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Apple-Kopfhörer AirPods Pro im Test: The Sound of Silence

Mit Wiedererkennungswert, aber doch irgendwie anders: die neuen AirPods Pro
Mit Wiedererkennungswert, aber doch irgendwie anders: die neuen AirPods Pro
© stern
Mit den AirPods landete Apple einen globalen Hit. Mit den AirPods Pro hat der Konzern ein Modell mit neuem Design und Noise-Cancelling im Sortiment. Wir haben Apples neuen Schalldämpfer ausführlich getestet.

Es ist gar nicht so einfach, nur mal seine Ruhe zu haben. Nicht einmal im Ruheabteil der Deutschen Bahn. Der Zug ist ausgebucht, alle Plätze sind belegt und mein Sitznachbar knistert eine Trockensalami nach der anderen aus seiner Großpackung. Schräg gegenüber lümmelt ein Mann Ende zwanzig, aus dessen Kopfhörern ein gleichförmiger Beat scheppert. Und der ICE rumpelt mit fast 175 Stundenkilometern über die Gleise. Schall überall.

Ideale Bedingungen also, um die AirPods Pro von Apple zu testen.

Das können die AirPods Pro

Die AirPods Pro sind eine aufgemotzte Variante der extrem populären Funkkopfhörer. Die unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von den Vorgängern. Die wichtigsten Features sind:

  • ein neues Design, erstmals kann die Passform mit Hilfe verschiedener Ohrpassstücke an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden
  • Active-Noise-Cancelling, also eine aktive Geräuschunterdrückung
  • das Ladegehäuse ist breiter und kann kabellos geladen werden
  • die AirPods sind schweiß- und spritzwasserresistent, man sollte aber nicht mit ihnen schwimmen gehen

Als erstes fällt die neue Optik auf. Ragte der weiße Steg bislang gut sichtbar aus den Ohren, sieht man beim Pro-Modell nur noch einen kurzen Stummel. Die Kopfhörer sind größer und schwerer, was man aber kaum bemerkt, weil der größte Teil im Ohr versinkt. Neue Farben gibt es nicht, es bleibt beim ikonischen Weiß. Das Ladecase ist etwas größer, passt aber immer noch in die Mini-Tasche einer Jeans.

Die Kopplung mit dem Smartphone ist kinderleicht: Gehäuse aufklappen, das iPhone daneben halten … das war es schon. Simpler geht es nicht.

Links der AirPod Pro, rechts das "normale" Modell.
Links der AirPod Pro, rechts das "normale" Modell.
© stern

Einer für alle, das war einmal

Setzte Apple bei den AirPods zuvor auf eine Größe für alle, gibt es nun erstmals austauschbare Ohrpassstücke aus Silikon. Die sorgen für eine bessere Abdichtung und einen festeren Sitz. Damit reagiert der Konzern auf die Kritik einiger Nutzer, denen die "normalen" Airpods nicht richtig passten.

Im Lieferumfang der AirPods Pro sind drei Größen der Silikonknubbel enthalten. Wer nicht sicher ist, welche man wählen soll, kann in den Bluetooth-Einstellungen den "Passtest für Ohreinsätze" starten. Dabei wird ein kurzes Musikstück abgespielt, in den AirPods verbaute Mikrofone analysieren daraufhin, ob alles sitzt wie es soll. Sehr praktisch.

Dank der anpassbaren Ohrstücke ist der Tragekomfort für die meisten Nutzer deutlich größer. Da jedes Ohr individuell ist, sollte man die Kopfhörer vor dem Kauf aber wenn möglich probetragen, etwa in einem Apple Store. Denn passt keiner der drei mitgelieferten Stöpsel ideal, wird man mit den Kopfhörern auf Dauer nicht viel Freude haben. Dritthersteller bieten jedoch auch weitere Stöpsel-Größen an.

Der Passformtest für die AirPods Pro
Der Passformtest für die AirPods Pro
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Apples Schalldämpfer

Die zweite große Neuerung ist Active-Noise-Cancelling. Diese Funktion kennt man von anderen Herstellern schon seit Jahren, Apple verbaut sie aber jetzt in seinen eigenen Kopfhörern. Bei einer aktiven Geräuschunterdrückung erfassen die Mikrofone vereinfacht gesagt den Umgebungslärm und errechnen daraufhin eine Art "Anti-Schall", um die Lärmquelle zu neutralisieren. Das Ganze passiert 200-mal pro Sekunde.

Der Effekt ist beeindruckend: Aktiviert man die Geräuschunterdrückung verstummt das tiefbrummende Rattern des Zuges augenblicklich. Nebengeräusche werden leiser, als hätte man die Lautstärke heruntergedreht. Ob im Zug, im Gewusel des Hauptbahnhofs oder an einer dicht befahrenen Kreuzung - die Geräuschunterdrückung leistet in jeder Situation gute Arbeit. Nur bei hohen, lauten Geräuschen wie Babygeschrei kommt die Technologie an ihre Grenzen, das ist aber selbst bei teureren, deutlich größeren Over-Ear-Kopfhörern wie den Bose QuietComfort 35 der Fall.

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Bei einigen Noise-Cancelling-Kopfhörern ist der Abschirmungseffekt so stark, dass es sich anfühlt, als würde man unter eine Käseglocke sitzen oder hätte einen Unterdruck im Ohr, in dem jeder eigene Schritt oder sogar die Atmung unangenehm auffällt. Das ist bei den AirPods nicht der Fall, hier fühlt sich die Geräuschunterdrückung stets natürlich an.

Netter Nebeneffekt: Weil der Außenlärm verstummt, muss man die Lautstärke beim Musikhören nicht mehr so hochdrehen und schont das eigene Gehör.

Soundtrack des Lebens

So schön es auch sein kann, abgekapselt in seiner eigenen Blase zu leben, manchmal muss man auch etwas von der Außenwelt mitbekommen. Das kann der Schaffner im Zug sein, der den Fahrschein sehen will, aber auch das Hupen im Straßenverkehr. Für solche Situationen gibt es das meiner Meinung nach beste Feature der neuen AirPods: der Transparenzmodus. Der sorgt dafür, dass man seine Umgebung trotz AirPods wahrnimmt.

Eingeschaltet wird der Transparenzmodus durch einen langen Fingerdruck am weißen Steg der AirPods Pro, direkt im Kontrollzentrum des iPhone oder an der Apple Watch. Ein kurzes Klicken ertönt, danach fühlt es sich an, als würde sich ein Tunnel in den AirPods öffnen. Die Musik dudelt weiter, aber man bekommt alles von der Außenwelt mit. Es ist, als würde sich ein Soundtrack über das eigene Leben legen.

Ähnliche Funktionen bieten auch andere Mitbewerber, allerdings muss man sie häufig erst umständlich in den Apps der Hersteller aktivieren. Durch die tiefe Verschränkung von Hard- und Software gelingt das Apple eleganter. Schade ist jedoch, dass man den Transparenzmodus nicht via Siri ein- und ausschalten kann.

So gut ist der Sound

Doch wie klingen die AirPods Pro? Das Klangbild ist ausgewogen und hat mir sehr gut gefallen: Bässe sind deutlich zu spüren, ohne dass sie wummern. Die Mitten und Höhen kommen gut zur Geltung. Insgesamt ist der Sound sehr gut, er ist nicht nüchtern kalt, sondern wärmer angehaucht. Ob einem das gefällt, ist Geschmackssache - angesichts der kompakten Maße ist das Ergebnis beeindruckend.

Häufig werden AirPods zum Telefonieren verwendet, das ist natürlich auch beim Pro-Modell möglich. Das Mikrofon klingt gut, bei zwei Testtelefonaten konnten meine Gesprächspartner mich klar und deutlich verstehen.

Der weiße Steg der AirPods Pro hat eine Delle, die Touch-Eingaben erkennt.
Der weiße Steg der AirPods Pro hat eine Delle, die Touch-Eingaben erkennt.
© stern

AirPods Pro mit Android und Windows

Die AirPods Pro sind für das Apple-Universum ausgelegt, funktionieren aber auch mit Android-Geräten und Windows-PCs. Einige Features werden dann aber nicht unterstützt, etwa der "Hey Siri"-Befehl oder die automatische Pausierung, sobald man einen der Kopfhörer aus den Ohren nimmt. Active-Noise-Cancelling funktioniert aber auch auf Android-Geräten.

Fünf Stunden Musikwiedergabe

Mit einer Akkuladung halten die AirPods Pro ungefähr fünf Stunden durch, bei aktiviertem Noise Cancelling ist es eine halbe Stunde weniger. Diese Laufzeit können wir im Test bestätigen. Das Transportgehäuse bietet noch einmal 24 weitere Stunden Laufzeit. Nach fünf Minuten im Case halten die Kopfhörer wieder rund eine Stunde durch. Mit längerer Nutzung und mehr Ladezyklen sinkt jedoch die Gesamt-Laufzeit der Kopfhörer, ein Wechseln der Batterie ist nicht möglich.

Fazit: Teurer Spaß

Mit den AirPods Pro geht Apple bei seinen Kopfhörern neue Wege: Weg vom Einheitsdesign für alle, hin zu mehr Individualität. Dank der wechselbaren Ohrpassstücke dürfte der Tragekomfort bei den meisten Nutzern höher sein. Gut gefallen hat mir die aktive Geräuschunterdrückung samt Transparenzmodus, durch den man Umgebungslärm auf Knopfdruck leiser machen kann. Dass das Transportgehäuse größer ist, fällt im Alltag nicht auf. All die Neuerungen lässt sich Apple aber auch gut bezahlen: Die neuen Kopfhörer kosten 279 Euro, im netz bekommt man sie aber bereits regelmäßig für etwas mehr als 200 Euro.

Allerdings sind Noise-Cancelling-Konkurrenten nicht viel günstiger: Die Sony WF-1000XM3 kosten 189 Euro, die Track Air+ von Libratone sind mit 199 Euro ähnlich teuer. Allerdings ist keiner der Mitbewerber so gut auf das Apple-Ökosystem angepasst.

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