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Browser in der Krise Der Firefox ist tot, lang lebe der Firefox

Der Firefox unterlag Chrome im Browser-Krieg - findet er noch einmal zu alter Stärke zurück?
Der Firefox unterlag Chrome im Browser-Krieg - findet er noch einmal zu alter Stärke zurück?
© Mozilla
Der Firefox war einmal der beliebteste Browser in vielen Teilen der Welt. Doch Fehlentscheidungen und Flops stürzten den einstigen Netz-König in die Bedeutungslosigkeit. Kann jetzt noch einmal die Wende gelingen?

Früher war die Technikwelt noch klar aufgeteilt: Auf Windows-PCs surfte man mit dem Internet Explorer durchs World Wide Web, das Mac-Pendant war der Safari-Browser. Dann kam im Frühjahr 2004 der Mozilla Firefox - und der wirbelte das Internet durcheinander. Er war schneller als die Konkurrenz und punktete mit einem schlichten Design. Seinen Höhepunkt erreichte der Firefox Ende 2009 bis Anfang 2010. Je nach Statistik kam der Browser damals weltweit auf einem Drittel aller Rechner zum Einsatz.

Dann folgte der Absturz. Auf Desktop-Rechnern wurde der Firefox von Googles Chrome entthront, den Mobil-Trend verpasste Mozilla völlig. Auf Smartphones und Tablets spielt der Browser keine Rolle, das eigene Betriebssystem floppte und auch auf Smart TVs konnte man sich nicht behaupten. Mittlerweile dümpelt der Marktanteil bei rund 12 Prozent herum. Es sieht aus, als wäre der einstige Kult-Browser nach jahrelangen Fehlentscheidungen am Ende.

"Wir sind nicht tot"

Doch aufgeben wollen die Macher noch nicht. "Wir mussten eine Zeit durchstehen, die man eigentlich nicht überlebt", sagte Mark Mayo, Senior Vice President von Firefox gegenüber dem US-Techportal "Recode". "Aber irgendwie sind wir nicht tot … und es fühlt sich an, als würden wir wieder Fahrt aufnehmen und herausfinden, was wir tun müssen." Mayo gibt zu, dass man sich zuletzt nicht intensiv genug mit dem Kernprodukt - dem Browser - beschäftigt habe, sodass er nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten konnte.

Dennoch gibt es Grund für verhaltenen Optimismus: Nach Jahren des Niedergangs geht es nun wieder leicht bergauf. Konkrete Zahlen wollte der Firefox-Manager nicht nennen, aber sowohl die Zahl der täglichen als auch monatlich aktiven Nutzer wuchs 2016 das erste Mal seit vier Jahren "im hohen einstelligen Prozentbereich".

Für das moderate Wachstum gibt es eine Reihe von Gründen. Nachdem man etwa jahrelang Apples iOS-Betriebssystem boykottierte, bietet man nun auch für iPhone und iPad einen Browser an. Vor allem "Firefox Focus" (hierzulande "Firefox Klar"), ein aufs Wesentliche reduzierter Browser, der sämtliche Spuren im Netz verwischt, kommt bei den Nutzern gut an. Langfristig peile man die 15-Prozent-Hürde auf dem Desktop an, das ambitionierte Ziel liege bei 20 Prozent.

Findet Firefox zu alter Stärke zurück?

Dennoch gibt es noch viel zu tun, wie der renommierte "Recode"-Kolumnist Walt Mossberg in seiner Firefox-Analyse betont. "Meiner Meinung nach ist der Firefox mit dem Stand von heute nur ein mittelmäßiges Produkt. Manchmal kann er sehr schnell sein, sowohl auf Mac als auch Windows. Aber häufig ist alles etwas ruckelig und es gibt große Probleme mit werbebelasteten Seiten." Allerdings seien auch die Konkurrenten nicht perfekt, betont Mossberg. "Chrome zum Beispiel strapaziert die Ressourcen meines Rechners viel zu häufig, sodass sämtliche Prozesse langsam werden." Wenn Mozilla die Fehler des Firefox' ausmerzt, könne der Browser zu alter Form zurückfinden.

Dessen ist sich auch Mayo bewusst: Man habe noch viel Arbeit vor sich, und die ersten Ergebnisse werden die Nutzer erst später in diesem Jahr zu Gesicht bekommen. Bis Ende des Jahres wolle man an Chrome in puncto Performance vorbeiziehen. Gelingen soll das mit einer neuen Browser-Engine namens "Project Quantum", die große Teile der mittlerweile veralteten Gecko-Engine ersetzen soll. Das soll die komplette "Web-Erfahrung verändern", schwärmte Firefox-Ingenieur David Bryant im Oktober. "Seiten werden schneller laden, das Scrollen wird seidenweich."

Man darf gespannt sein, ob Mozilla die hohen Erwartungen erfüllen kann. Denn auch die Konkurrenz schläft nicht. Doch ein bisschen Wettbewerb hat bekanntlich noch nie geschadet.

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