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Internetkriminalität Wie das FBI den russischen Spam-König fasste

Das FBI fasste einen der größten Spam-Versender der Welt (Symbolbild)
Das FBI fasste einen der größten Spam-Versender der Welt (Symbolbild)
© picture alliance/APA/picturedesk.com
Der Russe Peter Levashov galt als einer der gefährlichsten Cyberkriminellen, jeden Tag verschickte er Millionen Spam-Nachrichten. Nun wurde er vom FBI gefasst. Zum Verhängnis wurde ihm eine kleine Unachtsamkeit.

Telefone ohne Tasten, Musik zum Herunterladen, mobiles Internet: Das alles ist für uns heute selbstverständlich. Doch das war es nicht immer. In unserer Serie Technik-Geschichte werfen wir einen Blick zurück auf die Anfangstage jener Produkte und Technologien, die die Welt verändert haben. Diesmal: Wie das FBI einen Spam-Versender aus Russland fasste.

Angebliche Viagra-Tabletten, gefälschte Sonnenbrillen, vermeintliche Job-Angebote und jede Menge einsame Frauen, die zufällig in derselben Gegend wohnen: Jeden Tag rauschen mehr als 150 Millionen unerwünschte E-Mails (sogenannter Spam) in deutsche E-Mail-Postfächer. Aufs Jahr gerechnet sind das fast 55 Milliarden Nachrichten. Viele dieser Spam-Mitteilungen führen auf verseuchte Webseiten oder haben die Schadsoftware direkt im Anhang.

Was viele nicht wissen: Verschickt wird der Großteil der Spam-Nachrichten von nur wenigen Cyberkriminellen, die Hunderttausende Rechner kontrollieren - oft ohne, dass die PC-Besitzer etwas davon ahnen. Dem FBI gelang im Frühjahr 2017 der Schlag gegen einen der größten Spammer der Welt. Es war der russische Hacker Peter Yuryevich Levashov, auch bekannt als Peter Severa oder "Peter des Nordens".

Levashov galt als Strippenzieher hinter dem Kelihos-Botnetz, einem ausgeklügelten, globalen Netzwerk infizierter Computer, die E-Mail-Fächer weltweit mit Spam fluteten, Kreditkartendaten stahlen und Schadsoftware verbreiteten. Insgesamt sollen in Spitzenzeiten 100.000 Rechner unter Kontrolle gewesen sein, etwa fünf bis zehn Prozent davon allein in den USA. Sein Geld verdiente Levashow, in dem er das Botnetz an andere Kriminelle vermietete. DEM Us-Portal "Wired" zufolge kosteten eine Million verschickte Spam-Mails anfangs 200, später 300 Dollar. Phishing-Attacken, mit denen private Nutzerdaten gestohlen werden, schlugen mit 500 Dollar pro Million Nachrichten zu Buche.

Verbindungen zu russischen Geheimdiensten?

Es ist ein weiterer Schlag von US-Behörden gegen organisiertes Cyberverbrechen. Erst vor wenigen Wochen wurden zwei russische Kriminelle angeklagt, am Yahoo-Hack beteiligt gewesen zu sein. Es ist aber auch das Ende eines der gefährlichsten Botnetze der Welt.

"Botnetze wie Kelihos können schnell gewaltigen Schaden anrichten und sind eine Bedrohung für alle Amerikaner", sagt Kenneth Blanco, Mitarbeiter des Justizministeriums. Levashov werden - wie anderen hochrangigen Hackern - Verbindungen zu russischen Geheimdiensten nachgesagt, das konnte bislang aber nicht zweifelsfrei belegt werden.

Eine Schlüsselrolle bei der Jagd auf Levashov spielte Elliott Peterson, Special Agent beim FBI. Er legte gemeinsam mit zwei Experten im Jahr 2014 bereits das gefürchtete Zeus-Netzwerk lahm, das von Jewgeni Bogatschew gebaut wurde. Er ist derzeit der meistgesuchte Hacker der Welt, auf ihn sind drei Millionen US-Dollar Kopfgeld ausgesetzt.

Gefasst während des Familienurlaubs

Gefasst wurde Levashov, der eigentlich in St. Petersburg lebt, im Familienurlaub in Spanien. Die ersten Planungen zur Operation liefen bereits im Frühjahr an, denn Spanien ist ein starker Verbündeter der US-Amerikaner im Kampf gegen Cyberkriminalität. Levashov ist seit Jahren im Visier der Fahnder, auf der SpamHaus-Liste der größten Spammer liegt er derzeit auf Platz sechs.

Auf die Schliche kamen ihm die Ermittler schließlich, weil sie akribisch IPs und Login-Daten von Seiten wie FourSquare, Apple und Google abglichen. Kurioserweise nutzte Levashov dieselben Login-Daten für seine kriminellen Geschäfte wie für iTunes. Am Ende wurde ihm diese Nachsichtigkeit zum Verhängnis.

Ob und wann der Spam-Zar an die USA ausgeliefert wird, ist noch unklar.

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cf

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