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Corona lähmt Hollywood: Düstere Aussichten für die Traumfabrik

Filme werden verschoben, die Ticketverkäufe sind zusammengebrochen: Das Coronavirus beschert Hollywood die schlimmsten Wochen seit Jahrzehnten. Besserung ist nicht in Sicht: China hat aus Furcht vor einer erneuten Ausbreitung landesweit die Kinos geschlossen.

Leere Kinosäle dürften vermutlich auch hierzulande noch eine Weile zur Normalität gehören

Leere Kinosäle dürften vermutlich auch hierzulande noch eine Weile zur Normalität gehören

Picture Alliance

James Bond hat in seiner Karriere als Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät schon viele Feinde besiegt, doch gegen das Coronavirus war selbst er machtlos. Am 04. März wurde verkündet, dass der globale Kinostart des neuen 007-Abenteuers mit dem Titel "Keine Zeit zu sterben" auf den 25. November verschoben wurde. Offiziell sprach damals keiner der Verantwortlichen von einem Zusammenhang mit dem Coronavirus - doch jeder ahnte, dass die Angst vor der neuartigen Krankheit Covid-19 hinter der radikalen Entscheidung steckte. Und wie sich herausstellte, war Bond nur das erste Opfer.

Filme werden reihenweise verschoben

Der Horrorfilm "A Quiet Place 2" sollte im März ins Kino kommen und wurde nun auf "einen späteren Zeitpunkt im Jahr" verschoben. So optimistisch waren die Macher von "Fast & Furios 9" nicht, sie haben den Blockbuster vorsorglich direkt auf das Jahr 2021 gelegt. Besonders hart getroffen werden die Walt Disney Studios: Bislang wurden fünf Filmstarts gecancelt, darunter die Realverfilmung von "Mulan" und der neue X-Men-Streifen "The New Mutants". Der eng getaktete Zeitplan der umsatzstarken Marvel-Filme dürfte ebenfalls nicht zu halten sein.

Viele Dreharbeiten - etwa jene von "Mission: Impossible 7" in Venedig oder von "Jurassic World: Dominon" - mussten bereits gestoppt werden, entweder aus Vorsichtsmaßnahmen oder weil sich Hollywood-Stars wie Tom Hanks mit dem Virus angesteckt haben. Auch Serienjunkies müssen wohl länger auf weitere Staffeln warten: Unter anderem ruhen die Dreharbeiten zu "The Handmaid's Tale", "Stranger Things" und "The Blacklist".

Die Studios befürchten riesige Umsatzeinbußen, denn die Kinos bleiben weltweit leer - wenn sie nicht sowieso schon geschlossen sind. Dementsprechend schreiben die Kinobetreiber rote Zahlen: 17 Millionen Euro Verlust machen die Kinos in Deutschland pro Woche, sagte Christine Berg vom Hauptverband Deutscher Filmtheater vor Kurzem.

China vollzieht Kino-Kehrtwende

Wann die Säle hierzulande wieder öffnen werden, ist völlig unklar. Bis 20. April bleiben die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in ihrer jetzigen Form bestehen, erklärte Kanzleramtschef Helge Braun. Dass die Kinos im Anschluss wieder aufgeschlossen werden, ist jedoch unwahrscheinlich. In China, wo die Ausbreitung des Virus mit strengen Maßnahmen weitgehend unter Kontrolle gebracht wurde, vollzog man am späten Freitagabend eine Kehrtwende: Das chinesische Filmbüro erließ einen Erlass, der die Schließung aller Kinos anordnete. Dabei stellte man in der vergangenen Woche noch optimistische Pläne vor, um die Menschen wieder in die Kinos zu locken.

In den vergangenen zehn Tagen waren rund 600 der landesweit 70.000 Kinosälen des Landes wieder geöffnet worden. Das Geschäft war überschaubar, doch dass die Kinos nun erneut geschlossen wurden, hängt vermutlich mit der Angst vor einer möglichen zweiten Welle von Coronavirusinfektionen zusammen, vermuten Experten. Ein ähnliches Vorgehen ist wohl auch in Deutschland zu erwarten: Selbst wenn Schulen und Kindertagesstätten in den nächsten Wochen wieder öffnen sollten, ist nicht davon auszugehen, dass das öffentliche Leben auf einen Schlag wieder so abläuft wie vor der Corona-Krise.

Für die Studios und Kinobetreiber sind das düstere Aussichten. Der "Hollywood Reporter" zitierte in einem Artikel Branchenanalysten, die damit rechnen, dass Hollywood allein im ersten Quartal dieses Jahres fünf Milliarden US-Dollar Verlust drohen.