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Sieben Monate Verzögerung: James Bond hat viele Feinde besiegt. Gegen das Coronavirus ist aber auch er machtlos

Der Kinostart des neuen James-Bond-Streifens "Keine Zeit zu sterben" wurde wegen des Coronavirus um sieben Monate verschoben. Die Entscheidung ist nachvollziehbar, zeigt aber deutlicher denn je Hollywoods Abhängigkeit vom asiatischen Markt.

Daniel Craig in "James Band 007: Keine Zeit zu sterben".

Daniel Craig in "James Band 007: Keine Zeit zu sterben".

Seit mehr als 50 Jahren rettet James Bond die Welt. Der Geheimagent im Dienste Ihrer Majestät hat schon spielsüchtige Terroristen, manipulative Frauen und Männer mit Hang zum Größenwahn überlistet. Doch gegen das Coronavirus scheint selbst ein Improvisationstalent wie Bond machtlos zu sein: Das 25. Abenteuer mit dem Titel "Keine Zeit zu sterben" (Original "No Time To Die") des Geheimagenten 007 wird nicht wie geplant am 02. April international starten, sondern erst im Herbst - genauer gesagt am 25. November. Dabei hatte der Kartenvorverkauf schon begonnen.

Gegen das Coronavirus ist selbst James Bond machtlos

Das Filmstudio Universal Pictures erklärte gemeinsam mit den Produzenten Michael Wilson und Barbara Brocolli sowie der Filmproduktionsfirma MGM, dass der Kinostart "nach sorgfältiger Überlegung und gründlicher Bewertung des weltweiten Kinomarktes" verschoben wurde. 

Offiziell sprach keiner der Verantwortlichen vom Coronavirus, doch der Zusammenhang mit dem weltweiten Ausbruch der neuartigen Krankheit liegt auf der Hand: Wegen des Coronavirus wurden bereits im Vorfeld die für Ende April 2020 geplante China-Premiere in Peking sowie die landesweite Werbetour zum neuen Bond-Film abgesagt.

Coronavirus lähmt die Welt

In China bemerkte man den Ausbruch von Covid-19 bereits Ende Dezember, im Januar wurden daraufhin ganze Städte großräumig abgeriegelt und Fabriken geschlossen, das öffentliche Leben kam in weiten Teilen zum Erliegen. Die Folgen sind mittlerweile global spürbar: Viele Industrien haben mit Lieferengpässen zu kämpfen und mehrere Branchen erwarten tiefrote Zahlen - darunter auch die Filmindustrie.

Daniel Craig badet als James Bond im Meer und hält dabei eine brünette Frau in den Armen

Das Chinesische Neujahrsfest ist traditionell eine der umsatzstärksten Phasen für die Kinos des Landes. Wegen der Angst vor dem Coronavirus wurden landesweit 70.000 Kinos geschlossen und viele Blockbuster-Premieren abgesagt. Für Hollywood mit seinen millionenschweren Produktionen ist das ein wirtschaftlicher Albtraum. "Deadline" zufolge habe die temporäre Schließung in China allein zwei Milliarden Dollar Verlust eingefahren.

Hollywood ist von China abhängiger denn je

Dass die Bond-Produzenten nun die Reißleine gezogen haben, ist nachvollziehbar. Niemand investiert Millionen, um dann nichts einzunehmen, weil der Film in leeren Kinosälen gezeigt wird. Die Angst, dass der Film weit hinter den Erwartungen zurückbleiben könnte, war groß. Der Vorgänger "Spectre" spielte immerhin 880 Millionen US-Dollar ein. Der letzte Film mit Daniel Craig als Geheimagent dürfte gute Chancen haben, die Milliarde zu knacken.

Der Fall verdeutlicht aber auch, wie abhängig Hollywood vom asiatischen Markt ist: Denn während in den traditionellen Kinomärkten die Ticketverkäufe seit Jahren stagnieren oder gar rückläufig sind, boomt das Geschäft im Fernen Osten. Mehr als 70 Prozent seiner Einnahmen macht Hollywood mittlerweile in Übersee, China gilt als Schlüsselmarkt. Die Mittelschicht wird dort immer größer - und sie will unterhalten werden. Der Plan sah Folgendes vor: Hollywood sollte die bekannten Gesichter liefern und China das Geld. Doch die China-Wette ging immer häufiger nach hinten los (mehr dazu lesen Sie hier).

Kinos rechnen mit Milliardenverlusten

Unklar ist, ob sich die Bond-Verschiebung auch auf weitere Kino-Neustarts auswirken wird. Das dürfte im Wesentlichen davon abhängen, wie sich das Coronavirus weltweit entwickelt und welche Vorsichtsmaßnahmen Regierungen und Behörden verhängen. In Südkorea, das ebenfalls viele Krankheitsfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet, gingen die Kinoeinnahmen um 60 Prozent zurück, wie Comscore ermittelt hat.

In Italien gingen die Zahlen sogar um 70 bis 75 Prozent zurück, nachdem die Hälfte der landesweiten Kinos geschlossen wurden. In Taiwan, Singapur und den Philippinen sanken die Einnahmen um rund 30 Prozent. Global rechnet man mit einem Minus von fünf Milliarden US-Dollar allein in diesem Jahr.

Quellen: Deadline, Variety, Hollywood Reporter, Vox, Quartz