität erforschen will und fürs Abendessen erst im Auto, dann zu Fuß Hirsche jagt. Im brusthohen Gras am Times Square. Wobei wir bei der Stärke des Science- Fiction-Thrillers "I Am Legend" (Start: 10. Januar) wären. Packender und visuell überzeugender als der Vampirquatsch aus dem Computer sind die Bilder einer menschenleeren Metropole. In den Rissen des Asphalts sprießt Unkraut, für den Bürgersteig brauchte man ein Buschmesser, im Central Park wächst Mais. Und was den heutigen Bewohnern Manhattans nicht vergönnt ist: endlich Ruhe! Eine fast meditative Stille liegt über dem Häusermeer. Wären da nur nicht die unruhigen Nächte, in denen die Monster wach werden ... Post-Apokalypse Now! Nicht nur im Kino - siehe "Children of Men" oder "28 Weeks Later" - sind Entvölkerungsvisionen gerade angesagt.

Der Mann ist selbst Stoff für eine Legende

US-Schriftsteller Cormac McCarthy lässt in seinem Roman "Die Straße" Vater und Sohn durch ein verbranntes Amerika streifen und gewinnt den Pulitzerpreis. US-Journalist Alan Weisman beobachtet in seinem grandiosen Sachbuch "Die Welt ohne uns", wie sich unsere Natur entwickelt, wenn nicht mal mehr Greenpeace-Schlauchboote stören. seine Vision für New York: Da sich niemand mehr um die Entwässerungspumpen kümmert, werden wegen des Atlantik-Hochwassers bereits nach zwei Tagen U-Bahn-Tunnel und diverse Avenues überschwemmt. Schlimm, aber es stört ja niemanden mehr. In "I Am Legend" ähnelt die Weltstadt hingegen eher einem großen Abenteuerspielplatz. Als Sympathieträger wieder einmal absolut unverwüstlich: Will Smith. Hollywoods Tausendsassa gelingt zurzeit einfach alles. Ob in romantischen Komödien ("Hitch"), Vater-Sohn-Rührstücken ("Das Streben nach Glück") oder hier als zunehmend verzweifelter Alleinüberleber, der nur mit einem Hund spricht - der 39-Jährige macht eine ausgezeichnete Figur, auch beim Kassensturz. Sein neues Werk spielte in den USA bereits mehr als 150 Millionen Dollar ein. Der Mann ist selbst Stoff für eine Legende.

print
Themen in diesem Artikel