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Netgear Orbi: Dieser Router löst Ihre Wlan-Probleme

Wlan-Router sind meist keine Hingucker. Netgear dagegen hat mit Orbi ein Gerät entwickelt, dass nicht nur schick, sondern auch schnell sein soll. Wir erklären, wie gut der neue Router funktioniert.

Der Orbi-Router sieht unscheinbar aus, hat aber ein paar clevere Tricks auf Lager

Der Orbi-Router sieht unscheinbar aus, hat aber ein paar clevere Tricks auf Lager

Bei Rasierern gilt seit Jahren: Fällt den Herstellern nichts mehr ein, verbaut man einfach eine weitere Klinge. Ganz ähnlich schien die Router-Industrie zu ticken. Im Lauf der Jahre wurden aus den unscheinbaren Netzwerk-Kästen futuristische Geräte, die mit ihren schnittigen Kanten und vielen Antennen an einen Mix aus Tarnkappenbomber und Alien-Raumschiff erinnern. Die modernen Router sind pfeilschnell, doch prominent ins Wohnzimmer stellen will sie niemand. Nicht selten fristen sie deshalb in der hintersten Ecke der Wohnung ihr Dasein - und am Ende hat man trotz acht verbauter High-Speed-Antennen in der Küche kein Netz.

Hightech, aber nicht gerade schön: ein Asus-Router mit acht Antennen

Hightech, aber nicht gerade schön: ein Asus-Router mit acht Antennen

Das US-Unternehmen Netgear wählt nun einen anderen Ansatz und hat mit Orbi ein Routersystem auf den Markt gebracht, das nicht nur optisch auffällt, sondern auch technisch einiges auf dem Kasten hat. Das hat aber seinen Preis.

Hohe Datenraten, viele Buchsen

Auf den ersten Blick erinnert Orbi mit seinem abgerundeten, weißen Gehäuse eher an eine Vase als an ein Netzwerkgerät. Doch im Inneren verbirgt sich ein konventioneller Tri-Band-Router mit sechs Antennen, wie ihn auch viele Konkurrenten anbieten.

Technisch ist Orbi gut gerüstet, setzt aber keine Akzente: Der aktuelle ac-Wlan-Standard wird unterstützt, die Mu-MIMO-Technik sorgt dafür, dass Datenübertragungen auf mehrere Geräten gleichzeitig möglich sind. Zudem nutzt das Gerät die Beamforcing-Technologie, mit der Signale direkt an die Position des Empfängers angepasst werden. Dafür müssen diese allerdings auch Beamforcing unterstützen.

Auf der Rückseite befinden sich drei Ethernetbuchsen und ein weiterer Port zum Anschluss an ein externes Modem oder einen bereits bestehenden Router. Ein Modem ist nicht eingebaut. Zudem gibt es einen USB-Anschluss, der allerdings nur USB 2.0 und nicht das deutlich flinkere USB 3 unterstützt. Für Netzwerkdrucker ist das irrelevant, wer jedoch eine externe Festplatte anschließt (etwa zum Speichern von Backups), bekommt den Geschwindigkeitsunterschied zu spüren.

Ein junger Mann sitzt auf Klo mit iPad in der Hand.

Kinderleichte Einrichtung

Zwar kann man den Orbi-Router auch einzeln betreiben, seine volle Stärke spielt er aber erst mit dem zusätzlich erhältlichen Satellit aus. Dieser sieht aus wie der Router und wird am anderen Ende der Wohnung positioniert. Bei der idealen Positionierung hilft ein farbiger LED-Ring auf der Oberseite: Bei blauem Licht funktioniert alles perfekt, bei Gelb hat man nur eingeschränktes Tempo, bei Rot hat der Satellit keine Verbindung zum Router.

Sind beide Geräte via Druck auf den Sync-Button miteinander verbunden, bilden diese ein gemeinsames Wlan-Netz. Praktisch: Router und Satellit nutzen denselben Wlan-Namen (die sogenannte SSID), sodass sich der Nutzer nicht darum kümmern muss, ob er im Netz des Basis-Routers oder des Satelliten ein schnelleres Wlan bekommt.

Mehr Reichweite dank Satellit

Der Clou: Das Orbi-System baut drei parallele Wlan-Netze auf. Für ältere Geräte gibt es ein 2,4-Gigahertz-Netz (400 Mbps), modernere Geräte nutzen das 5-Gigahertz-Funknetz (bis zu 866 Mbps). Das dritte, schnellste Netz (1733 Mbps) wird ausschließlich für die Kommunikation zwischen Router und Satellit verwendet und steht dem Nutzer nicht zur Verfügung. Dadurch ist es aber möglich, dass auch bei vielen Geräten im Netzwerk (Wlan-Boxen, Notebooks, TV, Smartphones oder Konsolen) die Verbindung zwischen Router und Satellit stabil und ohne spürbare Tempo-Einbußen bleibt. Das Problem mit langsamen Verbindungen, die bei Wlan-Repeatern sonst zwangsläufig auftreten, hat man deshalb nicht.

Netgear verspricht mit einem Router und einem Satellit eine Abdeckung von bis zu 350 Quadratmetern. Mit mehr Satelliten kann man den Einzugsbereich noch vergrößern, das wird dann aber eine teure Angelegenheit.

Höhere Downloadraten im zweiten Stock

Wie Benchmarks zeigen, stellt Orbi im Nahbetrieb (bis zwei Meter) keine Geschwindigkeitsrekorde auf, sondern befindet sich auf Augenhöhe mit anderen ac-Routern. Deutlicher ist der Unterschied bei zehn Metern Entfernung, hier erreicht Orbi knapp doppelt so hohe Download- und etwa 60 Prozent höhere Uploadraten als Konkurrenzmodelle. Noch größer ist der Unterschied über zwei Etagen, wo Orbi bis zu fünfmal höhere Download-Raten liefert - hier verblasst die Konkurrenz.

Die Benutzeroberfläche des Routers (im Browser "http://routerlogin.net" aufrufen) ist übersichtlich und bietet gängige Funktionen wie Kindersicherung, Portweiterleitung oder automatische Updates. Aus Sicherheitsgründen sollte man unbedingt das Passwort für den Admin-Zugang ändern. Worauf Sie bei der Erstellung eines Passworts achten sollten, erklären wir hier.

Fazit: Cleveres System, aber hoher Preis

Mit dem Orbi-System bringt Netgear frischen Wind ins Router-Geschäft. Durch die simple Einrichtung können auch Laien problemlos ihr eigenes Funknetzwerk aufbauen. Die Wlan-Reichweite und das Tempo sind sehr gut und die eingebaute Software nimmt dem Nutzer viele Handgriffe ab. Dank des modularen Systems kann man das Funknetz auch noch nachträglich verstärken oder erweitern.

Der größte Wermutstropfen ist der Preis: Der Router kostet einzeln 250 Euro, im Set mit einem Satelliten werden knapp 400 Euro fällig. Das ist kein Schnäppchen, doch auch für andere Premium-Router zahlt man 200 Euro und mehr.

Lohnenswert ist das Set nur, wenn man eine große Fläche oder mehrere Etagen mit Wlan abdecken will und dabei trotzdem viel Wert auf eine hohe Geschwindigkeit (etwa Videostreaming) und einen niedrigen Ping (wichtig für Gamer) legt. Will man lediglich ein paar Zimmer weiter E-Mails abrufen, reicht auch ein handelsüblicher Repeater für 30 Euro. Der ist dann zwar nicht so schnell und komfortabel, aber deutlich günstiger. 

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