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AirPods : Wie der Hype um Apples Kopfhörer eine süddeutsche Firma reich macht

Innerhalb weniger Jahre gelang es Apple, mit den AirPods die Metropolen der Welt zu erobern. Doch nicht nur die Kalifornier verdienen gutes Geld mit kabellosen Kopfhörern, sondern auch eine Firma aus Süddeutschland. Sie stellt ein entscheidendes Bauteil her.

Die AirPods verkaufen sich allein in diesem Jahr geschätzt 50 Millionen Mal

Die AirPods verkaufen sich allein in diesem Jahr geschätzt 50 Millionen Mal

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Erst belächelt, plötzlich überall: Apples AirPods gehören mittlerweile zum Stadtbild vieler Metropolen. Man sieht die weißen Ohrstöckchen bei Joggern im Park und bei Pendlern in den U-Bahnen. Diesen Boom will der Konzern noch weiter anfachen: Am Montag stellte Apple die dritte Kopfhörer-Generation vor, die AirPods Pro. Diese sollen mit neuen Funktionen wie einer aktiven Geräuschunterdrückung und individuell anpassbaren Form die Verkaufszahlen im Weihnachtsgeschäft nach oben treiben. Und der Plan dürfte aufgehen: Allein in diesem Jahr werden 50 Millionen AirPods verkauft, schätzen Experten.

Apple mag die Kategorie der komplett kabellosen Kopfhörer groß gemacht haben, doch mittlerweile bieten alle Firmen von Rang und Namen solche Produkte an. Jüngst stellten auch Google und Microsoft ähnliche Kopfhörer vor, Huawei, Samsung, Bose, Jabra und Sony mischen ebenfalls in diesem immer größer werdenden Markt mit.

Apples neue AirPod Pro sehen ein bisschen wie ein Föhn aus.

Stecken deutsche Akkus in den AirPods?

Während die Firmen die Ellenbogen ausfahren, kann eine Firma das Spektakel ganz entspannt von der Seitenlinie aus verfolgen: der süddeutsche Batteriehersteller Varta. Die 1887 gegründete Firma mit Sitz im schwäbischen Ellwangen profitiert wie kaum ein anderes Unternehmen vom Boom der neuen Kopfhörer. Denn Varta produziert neben herkömmlichen Batterien für Taschenlampen und Autos auch sehr kompakte und dennoch leistungsstarke Knopfzellen, die eine bis zu 30 Prozent höhere Energiedichte besitzen als die von Mitbewerbern. Diese Mikrobatterien sind der Wachstumsmotor, sie stecken nicht nur in Hörgeräten, sondern auch in vielen drahtlosen Kopfhörern.

Offiziell beliefert die Firma Konzerne wie Samsung und Sony. Ob Apple zu den Kunden zählt, dazu hält sich Varta-Chef Herbert Schein bedeckt. Doch Varta befeuerte zuletzt die Spekulationen: Erst Anfang September hatte die Firma mitgeteilt, die Produktion bis 2022 auf mehr als 150 Millionen Zellen jährlich auszubauen.

Hintergrund sei die ungebrochen hohe Kundennachfrage in einem Markt, der jährlich um mehr als 30 Prozent wachse. Da Apple rund 60 Prozent des Marktes hochwertiger Bluetooth-Headsets dominiert, wäre das in Aussicht gestellte Wachstum ohne die Kalifornier als langfristigen Kunden wohl kaum möglich. "Der starke Ausbau der Kapazitäten bei Varta ist ein Indikator dafür, dass Apple bereits auf der Kundenliste steht" sagt Robert-Jan van der Horst, Analyst der Hamburger Bank M.M. Warburg gegenüber "Börse Online".

Varta muss aufrüsten

Der Umsatz hat sich in den ersten neun Monaten des Jahres im Jahresvergleich um 22 Prozent erhöht. Bei den Anlegern kommt das erwartungsgemäß gut an: Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienwert des Unternehmens verdreifacht, und ein Ende der Rallye ist vorerst nicht abzusehen. Weil die Nachfrage aufgrund der Bluetooth-Kopfhörer stetig steigt, "investieren wir massiv in den Ausbau unserer Produktionskapazitäten", kündigte Vorstandschef Herbert Schein am Dienstag in Ellwangen an. So sollen nun zwischen 95 und 110 Millionen Euro statt den bisher geplanten 75 bis 90 Millionen Euro in die Erweiterung fließen.

Die höheren Produktionskapazitäten sind auch nötig. 2021 wird Apple mehr als 100 Millionen AirPods im Jahr verkaufen, schätzt Ming-Chi Kuo, einer der am besten vernetzten Analysten der Welt. Das heißt im Umkehrschluss: Apple allein wird 200 Millionen Batterien benötigen. Mehr als Varta derzeit überhaupt produziert.
 

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mit DPA