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Mehr Schaden als Nutzen So harsch rechnet ein Ex-Firefox-Entwickler mit der Antiviren-Industrie ab

Windows Antivirus
Viele Nutzer vertrauen auf Antivirenprogramme - doch die sind häufig das Problem, behauptet nun ein ehemaliger Firefox-Entwickler
© demaerre/Getty Images
Viele Nutzer schwören auf Antivirensoftware. Doch ein ehemaliger Firefox-Entwickler sorgt nun für Aufsehen: Er fordert, dass man die Programme löschen soll, weil sie mehr Schaden anrichten als schützen. Er lässt nur eine Ausnahme zu.

Antivirensoftware ist in der Technikwelt schon lange umstritten. Viele Nutzer schwören auf die Programme, die sie zuverlässig vor Viren, Würmern und Trojanern schützen sollen. Einige Experten halten sie dagegen für virtuelles Schlangenöl, benannt nach den zahlreichen Wundermitteln, die Marktschreier im Wilden Westen gegen sämtliche Gebrechen feilboten und die doch keinerlei messbaren Effekt hatten.

Der ehemalige Firefox-Entwickler Robert O'Callahan geht nun sogar noch einen Schritt weiter: Er findet die Programme nicht nur nutzlos, sondern hält sie sogar für schädlich. Seinen offenbar über Jahre angestauten Frust schreibt er sich in einem Blogeintrag ("Löschen Sie Ihre Antivirus-Software (außer Microsofts)") von der Seele.

"Kauft keine Antivirensoftware"

Dabei nimmt O'Callahan kein Blatt vor den Mund: "Antivirensoftwarehersteller sind furchtbar, kauft keine Antivirensoftware und löscht sie, wenn ihr sie schon habt", so sein unmissverständlicher Rat. Seine Kritik basiert auf den teils schockierenden Berichten einiger Hersteller, die viele Programme in keinem guten Licht erscheinen lassen. Googles "Project Zero" etwa listet zahlreiche Schwachstellen in den Virenkillern, die das System gefährden.

"Weiterhin […] vergiften AV-Produkte das Software-Ökosystem, weil das invasive Verhalten und die miserable Programmierung es für andere Entwickler schwierig machen, die eigenen Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern", schreibt O'Callahan. Als ehemaliger Firefox-Entwickler weiß er, wovon er redet: "Mehrfach blockierten AV-Verkäufer Firefox-Updates, wodurch die Nutzer keine wichtigen Aktualisierungen bekamen. Viel Entwickler-Zeit wird dafür verschwendet, die Schäden der Antivirussoftware zu kitten, statt das eigene Programm zu verbessern."

Kein Hersteller wagt offene Kritik

Kaum ein Hard- oder Softwarehersteller wagt es, die Antiviren-Industrie öffentlich zu kritisieren, da man auf deren Kooperation angewiesen sei. "Stürzt etwa das eigene Programm beim Start ab, weil das Antivirensystem dazwischenfunkt, schieben die Nutzer die Schuld auf dein Produkt, nicht auf das Antivirenpaket. Noch schlimmer: Wenn sie dein Programm unglaublich langsam machen wollen, denken die Leute, dass dein Produkt nun einmal so ist", fasst O'Callahan das Problem zusammen.

Nur eine Software erhält von dem Ex-Firefox-Entwickler den Segen: Der bei aktuellen Windows-Versionen vorinstallierte Windows Defender sei durchaus sinnvoll, so O'Callahan. Statt auf die Wunderversprechen einiger dubioser Tools zu vertrauen sei es aber wichtiger, stets die aktuellsten Updates und Versionen zu installieren.

Der Beitrag sorgte in den sozialen Netzwerken für großen Wirbel, weshalb ihn O'Callahan noch einmal konkretisiert hat. In einem Update macht er deutlich, dass seine Aufforderung explizit für aktuelle Systeme gilt. Nutze man noch Windows 7 oder "Gott behüte, Windows XP", müsse man Antivirensoftware von Drittentwicklern etwas weniger verteufeln.

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