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Analyse

Rekord-Quartal: Apple feiert noch einmal Weihnachten

Superlative ist man aus Cupertino gewöhnt. Doch selbst für Apple sind die jüngsten Quartalszahlen eine Sensation: 91,8 Milliarden US-Dollar Umsatz in nur drei Monaten. Wir haben einen Blick in die Zahlen geworfen und verraten, woher das Wachstum stammt.

Apple-Chef Tim Cook musste einen Umsatzrückgang im letzten Quartal ankündigen

Apple-Chef Tim Cook dürfte die aktuellen Zahlen "amazing" finden

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Was für ein Unterschied ein Jahr machen kann. Am 2. Januar 2019 schockte Apple-Chef Tim Cook die Wall Street, als er die erste Gewinnwarnung des Konzerns seit vielen, vielen Jahren herausgab. Dies sei der Anfang vom Ende des iPhones, raunte es in den Kommentarspalten, und der Aktienkurs erodierte. Am gestrigen Dienstag konnte Cook die Nörgler eines Besseren belehren: Apple verkündete am 28. Januar 2020 das erfolgreichste Quartal seiner Geschichte und pulverisierte gleich mehrere Rekorde.

Im gerade zu Ende gegangenen Quartal, das wesentlich vom Weihnachtsgeschäft bestimmt wurde, lag der Umsatz bei 91,8 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es "nur" 84,3 Milliarden Dollar, welche die Talfahrt der Aktie ins Rollen brachte. Der Gewinn lag damals bei 19,9 Milliarden, nun blieben 22,2 Milliarden im eigenen Portemonnaie hängen - auch das eine Bestmarke.

In der anschließenden Telefonkonferenz erläuterten Tim Cook und Apples Finanz-Chef Luca Maestri die Zahlen - und plauderten spannende Details aus.

Die Sparten im Überblick:

  • iPhone: 55,96 Milliarden US-Dollar
  • Services: 12,72 Milliarden US-Dollar
  • Mac: 7,16 Milliarden US-Dollar
  • Wearables, Home, and Accessories: 10,01 Milliarden US-Dollar
  • iPad: 5,98 Milliarden US-Dollar

1. iPhone gut, alles gut

Umsatztreiber war das von vielen bereits abgeschriebene iPhone. Genaue Verkaufszahlen nennt Apple nicht mehr, beim Umsatz konnte die Sparte jedoch um acht Prozent zulegen. Cook zufolge war das iPhone 11 in jeder einzelnen Woche des Quartals das bestverkaufte iPhone-Modell und ließ sogar das besser ausgestattete Pro-Modell und das günstigere iPhone XR hinter sich.

In China sei das iPhone 11 enorm populär, schwärmte Cook. Dass die Vorgänger dort unter den Erwartungen lagen, war einer der Hauptgründe für die Enttäuschung des letzten Jahres. Zudem sei die Zahl an Trade-Ins - in jedem Apple Store kann man ein Alt-Gerät abgeben und erhält dafür Rabatt auf den Neukauf - so hoch wie noch nie. Erstmals hatte Apple im September den Preis seines wichtigsten Produktes gesenkt, die Strategie scheint aufgegangen zu sein.

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2. Das Services-Geschäft wächst langsam

Bei den Services - dazu gehören unter anderem die neuen Abo-Dienste, aber auch die Garantieverlängerungen - legte Apple von 10,8 Milliarden Dollar auf 12,7 Milliarden Dollar zu. Immerhin ein Plus von zwei Milliarden. Angesichts der Services-Offensive, die Cook im vergangenen Jahr ausrief, hatte der eine oder andere womöglich mit höheren Umsätzen gerechnet.

In diesem Bereich müssen Anleger jedoch einen langen Atem haben: Einige Dienste wie die Magazin-Flatrate News+ oder die firmeneigenen Kreditkarte Apple Card sind bislang nur in wenigen Ländern erhältlich. Die größten Hoffnungen dürften ohnehin auf dem Film- und Seriendienst Apple TV+ liegen. Für den dürften bislang aber nur wenige Nutzer zahlen, da bei jedem Neukauf eines aktuellen Geräts 12 Monate Nutzung inklusive sind. Sollten keine Nutzerzahlen durchsickern, kann man vermutlich frühestens in einem Jahr seriös einschätzen, ob der mit viel Tamtam gestartete Dienst ein Erfolg ist oder nicht.

3. Von wegen Sonstiges

Die Sonstiges-Sparte war in früheren Quartalsberichten ein Sammelbecken jener Produkte, die nur kleine Anteile am Gesamtumsatz hatten. Hier tummelten sich Kopfhörer, Lautsprecher, Schutzhüllen und nach dem Ende seiner glanzvollen Tagen auch der iPod.

Nun ist die "Wearables, Home, and Accessories" getaufte Sparte eine der wichtigsten Säulen des Konzerns: Das Geschäft mit Wearables wächst rasant und konnte um 37 Prozent zulegen. Erstmals wurde die Zehn-Milliarden-Marke geknackt. Damit wurden sowohl die Macs (7,16 Milliarden) als auch das iPad (5,98 Milliarden) hinter sich gelassen, das in diesen Tagen sein zehntes Jubiläum feiert. Beide Sparten hatten mit leichten Rückgängen zu kämpfen.

Befeuert wurde die Sparte vor allem von der Apple Watch und den AirPods Pro. Letztere hätten eine "phänomenale" Nachfrage, so Cook, konkrete Verkaufszahlen verschwieg er jedoch auch hier. Ein spannendes Detail verriet Apple zu seiner Uhr: 75 Prozent der Apple-Watch-Verkäufe während des Weihnachtsgeschäfts gingen an Erstkäufer, die also bislang noch keine Uhr aus Cupertino besaßen. Dieser Wert liegt noch einmal höher als jene 70 Prozent, die Apple im September bekanntgab.

Besonders häufig dürfte die Apple Watch Series 3 unterm Tannenbaum gelegen haben. Der Konzern reduzierte den Preis im September nach der Vorstellung der Series 5, viele Händler drückten die Preise durch Rabattaktionen noch weiter - was zu Lieferengpässen führte.

In den ersten Jahren fremdelten die Investoren mit der Uhr, einige bezeichneten sie sogar als Flop. Mittlerweile hat sich der Wind jedoch gedreht. Während der Telefonkonferenz wurde Cook gefragt, ob weitere Farben der Uhr in Planung seien, allerdings ließ sich der Apple-Boss nicht in die Karten schauen. Gerüchten zufolge arbeitet Apple an einer roten Version seiner Watch.

4. Kein Wort zu 5G

Auch bei anderen Themen zeigte sich Cook schmallippig. Morgan-Stanley-Analystin Katy Huberty sprach das Thema 5G an und wollte herauskitzeln, ob Apple in diesem Jahr ein iPhone auf den Markt bringt, welches den Mobilfunkstandard der nächsten Generation unterstützt. Cook entgegnete jedoch lediglich, 5G sei noch in einer sehr frühen Phase und man kommentiere grundsätzlich keine zukünftigen Produkte. Krish Shankar von Callan and Company stellte das nicht zufrieden, er wollte Cooks grundsätzliche Einschätzung diesbezüglich wissen. Aber auch hier blockte der Apple-Chef ab. Ob das diesjährige iPhone 5G unterstützt, wird man erst im September wissen.

5. Das Coronavirus beschäftigt auch Apple

Was die Investoren wenig freuen dürfte: In der Telefonkonferenz blieben Cook und Maestri für das kommende Quartal im Vagen. Der Grund dafür ist das derzeit in China grassierende Coronavirus. Im kommenden Quartal rechnet der Konzern mit Umsätzen in Höhe von 63 bis 67 Milliarden US-Dollar - eine ungewöhnlich breite Streuung. Man könne jedoch nicht abschätzen, wie sich die Dinge in China entwickeln - das Land ist einer der größten Zulieferer für Apple -, weshalb die Unwägbarkeiten in den Ausblick eingepreist seien. Aus Sicherheitsgründen werden Reisen der eigenen Mitarbeiter in die Region derzeit minimiert.

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