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Krankheits-Welle in China: Werden Fernseher teurer? So leidet die Wirtschaft unter dem Corona-Virus

Der Ausbruch des Corona-Virus beschäftigt Menschen weltweit. Auch wirtschaftlich sind die Folgen spürbar. Vor allem in der auf China angewiesenen Tech-Branche.

Gebäude mit Apple Logo

Apple warnt wegen des Corona-Virus vor möglichen Geschäftseinbußen

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Seit zwei Wochen gibt es kaum ein anderes Thema: Der Corona-Virus breitet sich aus dem chinesischen Wuhan quer über Land aus, ist längst auch in Europa angekommen. 17.400 bestätigte Kranke gibt es mittlerweile weltweit, zehn sind es in Deutschland. Und auch wirtschaftlich sind die Effekte immer mehr zu spüren. 

Schon letzte Woche machte Apple den Anfang. CEO Tim Cook hatte gerade die besten Quartalszahlen aller Zeiten präsentiert, als schon die vorsichtige Warnung folgte. Die Folgen der Krankheit auf Apples Geschäftszahlen seien noch nicht abzusehen, erklärte Cook in einem Gespräch mit den Investoren. Die prognostizierte Gewinnspanne für das nächste Quartal fiel daher ungewöhnlich breit aus.

Weitreichende wirtschaftliche Folgen

Die Warnung kommt nicht von ungefähr. Am Samstag kündigte der Konzern an, sämtliche Läden, Büros und Service-Stellen in China bis zum 9. Februar zu schließen. Nur der Online-Shop soll weiter zur Verfügung stehen. Wie groß der Einbruch der Verkaufszahlen tatsächlich sein wird, bleibt abzuwarten. Apple macht laut der "New York Times" etwa 17 Prozent seiner weltweiten Umsätze in China. Zusätzlich drohen aber noch Ausfälle und Verzögerungen in der übrigen Welt: Der Konzern bezieht aus Wuhan wichtige Bauteile, mit dem staatlichen Abriegeln der Stadt dürften diese Zuliefererquellen vorerst versiegt sein.

Auch viele andere Konzerne haben mittlerweile reagiert. Google, Facebook und Amazon haben ihre Büros sicherheitshalber geschlossen. Microsoft hat seine Mitarbeiter in China bereits aufgefordert, so viel wie möglich von Zuhause zu arbeiten. Wie auch schon Apple warnt der Konzern zudem vor einem Effekt auf die Hardware-Produktion. Auch der Spielekonzern Nintendo rechnet mit Problemen. Autokonzerne wie Tesla, General Motors und BMW mussten gar ein vorläufiges Aussetzen der Produktion bekannt geben.

Philipp Mattheis, stern-Korrespondent China, spricht über das Coronavirus

Werden Fernseher nun teurer?

Der Ausfall von Zuliefern droht ganze Branchen vor Probleme zu stellen. In Wuhan gibt es laut den Marktanalysten von IHS Markit etwa gleich fünf wichtige Fabriken, die den ganzen Markt mit LCD-Bildschirmen versorgen. Demnach könnte durch den Ausfall von Arbeitskräften und Komponenten die weltweite Produktion der in Smartphones, Fernsehern, Laptops und zahlreichen anderen Geräten verbauten Bildschirme um 10 bis 20 Prozent sinken - und die Preise entsprechend steigen. Noch lägen die Preise pro Display bei einem Dollar, so die Analyse. Bald könnten sie aber auf drei bis fünf Dollar steigen. Da die Hersteller steigende Kosten oft mit Aufschlag an die Kunden weitergeben, könnten die Preise merklich steigen, so die Experten.

Die Ausfälle haben sogar einen Effekt auf den Ölpreis. Weil die chinesischen Fabriken weniger Rohöl für die Plastik-Produktion aufkaufen, sanken auf dem Weltmarkt die Preise. Die saudische Ölgesellschaft Saudi Aramco berief für den Dienstag ein Krisentreffen der Ölstaaten-Vereinigung Opec ein. Der Vorschlag: Für die Dauer des Krankheitsausbruchs soll die Produktion heruntergefahren werden, um die Preise stabil zu halten.

An der chinesischen Börse fiel die Reaktion auf dies schwierige Gesamtsituation entsprechend hart aus. Nachdem der Handel wegen des chinesischen Neujahrsfest eine Woche ausgesetzt war, krachte der Index mit der Öffnung am Montag erst einmal um acht Prozent ein. Für China, das nach langen Jahren des steilen Wachstums schon unter dem Handelskrieg mit den USA zu leiden hatte, ist das ein harter Schlag.

Für viele Firmen geht das Geschäft indes weiter wie gehabt. Samsung, LG Display, Huawei und auch viele Chip-Hersteller bestätigen der "South China Morning Post", dass die Produktionen wie gewohnt weiterlaufen. Die Firma Semiconductor Manufacturing International Corp (SMIC), die als Zulieferer Prozessoren und andere Chips für zahlreiche Hersteller fertigt, ließ die Angestellten sogar das in China sehr wichtige Neujahrsfest durcharbeiten. "Wir müssen die Produktion 365 Tag im Jahr und 24 Stunden am Tage am Laufen halten", erklärte das Unternehmen laut der "Morning Post" in einem Eintrag. "Sonst können wir die Bedürfnisse unserer Kunden nicht befriedigen."

Quellen: Wall Street Journal, Business Insider, BBC, PCWorld, Cnet, South China Morning Post