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Noise-Cancelling-Kopfhörer: The Sound of Silence

Kopfhörer auf, Knopf gedrückt - und schon hat man seine wohlverdiente Ruhe. Noise-Cancelling-Kopfhörer stammen aus der Weltraumtechnik, sind aber ein Segen für Pendler und Vielreisende. Doch die Technik hat ihren Preis.

Der Bose Quiet Comfort 35 ist derzeit der beste Noise-Cancelling-Kopfhörer

Der Bose Quiet Comfort 35 ist derzeit der beste Noise-Cancelling-Kopfhörer

Feierabendverkehr in Hamburg: Ich sitze in der S-Bahn, neben mir telefoniert eine Frau, vor mir brüllt eine Schulklasse durch den halben Waggon. Dabei will ich nur eins: Ruhe. Ich setze meine Kopfhörer auf, drücke einen Knopf auf der rechten Ohrmuschel - und die Welt wird schlagartig leiser. Das Rattern der Bahn verschwindet, die Stimmen sind nur noch gedämpft wahrnehmbar. Es fühlt sich an, als würde ich unter einer Käseglocke sitzen. Die Musik ist klar und deutlich zu hören, ohne dass ich sie bis zum Anschlag aufdrehen muss. Die Retter für den gestressten Feierabendverkehr oder Langstreckenflüge heißen Noise-Cancelling-Kopfhörer.

Vom Weltraum in die U-Bahn

Nicht erst seit dem iPhone 7, das ohne Klinkenbuchse daherkommt, verzeichnen Bluetooth-Kopfhörer einen Boom. Geschätzt jedes zweite Exemplar, das in diesem Jahr über die Ladentheke ging, war bereits kabellos. Groß im Kommen sind Bluetooth-Kopfhörer mit Noise-Cancelling-Technologie. Marktführer in diesem Bereich ist Bose, das US-Unternehmen gilt zugleich auch als Erfinder der Technik.

"Life Hacks": Nie wieder Kabelsalat mit Kopfhörern

Eigentlich wurden die Kopfhörer mit Geräuschdämmung für Astronauen entwickelt, um diese im Space Shuttle vor Hörschäden zu bewahren. Doch mittlerweile ist die Technik auch für Ottonormalbürger erschwinglich: Das Aushängeschild ist derzeit der QuietComfort 35, der exzellent arbeitet und einen sehr guten Klang hat, mit 349 Euro aber alles andere als ein Schnäppchen ist.

Es gibt aber auch Modelle von anderen Herstellern wie Bang & Olufsen, AKG, Libratone oder Sony ab 100 Euro, allerdings muss man hier Abstriche beim Komfort, Sound oder der Akkulaufzeit eingehen. Einige ältere Modelle haben außerdem ein eigenes Rauschen - das muss nicht, kann aber stören, je nachdem wie empfindlich man ist.

So funktioniert Active-Noise-Cancelling

Doch wie funktioniert Active Noise Cancelling (ANC, manchmal auch "Active Noise Reduction ANR") eigentlich? Die Kopfhörer haben an den Ohrmuscheln mehrere Mikrofone verbaut, die sämtliche Umgebungsgeräusche registrieren und die Informationen an die eingebaute Elektronik weiterreichen. In großen Over-Ear-Modellen steckt der Prozessor meist direkt im Kopfhörer selbst, bei kleineren In-Ear-Modellen ist er meist im Kopfhörerkabel verbaut.

Der Prozessor errechnet einen exakt entgegengesetzten Antischall, der den Störschall quasi aufhebt. Das eigentliche Nutzsignal - etwa die Musik oder die Tonspur eines Films - bleibt davon unberührt. Dafür benötigen die Kopfhörer allerdings zwingend eine Stromquelle, das sind meist Batterien oder via USB aufladbare Akkus.

Die Technik funktioniert besser bei tiefen Frequenzen, es ist also leichter, das nervige Brummen eines Flugzeug-Triebwerks oder einer Klimaanlage auszublenden als hohes Kindergeschrei. Gut bewährt haben sich ANC-Kopfhörer in Großraumbüros, hier wird das Geschnatter der Kollegen oder das klingelnde Telefon ebenfalls auf ein Minimum reduziert. 

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