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Interview

Konkurrenz durch Netflix: Cinemaxx-Chef: "In fünf Jahren sind unsere Kinos nicht mehr zeitgemäß"

Das Heimkino wird immer erschwinglicher, Streamingdienste wie Netflix sind auf dem Vormarsch. Keine guten Nachrichten für das klassische Kino - oder? Ein Interview mit Cinemaxx-Chef Carsten Horn über Apple, Ledersitze im Kinosaal und faire Eintrittspreise.

Cinemaxx-Chef Carsten Horn sprach mit dem stern über die Zukunft des Kinos, die Höhe von Eintrittspreisen - und die Konkurrenz durch Streamingdienste.

Cinemaxx-Chef Carsten Horn sprach mit dem stern über die Zukunft des Kinos, die Höhe von Eintrittspreisen - und die Konkurrenz durch Streamingdienste.

Herr Horn, haben Sie einen -Account?

Nein, aber meine Töchter. Die gehen trotzdem noch ins Kino. Ich nutze nur ein- bis zweimal im Monat , wenn ich Filme sehen möchte, die ich nicht zuhause auf DVD habe.

Das wird immer besser wird - und erschwinglicher. Wozu braucht man überhaupt noch das Kino?

Es gibt einen entscheidenden Unterschied: Für die meisten Studios ist das Kino immer noch die Premiumverwertung. Der Regisseur hat "Dunkirk" etwa mit zwei iMax-Kameras gefilmt. Das gibt mir Hoffnung. Solange diese Leidenschaft da ist, solange werden Filme für den Big Screen gemacht. Das Kino hat auch einen entscheidenden Vorteil in der Vermarktung. Die ersten vier bis sechs Monate eines Films gehören uns. Man erlebt ihn zuerst auf der großen Leinwand.

Das könnte sich bald ändern. möchte brandneue Filme schon nach drei Wochen zum Download anbieten.

Als Kinochef von Cinemaxx stelle ich mir eine wesentliche Frage: . Warum sollte einem ein Film drei Monate früher besser gefallen als danach? Die Masse der Filmindustrie will, dass sich der Film auf der Leinwand entfaltet, dafür reichen keine drei Wochen. 

Für Gruppen oder Familien ist das durchaus interessant. Zu viert ist man im Kino schnell 50 Euro los, manche müssen dafür noch Dutzende Kilometer zurücklegen. Da ist ein Stream für 30 Euro nicht die schlechteste Alternative.

Das muss am Ende die Filmindustrie wissen. Sie muss entscheiden, ob sie schnell in die Breite gehen oder ob sie einem Produkt eine gewisse Wertigkeit geben will. Das Thema des gemeinsamen Erlebnisses kommt in den eigenen vier Wänden natürlich auch zu kurz. Kino ist ein Sozialisierungsort. Es ist schön zuhause, manchmal will man als Familie aber auch woanders etwas unternehmen. Man kann auch sagen: Kino ist ein Kulturgut.

Sie haben zuvor Christopher Nolan erwähnt. Er ist einer der größten Befürworter des klassischen Kinos. Hollywood teilt sich mittlerweile in Netflix-Gegner und -Befürworter. Wie stehen Sie als Kinochef zu dem Konzern?

Netflix zeigt Filme. Und Menschen, die Filme mögen, gucken bei der passenden Gelegenheit Netflix und gehen zu einer anderen Gelegenheit ins Kino. Ich verstehe völlig, dass sie Filme gerne an verschiedenen Orten konsumieren. Ich mache das ja auch. Für die Kinoindustrie ist es wichtig, dass wir verstehen, was die wirklichen Kundenbedürfnisse sind, darauf verwenden wir auf jeden Fall unsere Energie.

Was müssen Sie denn anpacken, um am Ende nicht den Kürzeren zu ziehen?

Wir kämpfen gegen zwei Faktoren: das Sofa und fehlende Zeit. Wegen Letzterem müssen wir alles tun, damit Besuche prozessual gut funktionieren. Man muss etwa schnell und einfach an sein Ticket kommen. Das Sofa zuhause finden wir schön, die Leute die zu uns kommen müssen im Umkehrschluss ihren Kinobesuch schön finden. Als Multiplex-Betreiber müssen wir da noch unsere Hausaufgaben machen und die Aufenthaltsqualität erhöhen.

Sind Ihre Kinos in fünf Jahren denn noch zeitgemäß?

Nein, das glaube ich nicht. Umfragen zeigen, dass unsere Kunden in Deutschland die Qualität der Kinos als sehr gut bewerten. Das wird in fünf Jahren aber nicht mehr reichen. Bis dahin müssen wir investieren. Eine hohe Anzahl unserer Kinos wird dann etwa mit Ledersitzen ausgestattet sein.

Die kennt man ja bereits von den sogenannten VIP-Sitzen.

Die haben wir im letzten Jahr eingeführt. Das sind extrabreite Sitze mit großen Armlehnen und verstellbarer Rückenlehne. Dadurch hat man mehr Komfort und Distanz zu seinen Nachbarn. Wir werden Ende dieses Jahres das erste Kino in Hannover komplett mit diesen Sitzen ausstatten. In Großbritannien gibt es schon Kinos unserer Firmengruppe mit elektronisch verstellbaren Loungechairs, quasi Luxusliegen. So etwas werden wir auch einführen. Diese werden in der nahen Zukunft sogar mit dem iPhone steuerbar sein, sodass man seine letzte für gut befunden Position direkt wieder einstellen kann.

VIP-Sitze lassen Sie sich schon jetzt mit bis zu 2 Euro extra bezahlen. Bei der Liege wird das nicht mehr reichen, oder?

Beim Preis ist es immer eine Frage, was man dafür bietet. Für komplette Kinos mit Ledersitzen ist ein Kunde denke ich ohne Probleme bereit, einen Euro extra zu bezahlen. 1,50 Euro Aufschlag ergibt pro Minute bei einem längeren Spielfilm nur einen Cent!

Ja, nur für den Sitz. Schaut man sich die Entwicklung des durchschnittlichen Ticketpreises an, ist dieser von 5,86 Euro (2002) auf 8,45 Euro (2016) gestiegen. Wo denken Sie ist die Grenze?

Den Preis schauen wir uns sehr genau an. Die Kunden sagen uns in Bewertungen sehr deutlich, wie sie Faktoren wie Preis, Sauberkeit, Warteschlangen oder Freundlichkeit empfinden. Wir haben eine eigene Abteilung, die sich nur mit dem Pricing beschäftigt. Am Ende ist es auch den Kunden überlassen. Die Auslastung der VIP-Sitze ist jedenfalls sehr hoch. Das hat unsere Erwartungen übertroffen. Es gibt offenbar ein großes Bedürfnis danach. 

Das führt auch zu neuen Problemen. Im Kinosaal beobachtet man häufig, dass sich Besucher kurz nach Filmbeginn auf die freien Stühle mogeln.

Das ist tatsächlich ein Thema! Wir hatten einige Kundenbeschwerden, dass sich zu Filmbeginn plötzlich die Reihe mit den VIP-Sitzen füllt. Seitdem überprüfen wir das routinemäßig. Unsere Mitarbeiter sehen ja, welche Plätze gebucht sind und welche nicht. Sollte sich jemand umsetzen, weisen wir ganz freundlich darauf hin. Es kann ja auch ein Versehen sein. Es geht uns auch nicht um Sanktionen. Aber wenn jemand den Sitz bucht, soll er nicht das Gefühl haben, dass jemand anderes etwas umsonst kriegt.

+++ Lesen Sie hier Teil 2 des Interviews: Was der Cinemaxx-Chef über Hollywood-Blockbuster denkt - und wie viel Kinowerbung er für angemessen hält +++

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