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Apple Watch Series 3 im Test: Die letzte Hürde ist gefallen

Die Apple Watch Series 3 ist Apples erste Uhr mit LTE-Anbindung. Dadurch kann die Smartwatch erstmals unabhängig vom iPhone genutzt werden. Das ermöglicht neue Einsatzzwecke, doch es gibt noch ein paar Haken. Wir haben sie ausführlich getestet.

Die Apple Watch Series 3 ist als Cellular-Variante (mit LTE) unabhängig vom iPhone.

Die Apple Watch Series 3 ist als Cellular-Variante (mit LTE) unabhängig vom iPhone.

Die erste Generation der Watch wurde von vielen belächelt. Die Uhr sei zu klobig, könne zu wenig und dass sie jeden Tag an die Steckdose muss, sei ohnehin absurd, so das Fazit vieler Kritiker. Tatsächlich hatte die erste Watch viele Kinderkrankheiten. Sie war sehr langsam und es fehlte ein klarer Fokus. Was viele jedoch vergessen haben: Auch das erste iPhone war alles andere als perfekt.

Wie bei seinem Telefon entwickelte Apple die Uhr konsequent weiter. Mit der letztjährigen Series 2 wurde sie schneller, wasserdicht und bekam einen eigenen -Sensor. Fitness-Features rückten in den Mittelpunkt, die abgefahrenen Funktionen, die eher an den Handgelenks-Computer von Inspector Gadget erinnerten, rutschten in den Hintergrund. Mit Erfolg: Apple ist in den letzten zwei Jahren zum Big Player im Uhren-Business geworden, umsatzseitig mischt man ganz vorne mit. Die Smartwatch ist gekommen, um zu bleiben. Das zwingt die traditionellen Unternehmen zum Umdenken.

Mit der neuen Series 3 wird die Apple Watch nun unabhängig vom . Es ist die Uhr, die man von Anfang an bauen wollte, erklärte der Konzern. Wir haben die neue Apple Watch Series 3 bereits ausführlich getestet und sagen, was sie kann - und was nicht.

Die rote Krone kennzeichnet das LTE-Modell der Apple Watch Series 3, die ebenfalls wasserdicht ist.

Die rote Krone kennzeichnet das LTE-Modell der Apple Watch Series 3, die ebenfalls wasserdicht ist.


Selbe Form, neue Farben

Optisch hat sich auf den ersten Blick nicht viel getan. Das 2017er-Modell sieht im Grunde aus wie die Vorjahresgeräte. Das Touch-Display ist quadratisch mit abgerundeten Ecken, eine runde Version gibt es nicht. Über dem Seiten-Button befindet sich die Krone, die bei den LTE-Modellen nun einen roten Punkt hat. Eine gute Nachricht für alle, die ein kleines Vermögen in Wechsel-Armbänder investiert haben: Altes Zubehör ist weiterhin kompatibel.

Die Farbpalette wurde umstrukturiert: Es gibt nun drei Aluminiumversionen (Silber, Gold, Space Grau), zwei Edelstahl-Varianten (Silber und Space Schwarz) sowie zwei Keramikmodelle (Weiß und Grau). Der Farbton Roségold wurde gestrichen. Zudem muss man sich zwischen zwei Größen entscheiden: Das 38mm-Modell ist kleiner, aber auch günstiger als die 42mm-Variante. Zusätzlich gibt es Sondermodelle von Hermés und

Alle Modelle sind wasserdicht bis 50 Meter, man muss also beim Schwimmen oder Duschen keine Angst um die teure Technik haben. Laut Apple sollte die Uhr aber lieber "nicht beim Sporttauchen, Wasserski oder bei anderen Wasseraktivitäten mit hohen Geschwindigkeiten oder in tieferem Wasser" verwendet werden.

Apple Watch mit Internetanschluss

Die wichtigsten Neuerungen der Series 3 befinden sich im Inneren, und zwar

  • ein eigenes LTE- und UMTS-Modem (kein GMS)
  • ein schnellerer Prozessor und effizienterer Funk-Chip
  • ein Altimeter (Höhenmesser)

Die bemerkenswerteste Neuerung ist das Funkmodul in der Version mit dem roten Punkt. Sportler müssen damit nicht mehr ihr Telefon umständlich um den Arm schnallen, denn die Uhr kann nun eigenständig Nachrichten und Push-Benachrichtigungen empfangen.

Der Empfang war in unserem Test gut, in Hamburg hatten wir im Schnitt drei bis vier (Maximum) Balken. Teilweise hatten wir sogar in Gebäuden (dank Telekom-Netz) einen besseren Empfang als ein Smartphone mit Vodafone-SIM. Nur auf dem Land bekommt man ab und zu das rote X zu sehen - doch davon können viele Smartphone-Nutzer ebenfalls ein Lied singen. Der Breitbandausbau ist noch ausbaufähig.

So klappt die Mobilfunk-Einrichtung

Doch wie kommt das Internet überhaupt in die Uhr? Im Gegensatz zum iPhone steckt in der Apple Watch Series 3 keine physische Nano-SIM, sondern eine sogenannte eSim. Der Einrichtungsprozess ist kinderleicht: Zunächst koppelt man Uhr und Telefon mit der Watch-App. In der Mobilfunkkonfiguration scannt man anschließend den Aktivierungscode (ein QR-Code), den man in einem Schreiben von seinem Mobilfunkanbieter bekommen hat. Nach wenigen Sekunden erscheint die Meldung "Mobilfunk ist bereit".

Die Uhr ist anschließend für Anrufe und Nachrichten über dieselbe Nummer erreichbar wie das iPhone. Das funktioniert in unserem Test sogar, wenn das iPhone ausgeschaltet ist. Das eingebaute Mikrofon erledigt einen guten Job. Der Gesprächspartner konnte nicht unterscheiden, ob wir gerade ins Telefon reden oder in die Uhr. 

Neues LTE-Modell: So kommt das Internet in die Apple Watch

Die Apple Watch Series 3 kommt in zwei Varianten, mit und ohne LTE-Empfang.

Verliert die Uhr die Verbindung zum Smartphone, baut sie eigenständig eine Mobilfunkverbindung auf, das kann ein paar Sekunden dauern. In einigen Zifferblättern (etwa dem neuen Entdecker-Watchface) wird die Signalstärke direkt angezeigt. Ein Wisch von unten nach oben öffnet das Kontrollzentrum, hier sieht man ebenfalls die Empfangsleistung.

Unterwegs Musik streamen

Das mobile Netz eröffnet neue Nutzungsszenarien. So kann man Siri unterwegs beim Joggen nach dem Wetter fragen, die E-Mails checken, einen Anruf tätigen oder eine Nachricht diktieren. Hat man sich mal verlaufen, kann man jetzt auch die Fußgängernavigation ohne iPhone starten (mit Apple Maps, Google Maps ist derzeit nicht auf der Watch verfügbar).

Ab Oktober soll auch Musikstreaming direkt auf die Apple Watch möglich sein. Das ist insofern praktisch, weil die Uhr nur wenig Speicher für Offline-Downloads bietet. Das funktioniert zum Start nur mit dem hauseigenen Streamingdienst Apple Music. Spotify ist auf der Apple Watch noch nicht vertreten.

Bislang nur mit Telekom möglich

Ein Wermutstropfen: Hierzulande unterstützt derzeit nur die Telekom Mobilfunk auf der Apple Watch. "Für Kunden der Apple Watch Series 3 entfällt für die ersten 6 Monate der monatliche Grundpreis der MultiSIM. Ab dem 7. Monat werden die Gebühren für die MultiSIM gemäß dem abgeschlossenen Tarif berechnet", heißt auf der Seite der Telekom. Je nach Vertrag können zusätzliche MultiSIMs bereits im Grundpreis enthalten sein, maximal werden 4,95 Euro pro Monat fällig. Preislich liegt das im angemessenen Rahmen.

Roaming beherrscht die Apple Watch Series 3 leider nicht. Im Ausland ist sie also wieder vom iPhone abhängig. O2 und Vodafone bieten (noch) keine entsprechenden Verträge. Wer kurz- und mittelfristig also LTE auf der Apple Watch will, kommt um die Telekom nicht herum. 

Trotzdem kann sich der Kauf des LTE-Modells auch für Vodafone- und O2-Kunden lohnen, denn diese Version hat doppelt so viel Speicherplatz (16 statt 8 Gigabyte). Einige Modelle gibt es zudem nur als LTE-Version, etwa die Uhren mit Edelstahl- und Keramikgehäuse Das neue "Sport Loop"-Armband gibt es ebenfalls nur bei der Cellular-Variante. 

Das neue Entdecker-Watchface

Das neue Entdecker-Watchface

Schneller Prozessor

Die zweite große Verbesserung ist der S3-Prozessor. Er ist noch schneller als der Chip des Vorgängermodells. Der Geschwindigkeitsunterschied macht sich bemerkbar, es gibt drei große Vorteile: System-Apps (Workout, Mail, Kalender, Nachrichten, Musik …) starten nahezu sofort. Selbst Apps von Drittanbietern (Runtastic, Mytaxi, Lufthansa, Shazam) sind in wenigen Sekunden einsatzbereit. Im Schnitt starten die Apps doppelt so schnell wie vorher, einige Anwendungen waren sogar in zwei statt zehn Sekunden (Series 2, watchOS 3) startbereit. Ein Riesenunterschied! manche App benötigt aber nach wie vor eine iPhone-Verbindung, hier können Updates Abhilfe schaffen. 

Der zweite Vorteil: Siri hat nun auch auf der Apple Watch eine Stimme. Zu guter Letzt ist der Prozessor im Zusammenspiel mit dem neuen W2-Funkchip effizienter, was der Akkulaufzeit zugutekommt. Apple peilt eine Laufzeit von 18 Stunden an (all day battery life), ermöglicht dabei aber neue Features wie die LTE-Verbindung. Deaktiviert man diese (oder kauft sich ein Modell ohne LTE-Modul), sind längere Laufzeiten drin.

Insgesamt hängt die Batterielaufzeit stark von der eigenen Nutzung ab: Wer die Apple Watch nur für Benachrichtigungen, Bewegungs-Tracking im Alltag und als Uhr benutzt, muss in etwa alle zwei Tage an die Steckdose. Fitness-Anwendungen mit GPS-Zugriff saugen stärker am Akku. Eine zusätzlich bestehende Mobilfunkverbindung zieht den Akku viel schneller leer. Apple gibt eine Telefonie-Laufzeit von einer Stunde an. Mit einer (laut Watch-App) aktiven Nutzung von knapp fünf Stunden (inklusive 30-minütigem Workout, zwei kurzen Telefonaten, Dutzenden Siri-Abfragen und empfangenen Nachrichten) hielt die Uhr knapp zwei Tage durch. Das ist in Ordnung, aber auf dem Niveau des Vorjahres.  

Die Apple Watch sammelt im Workout (hier: Gehen Outdoor) viele Daten, etwa die Zahl der Schritte, die zurückgelegte Distanz und die überwundenen Höhenmeter. Zudem werden die Ruheherzfrequenz und die durchschnittliche Herzfrequenz angezeigt. Auf einer Karte kann man auf Wunsch die Route nachvollziehen.

Die Apple Watch sammelt im Workout (hier: Gehen Outdoor) viele Daten, etwa die Zahl der Schritte, die zurückgelegte Distanz und die überwundenen Höhenmeter. Zudem werden die Ruheherzfrequenz und die durchschnittliche Herzfrequenz angezeigt. Auf einer Karte kann man auf Wunsch die Route nachvollziehen.

Neue Features in watchOS 4

Auf der Apple Watch Series 3 ist watchOS 4 bereits vorinstalliert. Das neue Betriebssystem bringt einige neue Funktionen: 

  • drei zusätzliche Watchfaces (Kaleidoscop, Toy Story, Siri) und weitere Komplikationen
  • Workout-App mit neuen Animationen, verbesserter Schwimmerkennung, Musik-Integration und neuer Disziplin (High Intensity Intervall Training, HIIT). Dank des neu eingebauten Altimeters werden nun zurückgelegte Höhenmeter genauer ermittelt.
  • personalisierte Updates zum Aktivitäts-Tracking und neue Animationen 
  • verbesserte Herzfrequenz-Ansicht (inklusive Ruheherzrate-Anzeige)
  • neu gestaltete App für Apple Music
  • Redesign für das Dock
  • Kopplung mit modernen Fitness-Geräten möglich (etwa von Technogym und Cybex)
  • verbesserte Bluetooth-Features (Geräte wie Glukose-Monitore und Surfbrett-Sensoren können direkt an die Watch funken und sparen sich den Umweg über das iPhone).
  • Die Apple Watch analysiert nun den VO2Max-Wert anhand des Herzfrequenzmessers. Der Wert gibt an, wie viele Milliliter Sauerstoff der Körper bei Belastung maximal pro Minute verwerten kann und ist ein Kriterium für die Bewertung der Ausdauerleistung.

Trotz vieler Verbesserungen gibt es noch einige Baustellen. 

  • Ein Always-on-Display hat die Apple Watch Series 3 immer noch nicht. Um die Uhrzeit zu sehen, muss man also entweder das Handgelenk drehen, aufs Display tippen oder auf die Krone drücken. Da sind einige Konkurrenzmodelle (etwa die Gear S3) weiter.
  • Der Bezahldienst Apple Pay ist drei Jahre nach dem Start noch nicht in Deutschland verfügbar. Damit ist es möglich, bargeldlos nur mit der Uhr an Kassenterminals zu zahlen. Der verzögerte Start liegt vermutlich eher an den Partnern als an Apple. Dennoch: Eines der praktischsten Features ist hierzulande nicht verfügbar.
  • Mit watchOS 4 gibt es zusätzliche Zifferblätter (Watchfaces). Noch besser wäre es aber, wenn die Community eigene Zifferblätter entwickeln könnte.
  • Wenig überraschend: Android-Smartphones werden nicht unterstützt.
  • Die Einstellungen sind teilweise unnötig kompliziert. Mal muss man etwas auf der Uhr einstellen, mal auf dem Smartphone, dann wiederum direkt in der App. 
Apple Watch Series 3 Watch OS 4

Mit Watch OS 4 kommen neue Watchfaces auf die Apple Watch - etwa mit Buzz Lightyear aus "Toy Story"


Fazit: Praktische Neuerungen, aber keine Revolution 

Mit der Apple Watch Series 3 bekommt die Uhr erstmals eine eigene LTE-Anbindung. Dadurch ist sie unabhängig vom iPhone nutzbar und kann unterwegs Telefonate führen und Nachrichten empfangen. Das funktioniert prima, steht derzeit aber nur im Telekom-Netz zur Verfügung. Der neue Prozessor ist schneller, Apps starten damit deutlich flinker - auch das ist ein großer Fortschritt zur Series 2. Bei der Akkulaufzeit darf man keine großen Sprünge erwarten. Wer die Uhr nur für Grundlegendes nutzt, kommt etwa zwei Tage ohne Steckdose aus. Mit aktiviertem GPS und LTE ist der Strom deutlich schneller leer. Ein Wochenendtrip ohne Ladegerät im Gepäck ist immer noch utopisch.

Wer bereits eine Apple Watch Series 2 besitzt und nicht auf eine eigenständige LTE-Anbindung angewiesen ist, kann sich das Upgrade sparen. Denn das Betriebssystem watchOS 4 steht auch für die Vorgängermodelle zum Download bereit. Für Besitzer der Series 1 kann sich der Umstieg lohnen. Sie bekommen nicht nur GPS, einen Höhenmeter und ein wasserdichtes Gehäuse, sondern auch den deutlich schnelleren Prozessor. Neueinsteiger bekommen die bislang beste Apple Watch. 

Preis und Verfügbarkeit

Preislich beginnt die Apple Watch Series 3 bei 369 Euro (GPS, 38mm). Für die Cellular-Option werden 80 Euro fällig. Die Series 2 wurde aus dem Sortiment gestrichen. Das Einstiegsmodell ist damit die Series 1. Sie ist nicht wasserdicht und hat keinen GPS-Chip, ist mit 269 Euro aber auch günstiger.

Hinweis: Die LTE-Version der Apple Watch Series 3 funktioniert nur in Verbindung mit iPhone 6 (Plus), iPhone 6S (Plus), iPhone 7 (Plus), iPhone 8 (Plus) oder dem demnächst erscheinenden iPhone X. Die GPS-Version der Watch 3 kann hingegen auch mit dem iPhone 5S gekoppelt werden.

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