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"Ich, du und der Andere": Der Freund nervt auch die Zuschauer

Ein glückliches junges Paar bezieht ein schönes Haus. Doch schon bald quartiert sich ein alter Kumpel des Mannes ein - und bringt das Leben der Ehepartner gründlich durcheinander.

Carl und Molly sind ein junges Ehepaar aus dem Hochglanzkatalog der Traumfabrik: Attraktiv, erfolgreich und bereits im Besitz eines schönen Hauses. Jetzt fehlen nur noch einige niedliche Kinderlein, dann wäre das amerikanische Glück vollkommen. Doch bevor sich die erste Schwangerschaft ankündigt, richtet sich ein Gast in dem Haus des Ehepaars ein, der zur Plage wird. Es ist ein alter Kumpel von Carl, der quirlige blonde Wuschelkopf Dupree, der gerade seinen Job und auch die Freundin verloren hat, nicht aber seine Fähigkeit zur Nervensäge. "Ich, du und der Andere" ist der Titel der Hollywood-Komödie, die zeigt, was aus dieser ungewollten Dreisamkeit wird.

Die Brüder Anthony und Joe Russo haben den Film nach einem Drehbuch von Mike LeSieur inszeniert. Matt Dillon spielt den jungen Ehemann Carl, Kate Hudson ist seine hübsche, von der Situation zunehmend überforderte Frau Molly. Owen Wilson verkörpert mit Lust an chaotischen Situationen und infantilen Vergnügungen den Eindringling Dupree, der nur einige Nächte bleiben wollte, aber schnell zum lästigen Nesthocker wird. Und da gibt es auch noch Carls ebenso reichen wie intriganten Schwiegervater, der zudem sein Arbeitgeber ist. Michael Douglas zeigt diesen ausgesprochen lustvoll als Ekel, der mit fast sadistischer Freude Carl das Leben zur Hölle macht.

Dupree nervt auch die Zuschauer

Das klingt alles gar nicht so übel, wenngleich nicht sonderlich originell. Ab und an gibt es wirklich etwas zum Lachen. Doch auf die Dauer verliert sich der Film in Albernheiten, denn dieser kindische Dupree nervt nicht nur das junge Ehepaar, sondern auch die Zuschauer. Und die fragen sich immer ratloser in den allzu langen 108 Kinominuten, warum Carl und Molly diesen Gast nicht endlich rausschmeißen. Doch Dupree, so will es das Drehbuch, hat auch charmante Seiten, mit denen er sich bei Molly beliebt zu machen versucht, natürlich zum Verdruss von Carl. Da wird also noch ein Konfliktchen in die müde Handlung gebracht, der diese aber auch nicht interessanter macht.

Gute Komödien sehen anders aus - "Ich, Du und der Andere" gehören zu jenen, auf die man gut verzichten könnte. In Hollywood gibt es einen fortwährenden Produktionszwang, der Filme wie diesen auf die Leinwände bringt: kleine Grundeinfälle, groß aufgeblasen, ohne jede Nachwirkung. Es lohnt wahrlich nicht, für diese laue Komödie Zeit und Geld zu investieren.

Wolfgang Hübner/AP

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