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Er erfand vor 28 Jahren das Internet - diese drei Dinge stören ihn heute gewaltig

Der Wissenschaftler Tim Berners-Lee gilt als der Vater des World Wide Web. 28 Jahre später sieht er seine Erfindung aber kritisch. Drei Dinge würde er gerne am heutigen Internet ändern, um es zu retten.

Tim Berners-Lee hat das World Wide Web erfunden - und hat am heutigen Internet einiges auszusetzen.

Tim Berners-Lee hat das World Wide Web erfunden - und hat am heutigen Internet einiges auszusetzen. 

Eigentlich wollte nur das Chaos an seinem Arbeitsplatz minimieren. Doch mit seinem Thesenpapier "Informationsmanagement: Ein Vorschlag" schuf er im März 1989 die Grundlage für das Internet, wie wir es heute kennen. Der damalige Informatiker am Kernforschungszentrum Cern in der Schweiz träumte von einer Plattform, auf der alte Artikel, Anleitungen und Aufsätze nicht nur für alle einsehbar archiviert werden, sondern auch für alle Neulinge leicht auffindbar seien. Sein Vorgesetzter war von der Idee nicht begeistert ("Vage, aber hochinteressant"), doch Berners-Lee ließ sich davon nicht abhalten. Weihnachten 1990 legte er den ersten Webserver der Welt an, am 6. August 1991 machte der damals 36-Jährige die erste Webseite im Internet öffentlich.

Seitdem hat sich viel getan. Konzerne wie Google, Apple, Facebook, Netflix und Amazon dominieren das Netz. Aus dem Wissensarchiv von einst wurden das größte Unterhaltungsangebot der Welt und zahlreiche soziale Netzwerke. 28 Jahre später blickt Tim Berners-Lee in einem Gastbeitrag im britischen "Guardian" auf das heutige Internet. "Vor allem drei Trends besorgen mich, mit denen wir fertigwerden müssen, damit das Netz sein wahres Potenzial für die Menschheit entfalten kann."

Trend 1: Wir haben die Kontrolle über unsere persönlichen Daten verloren

Am meisten besorgt Berners-Lee die Datensammelei vieler Konzerne, die kostenlose Dienste im Austausch für persönliche Informationen der Nutzer bieten. Das Problem daran: Die Daten werden "in eigenen Silos gehortet, außerhalb unserer Sichtweite", schreibt der Netzexperte. Eine direkte Kontrolle über die eigenen Daten sei so nicht mehr möglich. Oft könne man nicht einmal entscheiden, welche Informationen man mit Firmen teilen möchte und welche nicht - das Motto sei meist "ganz oder gar nicht".

Das kann gravierende Folgen haben. Denn nicht nur Firmen könnten auf diese Weise beinahe jeden unserer Schritte online verfolgen, sondern auch Regierungen. In einigen Regimes werden politische Feinde und unliebsame Aktivisten auf diese Weise überwacht und anschließend eingesperrt oder gar getötet, merkt Berners-Lee an. "Doch selbst in Ländern, in denen Regierungen nur das Beste für ihre Bürger im Sinn haben, geht die Dauerüberwachung einfach zu weit." Das Netz sei kein Platz mehr, um sich über wichtige Themen wie Sexualität, Religion oder heikle Krankheiten zu informieren. Dabei war der freie Zugang und Austausch von Informationen eines seiner größten Anliegen.

Trend 2: Fehlinformationen verbreiten sich zu leicht im Web

"Heutzutage finden viele Menschen Nachrichten und Informationen nur noch über eine Handvoll sozialer Netzwerke und Suchmaschinen", schreibt Berners-Lee. Auch das hat einen gewaltigen Haken: Denn viele Portale verdienen mehr Geld, je mehr Links von den Besuchern angeklickt werden. Um die Klickrate zu erhöhen, bekommen die Nutzer deshalb die Inhalte zu sehen, von denen ein Algorithmus glaubt, dass sie am wahrscheinlichsten geklickt werden.

Die Folge: Fehlinformationen oder Fake News können sich rasend schnell verbreiten. Durch immer ausgefeiltere Programme und ganze Armeen von Bots kann das System schnell manipuliert und von einigen Menschen zu politischem oder finanziellen Vorteil genutzt werden.

Trend 3: Politische Online-Werbung benötigt mehr Transparenz

"Politische Online-Werbung ist zu einer hochentwickelten Industrie geworden", schreibt Berners-Lee. Durch die immer größere Menge an privaten Daten und mächtigen Algorithmen sei es möglich, individuell zugeschnittene Online-Werbung auszuspielen. Im US-Wahlkampf war das bereits zu beobachten. Angeblich seien rund 50.000 verschiedene Varianten von Werbeanzeigen jeden einzelnen Tag auf Facebook ausgespielt worden, "da ist eine Kontrolle beinahe unmöglich." Einige politische Werbekampagnen lotsen die Nutzer auch auf "Fake News"-Seiten. "Zugeschnittene Werbung erlaubt es, verschiedene, sich möglicherweise gar überschneidende Themen verschiedenen Zielgruppen auszuspielen. Ist das demokratisch?", fragt Berners-Lee.

Lösung der Probleme

Diese Probleme seien alle äußerst komplex, dementsprechend sind auch die Lösungen nicht einfach. Berners-Lee hat gemeinsam mit seiner Web Foundation dennoch ein paar Maßnahmen und Forderungen parat. So fordert er die IT-Konzerne auf, den Nutzern wieder mehr Kontrolle über ihre Daten zu geben und alternative Geschäftsmodelle (Abonnements, Mikrotransaktionen) zu evaluieren. Die Regierungen müssen daran gehindert werden, noch umfassendere Überwachungen einzuführen. Gatekeeper wie Google und sollten noch vehementer gegen Fake News vorgehen, und wir müssen sie dabei unterstützen. Algorithmen, die unser aller Leben entscheidend beeinflussen, sollten transparenter gemacht und politische Kampagnen müssen stärker reguliert werden.

"Ich mag das Web erfunden haben", schreibt Berners-Lee zum Abschluss. Doch erst die Millionen Blogs, Foren, Webseiten, Fotos, Videos und Tweets hätten es zu dem gemacht, was es heute ist. "Es hat uns alle gebraucht, um das Netz, das wir heute haben, aufzubauen - und jetzt liegt es an uns allen, das Netz zu bauen, das wir möchten."

cf

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